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Coronavirus: Frankfurt/Rhein-Main
 

Coronavirus: Frankfurt/Rhein-Main

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„Die Wirtschaft unserer Region ist der Garant für unsere Zukunft“

Foto: Dirk Ostermeier
Foto: Dirk Ostermeier
Die Corona-Pandemie belastet auch die Wirtschaft. Eric Menges, Geschäftsführer der FrankfurtRheinMain GmbH, wirbt normalerweise bei ausländischen Unternehmen für die Region. Ein Gespräch über die Herausforderungen, die auf den Wirtschaftsstandort Frankfurt/Rhein-Main zukommen.
JOURNAL FRANKFURT: Bedingt durch die Ausbreitung des Coronavirus mussten in Frankfurt zahlreiche Messen und andere Veranstaltungen abgesagt werden, der Tourismus geht zurück, die Hotel- und Gastronomiebranche verzeichnet Umsatzrückgänge, in zahlreichen anderen Branchen kommt es zu Lieferschwierigkeiten. Befürchten Sie, dass der Wirtschaftsstandort Frankfurt ernsthaften Schaden durch die Pandemie erleiden wird?
Eric Menges: Das Coronavirus ist ein Stresstest für die gesamte Gesellschaft, unterschiedliche Standorte in Deutschland und Europa sind aus verschiedenen Gründen mal mehr mal weniger betroffen. Diese Situation ist neuartig und so noch nie dagewesen. Daher kann niemand zum heutigen Zeitpunkt seriöse Aussagen über die mittel- und langfristigen Auswirkungen machen. Klar ist aber, dass Frankfurt und die Frankfurt/Rhein-Main-Region in der globalisierten Wirtschaft eine zentrale Rolle spielen. Wenn diese Globalisierung auf die Bremse tritt, betrifft uns das natürlich quer durch die verschiedenen Branchen. Andererseits sind wir dann auch schnell in der Lage, wieder Gas zu geben, wenn die Umstände es erlauben.

Welche Herausforderungen bringt die aktuelle Situation für die FrankfurtRheinMain GmbH?
Auch wir sind, wie alle anderen auch, von der Situation betroffen – insbesondere deshalb, weil es im Kern unseres Geschäfts um internationale persönliche Kontakte geht. Auch wir hatten schon einige Events oder Messeauftritte in der Planung, die nun verschoben oder abgesagt werden, um unsere Mitarbeitenden sowie Kundinnen und Kunden zu schützen. Innerhalb kürzester Zeit haben wir eine Infrastruktur aufgebaut, um auch außerhalb der Büroinfrastruktur arbeitsfähig zu sein und mit unseren Kundinnen und Kunden in Kontakt zu bleiben. In erster Linie aber haben viele unserer Kundinnen und Kunden aktuell andere Herausforderungen, als ihre Expansion nach Frankfurt/Rhein-Main voranzutreiben. Das müssen wir so akzeptieren, stellen aber gleichzeitig sicher, dass unsere Verbindungen und Beziehungen nicht gekappt werden, sondern auf kleinerer Flamme weiterlaufen.

Sie agieren weltweit und werben auch im Ausland für den Standort Frankfurt. Was bedeutet die Pandemie für Ihr internationales Netzwerk?
Unser Team ist es gewohnt, über das Internet oder per Telefon Kontakte zu Kundinnen und Kunden in fernen Ländern aufzubauen und auch zu pflegen. Das hilft uns jetzt hoffentlich. Auch basiert unsere Ansprache von potentiellen Kundinnen und Kunden in zunehmendem Maße von intensiver Vorab-Recherche. Es muss daher nicht immer nur schädlich sein, wenn man sich vorübergehend aus der Hektik des Tagegeschäfts zurückzieht. Klar ist, aktuell finden alle unsere Meetings und Treffen ausschließlich im virtuellen Bereich statt. Wir sind derzeit nur über unsere Auslandsbüros in unseren Zielländern physisch präsent, kein Teammitglied reist. Unser Team in China arbeitet schon seit Wochen im Homeoffice, unser Indien-Team seit heute. Aus China gibt es aber aktuell die ersten positiven Signale und wir hoffen sehr, dass diese Entwicklung nachhaltig ist. Wir sind aber für unsere Kundinnen und Kunden, Partnerinnen und Partner und Multiplikatoren weiterhin erreichbar. Die Möglichkeiten, die sich dafür über das Internet bieten, werden ständig besser. Anfragen werden wie gewohnt schnell, unkompliziert und fundiert beantwortet.

Sie unterstützen unter anderem bei Firmengründungen, die Corona-Krise trifft derzeit aber insbesondere Selbstständige hart. Welche Maßnahmen muss die Politik Ihrer Meinung nach ergreifen, um Selbstständige zu schützen?
Da wir uns vorrangig mit ausländischen Ansiedlungen beschäftigen, betrifft uns dieser Bereich weniger. Wir haben eine Situation, die so zu meinen Lebzeiten noch nie dagewesen ist und für die es keine vorgefertigten Pläne in der Schublade gibt. Wichtig wird sein, den Betroffen zunächst gut zuzuhören und dann Maßnahmen zu ergreifen, die dann schnell und zielgenau wirken. Besonders wichtig ist dabei, so unbürokratisch wie möglich vorzugehen.

Wie schnell, glauben Sie, wird sich die Wirtschaft nach Eindämmung des Virus erholen?
Ich denke, wir werden zunächst abwarten müssen, ob nach den Osterferien der Schulbetrieb wiederaufgenommen werden kann und wie sich bis dahin die Epidemie entwickelt. Zeigen die Maßnahmen, die wir jetzt ergreifen bis dahin Wirkung oder nicht? Es gibt vieles, das nicht einfach irgendwann nachgeholt werden kann, aber ich denke schon, dass, wenn irgendwann zu Übertragungswegen, Heilungschancen und Behandlung sowie Herdenimmunität neue Erkenntnisse und Fakten vorliegen, sich durchaus eine echte Aufbruchsstimmung verbreiten lässt. Wann dies der Fall sein wird, darüber kann zurzeit niemand seriöse Voraussagen machen.

Was erwarten Sie insbesondere von der Stadt Frankfurt und dem Land Hessen zum Schutz der hiesigen Wirtschaft?
Ich erwarte, dass ohne Tabus und Parteipolitik die wirksamsten Maßnahmen diskutiert werden und das, was möglich ist, zeitnah und unbürokratisch umgesetzt wird. Die Wirtschaft unserer Region ist der Garant für unsere Zukunft. Es wäre schlimm, wenn wir nach überstandener Corona-Krise wieder beschleunigen wollen, aber bis dahin alle Akkus entladen sind.
 
20. März 2020, 08.57 Uhr
Ronja Merkel
 
Ronja Merkel
Jahrgang 1989, Kunsthistorikerin, von Mai 2014 bis Oktober 2015 leitende Kunstredakteurin des JOURNAL FRANKFURT, seit September 2018 Chefredakteurin. – Mehr von Ronja Merkel >>
 
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