Facebook
|
Twitter
|
RSS
|
eMags Kontakt
|
Mediadaten
|
Impressum
Wirtschaft
 

Corona-Lockdown

1

Der „Frankfurt-Plan“ soll’s richten

Foto: Tobias Rehbein/Unsplash
Foto: Tobias Rehbein/Unsplash
Einzelhandel und Gastronomie leiden unter den Lockdown-Maßnahmen; zahlreiche Unternehmen fürchten um ihre Existenz. Ein Aufbruchssignal für die Zeit nach Corona soll der „Frankfurt-Plan“ senden. Mit dem soll die Innenstadt attraktiver werden.
Pandemiebedingt sind die Einkaufsstraßen derzeit wie leergefegt, die Gastronomie befindet sich im Zwangs-Winterschlaf. Über die Zeit „nach dem Lockdown“ berieten in Frankfurt am vergangenen Donnerstag Vertreter:innen aus Wirtschaft und Politik sowie verschiedener Verbände. Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) und Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU) möchten den Frankfurter Gewerbetreibenden ein „Aufbruchssignal“ senden; die Frankfurter:innen sollen für „ihre Innenstadt zurückgewonnen werden“.

„Ich nehme die Sorgen der Frankfurter Gewerbetreibenden sehr ernst“, so der Oberbürgermeister. „Wegen Corona stehen Existenzen auf der Kippe. Da reicht es nicht, mit dem Finger nach Berlin oder Wiesbaden zu zeigen. Wir müssen selbst aktiv werden.“ Das „stimmige Gesamtpaket“, wie Feldmann es nennt, sieht einen Aktionszeitraum von mindestens vier Wochen vor – optimistisch anvisiert für Mai und Juni –, in dem unter anderem „Night Shopping“ und ein vergünstigter ÖPNV ermöglicht werden sollen.

Außerdem soll die bereits bekannte Aktion „Gast in der eigenen Stadt“ die Hotels unterstützen; in einem „Pavillon-Dorf“ auf der Zeil möchte man gemeinsam mit verschiedenen Städtepartnern wie Tel Aviv oder Mailand die „Welt zu Gast in Frankfurt“ präsentieren. Auch von Pop-Up-Konzepten bei Leerstand, Gutschein-Aktionen und der Einbeziehung von Schausteller:innen und Foodtrucks ist die Rede, um die Innenstadt, wenn es denn wieder möglich sein sollte, für Shoppingwillige attraktiver zu gestalten.

Madjid Djamegari: „Lokale Kreative einbeziehen“

Aber reichen diese Vorschläge aus, um den gebeutelten Frankfurter Unternehmen auf die Sprünge zu helfen? Madjid Djamegari, Inhaber des Gibson-Club und Vorsitzender der Initiative Gastronomie Frankfurt, begrüßt die Ideen, obgleich er noch Optimierungsbedarf sieht. „Ich denke, dass hinter diesen ersten Plänen bereits viele Überlegungen stehen. Und es stimmt: Es muss einiges passieren, um die Innenstadt wiederzubeleben“, so Djamegari. Leerstehende Flächen für Pop-Up-Konzepte zu nutzen, hält er für einen richtigen Ansatz, auch eine Vergünstigung des ÖPNV sowie der Parkhäuser seien sinnvolle Maßnahmen, um wieder mehr Menschen nach dem Lockdown in die Stadt zu locken.

Auch die Idee, mit den diversen Städtepartnern zu kooperieren, befürwortet Madjid Djamegari, allerdings wünsche er sich insgesamt „mehr Kreativität“. „Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass bei solchen Straßenfesten letztendlich immer die gleichen Meterwurst-Stände aufgebaut werden. Die aktuellen Vorschläge sind gut, aber ich befürchte, dass die Umsetzung wieder so schlecht wird, wie in der Vergangenheit“, sagt Djamegari.

Das Thema Straßenfeste auf der Zeil, oder auch in anderen Teilen der Stadt, sei ein schwieriges, da die dort präsenten Schausteller:innen und Foodtrucks selten aus Frankfurt kämen und somit den hiesigen Gewerbetreibenden das Geschäft eher erschwerten. Es brauche daher dringend neuen „kreativen Input“, so Djamegari, um dem „New Normal“ gerecht zu werden. Die für den Sommer geplante Fashion Week könnte der dringend notwendige „Wake Up Call“ sein, hofft der Unternehmer, wichtig sei jedoch, dass die Stadt die lokalen Kreativen einbeziehe.

Soforthilfen notwendig

Auch Sybille Nolte, Geschäftsführerin bei Hessen-Shop, begrüßt den Vorstoß der Stadt Frankfurt, merkt jedoch an, dass die Vorschläge noch einer gewissen Grundlage entbehrten, „da der Schaden, den Kultur, Gastronomie und Einzelhandel nehmen werden, noch nicht absehbar ist“. Sollte der Lockdown noch bis Ende Februar oder gar bis Ostern andauern, so Nolte, würde dies „sehr, sehr vielen Unternehmen die Basis für die Existenz nehmen und wenn es keine gut konzeptionierte Gastro-, Kultur- und Handelseinrichtungen mehr gibt, helfen Gutscheine und Marketing wenig.“ Die Umsatzverluste seien beträchtlich, bis zum Ende des Lockdowns durchzuhalten, sei „nicht ohne Soforthilfen möglich“.

Noch ist der Frankfurt-Plan nicht final beschlossen; im Februar will der Runde Tisch erneut tagen. Dann soll es auch um den „Masterplan Tourismus 2030“ gehen. Der soll eine Richtung vorgeben, mit der Frankfurt noch attraktiver für Tourist:innen werden kann. Nach überstandener Pandemie, versteht sich.
 
18. Januar 2021, 11.10 Uhr
Ronja Merkel
 
Ronja Merkel
Jahrgang 1989, Kunsthistorikerin, von Mai 2014 bis Oktober 2015 leitende Kunstredakteurin des JOURNAL FRANKFURT, seit September 2018 Chefredakteurin. – Mehr von Ronja Merkel >>
 
Empfehlen
 
Fotogalerie:
{#TEMPLATE_news_einzel_GALERIE_WHILE#}
 

Leser-Kommentare

Kommentieren
 
Uwe Looschen am 18.1.2021, 14:45 Uhr:
Die Anregungen/Konzepte der Stadtpolitiker sind alt und schon öfters umgesetzt worden. Somit gibt es gar keine neuen Ideen. Und das sind keine Konzepte für die Zeit nach Corona. Diese Verwerfungen sind nicht einmal annähernd erkennbar. Ein Witz ist auch, die Parkgebühren zu senken, die gerade erst vor wenigen Monaten hochgesetzt wurden. Wg. dem Klima. Da ist es eine Illusion, wenn die Parkgebühren wieder herab gesetzt werden. Da werden die FFF-Jünger schon für sorgen.
Und machen wir uns nichts vor: der Lockdown für Kultur und Gastro wird länger gehen. Ich vermute, dass erst ab Mai bestimmte Gastro-Location öffnen dürfen; nämlich diejenigen, die einen Garten, etc. haben und nur hier bedienen dürfen. Politik und Verbände sollten so langsam der Realität ins Auge schauen und nicht uns vertrösten, dass in 4 Wochen alles besser wird. Denn diese Ausreden hören wir schon seit November. Und morgen soll ein noch härterer Lockdown beschlossen werden, obwohl man uns Bürgern versprochen hat, dass es keinen harten Lockdown geben wird, wenn die Zahlen runter gehen. Die Zahlen gehen runter, und die Versprechungen werden nicht eingehalten. So läuft das schon seit Monaten. Genauso, wie auch die Hilfen vollmundig versprochen werden aber nicht ankommen. Ein Schelm wer denkt, dass Kultur und Gastro den Politikern wichtig sind.
 
 
Mehr Nachrichten aus dem Ressort Wirtschaft
 
 
Jahrelang verzeichnete die Frankfurter Tourismusbranche hohe Zahlen. Im vergangenen Jahr sorgten Lockdown, Reisebeschränkungen und Beherbergungsverbote für deutliche Einbrüche: Die Übernachtungen in Frankfurt gingen um mehr als 60 Prozent zurück. – Weiterlesen >>
Text: loe / Foto: Symbolbild © Pexels
 
 
Hessischer Landeshaushalt
0
Weniger Schulden als erwartet
Am Montag hat Hessens Finanzminister Michael Boddenberg den Haushaltsabschluss 2020 veröffentlicht. Wie sich zeigt, sind die Spuren der Corona-Pandemie nicht ganz so drastisch wie es die Landesregierung im Frühjahr noch prognostiziert hatte. – Weiterlesen >>
Text: ez / Foto: Pixabay
 
 
Nachdem die Pläne der Commerzbank schon im Januar öffentlich geworden waren, sind sie jetzt beschlossen: Bis 2024 sollen deutschlandweit mehr als 300 Filialen geschlossen und 10 000 Vollzeitstellen gestrichen werden. – Weiterlesen >>
Text: loe / Foto: Unsplash/Paul Fiedler
 
 
 
Dippemess in the City
0
Mehr Menschen für die Zeil
Mehr Leben – und Umsatz – für die Innenstadt: Vor dem Hintergrund des kürzlich vorgestellten „Frankfurt-Plans“ soll die Dippemess auf die Zeil umziehen. Möglichst bereits in diesem Sommer und hoffentlich mit shoppingwilligen Besucher:innen im Gepäck. – Weiterlesen >>
Text: rom / Foto: Holger Ullmann/© Stadt Frankfurt
 
 
„Tiefgreifende Restrukturierung“
1
Commerzbank plant Abbau von 10 000 Stellen
Bis 2024 plant die Commerzbank die Schließung von mehr als 300 Filialen in ganz Deutschland. Dabei sollen 10 000 Vollzeitstellen gestrichen werden. Eine endgültige Entscheidung darüber sei allerdings noch nicht gefallen. – Weiterlesen >>
Text: loe / Foto: © Unsplash/Sanjay B.
 
 
<<
<
1  2  3  4  ...  98