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1. FFC Frankfurt-SGS Essen 0:1
 

1. FFC Frankfurt-SGS Essen 0:1

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„Klassisches 0:0-Spiel“

Foto: Detlef Kinsler
Foto: Detlef Kinsler
Eine Standortbestimmung vorm Rückrundenstart in einer Woche sollte es werden – nach einer zuversichtlich stimmenden Vorbereitung. Doch der 1. FFC Frankfurt verlor sein Nachholspielspiel gegen die SGS Essen 0:1. Es gibt noch Nachholbedarf.
Man durfte gespannt sein im Stadion am Brentanobad, denn FFC-Cheftrainer Niko Arnautis hatte nicht weniger als „neu einstudierte Elemente“ und „taktische Flexibilität“ in Aussicht gestellt. Was die 780 Zuschauer beim Nachholspielspiel gegen die SGS Essen zu sehen bekamen, war eine Frankfurter Mannschaft, „die gar nicht so schlecht ins Spiel gekommen war“ (Arnautis), viel Platz auf dem Spielfeld vorfand, aber daraus zu wenig gemacht hat. „Der letzte Ball ging ins Aus oder zum Gegner“, bedauerte Arnautis den „enttäuschenden Tag“. Der FFC agierte zu unentschlossen, bei den Pässen fehlte die Präzision, so konnte kaum Druck aufgebaut werden gegen die Essenerinnen. Die witterten Morgenluft und so hatten die Gäste nach 25 Minuten die erste zwingende Torchance, der weitere folgen sollten. Anyomi durfte ungestraft durch den Strafraum marschieren und scheiterte nur an FFC-Torfrau Desiree Schumann. Der Ersatz für die verletzte Bryane Heaberlin parierte gleich noch einmal mit einem tollen Reflex und entschärfte danach einen gefährlichen Eckball. Ohne die ehemalige Nummer Eins, die ihren Stammplatz an die US-Amerikanerin verloren hatte, hätte der 1. FFC in der Halbzeitpause nicht nur den Pausentee, sondern auch zwei Gegentore zu verdauen gehabt. Immerhin: die beim Pressegespräch in der Woche geäußerte Hoffnung, sein Team möge die Ausfälle von Heaberlin und Laura Störzel kompensieren, erfüllte sich für Arnautis. Denn die auffälligste Frankfurter Spielerin neben Schumann war – aller anfänglichen Nervosität zum Trotz – die Debütantin in der Abwehrreihe: Sophia Kleinherne. Die 17-Jährige überzeugte, fügte sich zwischen Sandvej und Prießen in der Kette vor Schumann gut ein, spielte einige guten Bälle aus der Abwehr heraus und traute sich bei Eckbällen auch vors gegnerische Tor. Auf solche Talente wird man in Zukunft bauen können. Dafür blieben alle Leistungsträgerinnen, sogar Jackie Groenen, unter ihren Möglichkeiten. Gästetrainer Daniel Kraus jedenfalls sah seine Elf im Vergleich zum Spiel vor einer Woche gegen Freiburg stark verbessert und trauerte ein wenig den vergebenen Chancen der ersten 45 Minuten nach. „Wir haben Torchancen herausgespielt, hätten zwei Tore machen müssen, aber Desiree Schumann hat sensationell gehalten.“ Außer ein paar ansehnlichen Ballstafetten und der einen oder anderen guten Flanke passierte nicht viel im Spiel des FFC. Der konnte zwar die zweite Hälfte etwas ausgeglichener gestalten, alles sah nach „einem klassischen 0:0-Spiel“ (Arnautis) aus, zumal die Doppelspitze mit Crnogorcevic und Yokoyama eher stumpf blieb. Viel zu spät kam mit Lily Agg in der 69. Minuten eine „echte“ Stürmerin auf dem Platz, die auch versuchte, sich immer wieder im Sturmzentrum anzubieten, deren Schüsse aber auch von den Essenrinnen abgeblockt wurden. Auch Lisa Ebert, die in der 81. Minuten für Tanja Pawollek kam, konnte nichts mehr reißen. In den letzten zehn Minuten stellte sich die zuletzt oft beschworene Leidenschaft beim 1. FFC ein. Viel zu spät. Und viel zu kurz. Denn den lucky punch setzte dann – man könnte boshaft behaupten, die Frankfurterinnen hatten mit ihrer Passivität über die ganze Spielzeit gesehen darum gebettelt – die SGS Essen. In der 90+1 Minute durfte Linda Dallmann 17 Meter vor dem Tor unbedrängt zum Schluss kommen und der saß. Da konnte auch Schumann nichts retten. Beinahe wäre der FFC noch in einem Konter zum 0:2 gelaufen. Kraus jedenfalls freute sich für seine Mädels, die sich endlich mal selbst beschenkt hatten. Zu oft wären sie – auch unglücklich – mit leeren Händen aus Frankfurt zurück in die Heimat gefahren. Sein Kontrahent Niko Arnautis versuchte der Niederlage noch Positives abzugewinnen: „Das wirft uns nicht um. Platz 5 nach der Vorrunde ist kein Drama. Jetzt sind wir alle wieder auf dem Boden der Tatsachen zurückgekehrt und wissen: wir müssen immer ans Limit gehen. In Köln nächste Woche müssen wir wieder mehr investieren.“ Apropos investieren: nach 35 Minuten sah sich Stadionsprecher Werner Damm genötigt, die FFC-Fans im Frostmodus anzusprechen: „Die Mannschaft braucht Unterstützung.“ Tatsächlich aber war auch der Essener Anhang an diesem Nachmittag klarer Punktsieger. Sieben Sänger und ein Trommler überzeugten nicht nur mit Lautstärke, sondern auch einem wirklich flexiblen Liedrepertoire.
12. Februar 2018
Detlef Kinsler
 
Detlef Kinsler
Weil sein Hobby schon früh zum Beruf wurde, ist Fotografieren eine weitere Leidenschaft des Journal-Frankfurt-Musikredakteurs, der außerdem regelmäßig über Frauenfußball schreibt. – Mehr von Detlef Kinsler >>
 
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