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Heute beginnt die Stilblüten-Messe
 

Heute beginnt die Stilblüten-Messe

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Ist Frankfurt eine Modestadt?

Die Woche stand im Zeichen der Stadtblüten, dem Rahmenprogramm des Stilblüten-Festivals für Mode und Design. Noch vor dem Start der Messe heute wurde am Donnerstag im MAK über die hiesige Modeszene diskutiert.
Heute eröffnet die Stilblüten-Messe und Frankfurt wird zum Schauplatz der Mode mit 90 Labels aus der Stadt, aus Deutschland sowie aus Österreich und den Niederlanden. Ein großes Spektakel, was umso überraschender ist, weil man Frankfurt nicht automatisch mit Mode in Verbindung bringt. Zu Recht? Darüber wurde am Donnerstagabend im Museum Angewandte Kunst (MAK) bei einer Podiumsdiskussion mit rund 100 Zuschauern debattiert. „Neues Frankfurt. Eine modische Inspektion“, lautete das Motto des Abends.

Angeleitet von der MAK-Kuratorin Mahret Kupka diskutierten der Designer Albrecht Ollendiek, der einen Showroom in der Saalgasse unterhält, die Modebloggerin Kerstin Görling, deren Boutique Hayashi internationale Modelabel an den Börsenplatz holt, die Redakteurin der Textilwirtschaft, Jelena Juric, sowie Ata Macias, seines Zeichens Gastronom (Plank, Club Michel), DJ (Kreativdirektor des Robert Johnson) und ehemaliger Boutiquenbetreiber (Bergmann, Delirium). Freundliche Worte für Frankfurt fand zunächst MAK-Chef Matthias Wagner K in seiner Eröffnungsrede. 2011, als er, der Berliner, neu nach Frankfurt gekommen war, sei er das erste Mal bei Stilblüten gewesen. „Ich war erstaunt über Stilblüten und dass es nicht die übertriebene Coolness gab, die man von Paris oder Berlin kennt. Der Kaffee war billig und gut und die Gäste hatten Spaß.“

Doch wie cool ist Frankfurt als Modestadt? Mahret Kupka hat da so ihre Zweifel. „Die Messe Bright ist von hier weg gegangen, den Modekreis gibt es nicht mehr und man kann in Frankfurt auch nicht Modedesign studieren, was viele Designer sonst gleich in ihrer Stadt hält. Frankfurt ist für vieles bekannt, aber nicht für Modedesign.“ Doch wie sich bei der Diskussion zeigte, hat die Stadt schon immer ein paar Perlen bereitgehalten. Immerhin war sie mal die Stadt der Kürschner, als Pelze noch en vogue waren und als moralisch unbedenklich galten und man erinnere sich an die Designerin Toni Schiesser, die Stars wie Marika Rökk oder Caterina Valente aber auch Rosemarie Nitribitt einkleidete. Heute gibt es Designer wie Albrecht Ollendiek, dessen opulente Mode hochpreisig ist, aber seine individuelle Handschrift trägt. Dennoch gilt Frankfurt nicht als Modemekka wie etwa New York. „Man kann Frankfurt nicht mit Manhattan vergleichen. Vielleicht sieht es für ein paar Sekunden von genau einer Brücke aus so aus. Das Bahnhofsviertel ist der einzige Ort, wo ich sage, da ist Frankfurt eine Großstadt,“ sagt Ata Macias.

Mahret Kupka stellte dann die These in die Raum, Frankfurter seien eher abwartend und nicht unbedingt der Trendsetter. Dafür bestehe der Drang, Dinge in die Stadt zu holen und heimeliger zu machen. Private Essclubs wie der Club Michel seien Beispiele. Doch Ata Macias widersprach: „Frankfurt hatte als erste Stadt einen Club, der 24 Stunden aufhatte.“ Das Dorian Gray sei europaweit eine Institution gewesen. Mode von Dries van Noten habe es zuerst in Frankfurt gegeben, auch das holländische Label „People of the Labyrinth“. Sein Delirium sei der erste Clubwearladen Deutschlands gewesen ebenso wie sein Bergman-Laden der erste Concept Store der Nation war, angelehnt an Colette in Paris. Doch all das existiert nicht mehr, vielleicht doch, weil der Frankfurter eine Weile braucht, um in die Puschen zu kommen. Marc Jacobs habe in Frankfurt früher wie Blei in den Regalen gelegen. „Erst als Jacobs für Louis Vuitton arbeitete, und all der Pressrummel begann, war er gefragt.“

Albrecht Ollendiek berichtete, wie ihn der Baulöwe Jürgen Schneider seiner Zeit in die Schillerpassage lockte. Später zog er ins Galerienviertel. „Frankfurter brauchen Anleitung, jemanden der den Stempel aufsetzt.“ Davon kann Kerstin Görling ein Lied singen. Sie reist nach New York, Mailand und Paris und zeigt online die aktuellen Trends und wie man sie trägt. „Oft muss man unterstützend tätig sein. In Deutschland ist Mode kein Kulturgut wie in Frankreich.“ Man verstehe hierzulande weniger, dass Mode doch was Ironisches, Tolles sei, dass Spaß mache. „In Deutschland nimmt man sich zu ernst.“

Ollendiek hingegen schwärmte von seiner Kundschaft, die unanhängig sei und kunstaffin und sich von Modeblättern wie der Vogue distanziere. „Am schlimmsten sind die Leute, die immer so kreativ herumlaufen“, sagt Ollendiek. Meistens seien die Kreativen doch nur ein Abklatsch anderer Kreativer. Görling hingegen versteht Mode als Verkleidung, als Maske, mit der man immer jemand anderes sein könne. „Ein Outfit macht eine Frau nicht intelligent oder sexy“, entgegnete Ollendiek.

Doch woran mangelt es Frankfurt? Jelena Juric führte an, dass Frankfurt von den Quadratmeterpreisen der Geschäfte eine der teuersten Städte der Nation sei. „Doch wenn man es gut anstellt, hat man schnell treue Kunden. Das liegt auch daran, weil Frankfurt so eine kleine Stadt ist.“ Treue Kunden hat auch Ollendiek, der davon überzeugt ist: „In Frankfurt gibt es viele Frauen, die genau wissen, was sie wollen. Sie arbeiten in der Bankenbranche oder in der Wirtschaft und haben privat das Bedürfnis nach Schönheit. Außerdem biete der Speckgürtel Frankfurts ein großes Kundenpotenzial. Mode aber sei nicht das gleiche wie Kleidung. Kleidung werde in Massen produziert, in Läden verkauft, die in jeder Stadt gleich aussähen.

„Frankfurt muss Selbstironie erlernen. Das würde modisch viel verbessern. Hängt Euch nicht an die großen Ketten!“, mahnte Kerstin Görling. Ata forderte, dass Frankfurt viel mehr kleine Ladenflächen brauche, die für kleine Label bezahlbar seien. Stattdessen plane man so viele 400 Quadratmeter-Läden ein, wo doch nur Drogerien einziehen. Doch was an dem Abend unterschwellig auch vorkam: Frankfurts Kreativszene ist weniger durch die Stadtgrenze begrenzt, auch im unmittelbaren Umland gibt es Kreative. Ata Macias berichtete, wie seinerzeit DJ Sven Väth in New York Plateauschuhe entdeckte, die er dann selbst trug. Ein Geschäftsmann sah ihn damit und die, wenn auch umstrittenen, Buffalo Boots waren geboren. Buffalo nicht aus London, New York oder Paris, sondern aus Hochheim. Großen übernationalen Erfolg haben ja auch die Taschen von George, Gina und Lucy. Einen Flagship Store findet man in Frankfurt, die Taschen kommen aber aus Langesenselbold. Und wer denkt denn, dass die Queen eine Tasche trägt, die aus Offenbach kommt. Die dortige Ledertradition gerät gern mal ins Vergessen. Und wenn man den Großraum Frankfurt nimmt, dann gibt es doch so einiges an Modepotenzial, das es zu entdecken gilt. Gleiches gilt für die Stilblütenmesse, bei der auch einige Designer darauf warten, entdeckt zu werden.

Stilblüten: 6.-8.12., Mercedes-Benz Niederlassung, Hanauer Landstraße 121, Fr 14-21, Sa 10-20, So 10-18 Uhr, Eintritt mit dem Coupon auf der JOURNAL-Titelseite frei, sonst 7 Euro, www.stilblueten-frankfurt.com
 
6. Dezember 2013, 12.08 Uhr
Nicole Brevoord
 
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