Cookies sind eine wichtige Ergänzung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Facebook
|
Twitter
|
RSS
|
eMags Kontakt
|
Mediadaten
|
Impressum
Politik
Startseite Alle NachrichtenPolitik
Zwischenruf von Matthias Zimmer (CDU)
 
Zwischenruf von Matthias Zimmer (CDU)
1
Erdoğan Grenzen setzen
Foto: © Bernd Kammerer
Foto: © Bernd Kammerer
„Hier ist der Typ eines Schulhofbullys unterwegs“, schreibt der Frankfurter Bundestagsabgeordnete Matthias Zimmer in seinem Gast-Kommentar. Er spricht über Grenzen gegenüber der türkischen Regierung.
Jeder, der schon einmal ein kleines Kind erlebt hat, das mit dem Fuß aufstampft, „Ich will aber“ herausschreit und dann einen bühnenreifen Trotzanfall hinlegt, weiß: Ignorieren ist die beste Medizin. Der kleine Schreihals regt sich auch wieder ab. Nun gibt es nicht wenige, die uns dieses Verhalten auch im Umgang mit der Türkei anempfehlen. Und vielleicht ist ja was dran: Jeglicher Gegendruck würde vom türkischen Präsidenten dazu verwendet, die Reihen hinter sich zu schließen und eine Mehrheit im Referendum zu bekommen. Respice finem, das Ende nämlich zu bedenken, ist dann klug und staatsmännisch. So habe ich zunächst auch argumentiert. Ich sehe das mittlerweile anders. Müssen wir langmütig bleiben, wenn die Bundesrepublik zum Austragungsort eines innertürkischen Wahlkampfs wird?

„Meinungsfreiheit“, schallt es mir dann entgegen: Doch die Meinungsfreiheit ist durch einfache Gesetze beschränkt, und eines dieser Gesetze (zugestanden, in der Türkei) verbietet es Regierungsmitgliedern, im Ausland Wahlkampf zu betreiben. Nun könnte es uns ja egal sein ob sich türkische Minister an ihre eigenen Gesetze halten. Doch etwas anderes ist beunruhigend: Die Selbstverständlichkeit, mit der Mitglieder der türkischen Regierung Rechte bei uns in Anspruch nehmen wollen, die bei ihnen suspendiert sind.

Mehr noch: „Wenn ich komme, dann komme ich“, ließ der Staatspräsident verlauten und machte dabei deutlich, als was er Deutschland offensichtlich ansieht: Als eine Art Kolonie, die der Kolonialherr jederzeit ungefragt betreten darf. Auch das könnte man leise lächelnd ad acta legen und jenen Aufgeregtheiten zuschreiben, die es bisweilen in Wahlkämpfen gibt und die sich spätestens am Wahlabend wieder verflüchtigen. Gleichwohl, so einfach geht es nicht.

Die Selbstachtung der Deutschen spielt hier ebenfalls eine Rolle. Wenn ein ausländisches Staatsoberhaupt erklärt, er gedenke sich nicht um den erklärten Willen des Souveräns und seiner Regierung in einem anderen Land zu bekümmern und dies auch im Fall der Niederlande unter Beweis stellen lässt, ist eine andere Qualität der Auseinandersetzung erreicht. Die nachfolgenden Beschimpfungen gegenüber den Niederlanden unterstreichen dies nur noch.

Nein, hier ist kein Trotzkopf am Werk, den man gewähren lässt, bis sich der Anfall gelegt hat. Hier ist der Typ eines Schulhofbullys unterwegs, der aus Berechnung und mit Absicht Schwächere drangsaliert und kujoniert. Und meine Erfahrung ist: Da muss man Grenzen setzen. Wer dies nicht tut, ermutigt weitere Grenzüberschreitungen. Respice finem könnte hier bedeuten: Wer dem Übel nicht widersteht, ist für sein Überhandnehmen in der Welt mitverantwortlich.

Der Autor ist Frankfurter Bundestagsabgeordneter (CDU) und Vorsitzender des Ausschusses für Menschenrechte und humanitäre Hilfe. Das Foto entstand bei der Demo "Frankfurt sagt nein zur Diktatur " am 11. März 2017 in der Frankfurter Innenstadt.
20. März 2017
Matthias Zimmer
 
Empfehlen
 
Fotogalerie:
{#TEMPLATE_news_einzel_GALERIE_WHILE#}
 

Leser-Kommentare

Kommentieren
 
Uwe Looschen (Pringles-AUTOMATde) am 20.3.2017, 14:35 Uhr:
Ist alles korrekt. Aber zu wenig. Deutschland sollte so langsam anfangen, die Opposition zu stärken. Und den Deutschtürken verständlich erklären, was ist Pro und was ist Contra. Solange sich Politiker und Presse sich drüber aufregen, was der Sultan vom Bosperus für Sprüche rausläßt, kommt er seinem Ziel näher. Und wir sollten ganz deutlich ansprechen: Wer für das Referendum stimmt, stimmt dafür, dass die Todesstrafe in der Türkei wieder eingeführt wird. Ganz abgesehen von der Abschaffung der politischen Gewaltenteilung.
Das ist keine Demokratie sondern Diktatur.
Wann wachen endlich unsere Politiker auf? Diese Duckmäuserei ist ja nicht mehr anzusehen.
Es gibt doch kaum noch eine Nachrichtensendung, die nicht aus fast die Hälfte der Zeit mit den Beleidigungen aus dem Bosperus besteht. Und jeder Zuschauer fragt sich, warum er sich das gefallen lassen muß. Es wird doch soviel über Europa geredet. Wo ist denn ein wirksames Handeln der EU zu erkennen? Die ducken sich genauso weg, wie unsere deutschen Politiker. Und dann wundern sich alle, dass Rechtspopulisten Zulauf bekommen.
 
 
Mehr Nachrichten aus dem Ressort Politik
 
 
Stadtkämmerer will den Gürtel enger schnallen
1
Frankfurts fette Jahre sind vorbei
Im Hinblick auf den Haushaltsplan 2018 fordert Stadtkämmerer Uwe Becker zu Einsparungen auf, der Haushalt für das kommende Jahr weise ein Defizit von mehr als 286 Millionen Euro auf. Das Land Hessen soll unterstützend eingreifen. – Weiterlesen >>
Text: Nicole Brevoord / Foto: © Bernd Kammerer
 
 
Frankfurter Grünen-Politiker Omid Nouripour:
1
"Neuwahlen wollten wir nicht"
Der Frankfurter Bundestagsabgeordnete Omid Nouripour sieht die Schuld für das Scheitern der Jamaika-Koalition bei der FDP. Mit CDU und CSU wäre man zusammengekommen. – Weiterlesen >>
Text: nil / Foto: Die Grünen
 
 
On Tour mit der CDU-OB-Kandidatin
0
Weyland gibt den Affen "Zucker"
Bernadette Weyland (CDU) möchte den amtierenden Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) herausfordern. Am Donnerstag besuchte sie den Zoo und wagte sich im Weißkopfsakigehege auf unbekanntes Terrain. – Weiterlesen >>
Text: Nicole Brevoord / Foto: Nicole Brevoord
 
 
 
Bundesverdienstkreuz für Gerhard Wiese
0
Späte Ehrung für einen großen Frankfurter
Bundesjustizminister Heiko Maas reiste eigens an, um dem Oberstaatsanwalt a.D. Gerhard Wiese im Fritz Bauer Saal im Landgericht das Bundesverdienstkreuz am Bande zu verleihen. 52 Jahre nach Ende des Auschwitz-Prozesses. – Weiterlesen >>
Text: Nicole Brevoord / Foto: © Bernd Kammerer
 
 
Bürgermeister Uwe Becker (CDU):
6
"Ein G20-Gipfel wäre in Frankfurt willkommen."
Eigentlich ging es beim N-Klub in der vergangenen Woche um Nachhaltigkeit. Doch Uwe Becker sprach sich auch für einen G20-Gipfel in Frankfurt aus. "Wenn wir das nicht schaffen, schafft es keiner", sagte er. – Weiterlesen >>
Text: Nils Bremer / Foto: Lukas Gedziorowski
 
 
<<
<
1  2  3  4  ...  164 
 
 

Twitter Activity