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„Ich würde alles genauso wieder tun“
 

„Ich würde alles genauso wieder tun“

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Edwin Schwarz beteiligt sich am Immo-Skandal

Foto: nb
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Bei der Eventreihe „Immo-Skandal“ in der Schmiere reden Persönlichkeiten aus der Baubranche Klartext. Ex-Planungsdezernent Edwin Schwarz würde immer noch die Kleinmarkthalle abreißen und fände Wohnungen statt Grie Soß’-Anbau sinnvoller.
Seit nun schon sechs Jahren findet in regelmäßigen Abständen die Eventreihe „Immo-Skandal“ in der Schmiere, also im kabarettistisch genutzten Gewölbekeller des Karmeliterklosters statt. Dabei begrüßt PR-Lady Edda Rössler an der Seite der Schmierechefin Effi B. Rolfs jeweils einen illustren Talkgast aus der Immobilienbranche. Zum Thema „Frankfurt auf dem Weg zur Megacity“ konnte sich diesmal der ehemalige Planungsdezernent Edwin Schwarz (CDU) auslassen, der 2012 in den Ruhestand verabschiedet wurde und dessen Arbeit von Planungsdezernent und Bürgermeister Olaf Cunitz (Grüne), wenn auch mit eigenen Akzenten, fortgesetzt wird.

Warum Schwarz fast aus der CDU austrat
Doch zuvor plauderte Schwarz, Jahrgang 1948, aus dem biografischen Nähkästchen. Ein waschechter Frankfurter sei er, der in der Stadt ein altsprachliches Gymnasium besucht und später auf Lehramt Politik, Sport („Ich konnte schnell laufen und weit springen“) und Geografie studiert habe. Als Lehrer unterrichte er an der Herderschule und trat 1970 – als Dany le Rouge wütete und viele Willy Brandt verehrten in die CDU ein. „Ich musste gegen viele Vorurteile kämpfen. Die Linken gehen mit den Rechten schlimmer um als umgekehrt“, ist seine Erfahrung. 40 Jahre war Schwarz Kommunalpolitiker, davon 13 Jahre Stadtrat. „Ich hab hier meine Zeichen gesetzt“, sagt Schwarz rückblickend. „Ich hab mich nie verbogen, hatte meine Meinung und notfalls auch gegen meine Fraktion gestimmt.“ Fast sei er kürzlich aus Protest aus der CDU ausgetreten. Der Grund: Man hatte ihm seinen Posten im Aufsichtsrat der DomRömer GmbH entzogen. „Dabei ist die Altstadt mein Baby. Ohne mich hätte es sie nicht gegeben!“ Jetzt werde er aber als Gast sein Wissen einbringen.

Früher war alles besser
„Aber ist denn die Arbeit als Stadtrat von damals mit heute vergleichbar?“, fragt Edda Rössler. „Wir waren besser!“, ist Schwarz’ ganz typische Antwort. „Früher hatten Politiker mehr Ecken und Kanten, heute sind sie zu technokratisch, zu aalglatt.“ Kritik äußert Schwarz auch an dem Verkauf von Grundstücken und dem Umgang mit der Presse – „da hätte man einiges geschickter machen können“, sagt er und bleibt vage. Er selbst sei auf Planungsdezernent Martin Wentz (SPD) gefolgt und habe erfolgreich verhindert, dass das Technische Rathaus nicht einem weiteren Klotz, einem Hotelklotz, gewichen ist, wie es Wentz vorschwebte. „Da wäre ja der Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben worden.“ Auch habe er die Dichte der Bebauung des Riedbergs reduziert, wo Wentz ein Fan einer deutlichen Stadtkante mit fünfstöckigen Häusern gewesen sei, habe er mit zweigeschossigen Gebäuden einen Übergang zum freien Feld schaffen wollen und er habe in der City den Hochhausrahmenplan fortgeschrieben und sei als einer der ersten überzeugt davon gewesen, dass man die Büros in Niederrad umwandeln müsse.

Widerspruch ist in Frankfurt normal
Auch die Planungen des Rebstockparks und des Europaviertels hatte Schwarz mitbegleitet. Das Einkaufszentrum Skyline Plaza aber brauche seine Zeit, immerhin sei das Viertel drumherum noch nicht ganz fertig. „Wenn Sie in Frankfurt was bauen wollen, ernten Sie immer erstmal Widerspruch. Das ist immer so und ganz typisch.“ So habe sich Frankfurt lange gegen das Einkaufszentrum gewehrt, es nur gekoppelt mit einer kulturellen Nutzung realisieren wollen, dann aber befürchtet, dass der Einzelhandel der Innenstadt darunter leide und letztlich doch nur zum Ziel gehabt, die Kundenströme zum Main-Taunus-Zentrum abzufangen.

Kleinmarkthallenabriss und Volkszorn
Doch wie könnte Frankfurt angesichts des konstanten Zuzugs, nicht zuletzt von Flüchtlingen, mehr Raum für Wohnungen gewinnen? Die Verdichtung der Innenstadt sei ebenso wenig probat wie das Bebauen von Grünflächen. Man könnte ein Stück Stadtwald abholzen und so Raum für viele tausend Wohnungen schaffen, aber auch das gehe wohl kaum. Denn gerade die Grünflächen seien das, was die Menschen in Frankfurt anziehen fänden. „Aber die Oberräder Kleingärten, da könnte man ansetzen. Dass wir drei Kilometer von der Europäischen Zentralbank Grüne Soße anpflanzen ist prickelnd, aber volkswirtschaftlich ist das blanker Unsinn.“ Zumal einige Kräuter obendrein aus Nordafrika eingeflogen würden.

Streitbar ist Schwarz noch immer. „Wenn ich noch mal dran wäre: Ich würde heute nichts anders machen als früher“, sagt Schwarz recht selbstgefällig. „Ich sehe, dass ich viel Gutes gemacht habe, auch wenn es manchmal geklemmt hat.“ Geklemmt hatte es etwa bei seinem sehr umstrittenen Vorschlag, die Kleinmarkthalle abzureißen und nahe der Berliner Straße neu zu bauen. „Die Kleinmarkthalle hatte schlechte hygienische und klimatische Verhältnisse“, rechtfertigt Schwarz seinen damaligen Plan. „Man hätte den Umzug binnen eines Wochenendes durchziehen können.“ Doch der Aufschrei von politischen Gegnern und in der Bevölkerung ist Schwarz noch gut in Erinnerung. Das war ein Rückschlag für den Kreuzfahrtfan. Dabei hätte der Abriss so gut zu seinem Leitsatz gepasst: Ceterum censeo Carthaginem esse delendam. Frei nach Cato: Karthago muss zerstört werden.
24. September 2015
Nicole Brevoord
 
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Leser-Kommentare

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Andreas Eggenwirth am 25.9.2015, 15:53 Uhr:
Zwei Anmerkungen zum Kräuteranbau in Oberrad und zur bestehenden Kleinmarkthalle.
Oberrad: Die dort angebauten Kräuter reichen schon lange nicht mehr für den Gesamtbedarf der F-G-S. Hinzu kommt, dass die noch bestehen Kräuterflächen regelmäßig geplündert und die Ackerflächen geschädigt werden. Einige Gärtner sind schon auf kleinteiligen Getreideanbau umgestiegen. Diese Flächen wären für eine Wohnbebauung absolut geeignet.
Kleinmarkthalle: Leider hat E.Sch. die Gesamtsituation nicht richtig eingeschätzt und dem Büger- und Marktbetreiberprotest zu früh eine Plattform bereitet. Wer heute diese Kleinmarkthalle im derzeitigen Zustand als privater Betreiber bewirtschaften wollte, bekäme von den zuständigen Genehmigungsbhörden keine Erlaubnis.
Was kaum einer weiß: Die Standbetreiber zahlen eine Standgebühr wie auf einem Wochenmarkt. Kein Wunder, dass diese kein Interesse an Veränderungen haben, denn dann wird es teurer.
Kleinmarkthalle:
 
 
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