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Hein Fischer will Frankfurter OB werden
 

Hein Fischer will Frankfurter OB werden

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Der Römer ist doch das Rathaus, oder?

Foto: Harald Schröder
Foto: Harald Schröder
Hein Fischer kommt aus Gangelt bei Aachen und will Frankfurter Oberbürgermeister werden. Vier Wahlkämpfe in vier Kleinstädten hat der 74-jährige Sozialpädagoge und Lachyogi schon bestritten. Sein Motto: Der Weg ist das Ziel.
Vital und gutgelaunt steht Hein Gottfried Fischer am Römerberg vor uns. Der 74-jährige Rentner ist eigens für das Interview per Flixbus aus der nordrhein-westfälischen Kleinstadt Gangelt angereist. Dort wohnt er und dort hat er sich 2014 schon mal als Bürgermeisterkandidat aufstellen lassen und immerhin 14 Prozent der Wählerstimmen für sich verbuchen können. So viel Erfolg stachelt an, darum kandidierte er fortan jährlich in Selfkant etwa, oder auch in Halstenbek und zuletzt in Dieburg. „Ich hab einfach gegoogelt, wo eine Wahl ansteht.“ Am 25. Februar will der diplomierte Sozialpädagoge nun Frankfurter Oberbürgermeister werden. Wir wollen wissen, warum und verabreden uns an dem denkbar zentralsten Treffpunkt: Vor dem Römer. „Das ist doch das Rathaus, oder?“ fragt der ambitionierte Wanderkandidat nochmal nach.

Warum ausgerechnet Frankfurt?
„In Frankfurt war ich als Kind oft. Meine Tante, eine Buchbinderin, wohnte in Sachsenhausen. Damals lagen in der Stadt noch die Kriegstrümmer rum“, sagt Fischer, auf die Frage, warum er ausgerechnet in Frankfurt kandidiert. Die für die Anmeldung nötigen Stimmen habe er an einem Tag bei einem Spaziergang am Main zusammenbekommen. Ja, die tolerante und offene Art der Frankfurter, das habe ihm schon sehr zugesagt. Der Brand des Goetheturms hingegen habe ihn betroffen gemacht. Möglichst schnell, kostengünstig und unbrennbar solle dieser wiederaufgebaut werden, fordert er deshalb.

Mit Lachyoga zum Erfolg
Fischer ist ein Karnevalsfreund, der gerne singt. „Ich schaffe es leicht, irgendwo zu stehen und eine Traube von Menschen um mich zu scharen.“ Fischer ist Katholik, Mitglied der Grünen, alleinstehend, hat zwei erwachsene Töchter und hat ein wechselvolles Berufsleben gehabt. Zunächst als Einzelhandelskaufmann bei Karstadt, dann als Zollbeamter und als Bofrostfahrer. Geprägt hat ihn die Zeit nach dem Studium der Sozialpädagogik. „Ich helfe gerne Menschen!“. Dreißig Jahre lang habe er Entspannungsseminare unter anderem bei der Volkshochschule abgehalten, seine Spezialgebiete seien unter anderem die Schütteltherapie und Lachyoga. Fischer steht vor uns im Café und zeigt, wie man seinen Körper ordentlich durchschüttelt. Wir sind gerührt. „Ich liege morgens auch mal auf dem Rücken, nehme die Käferstellung ein und mache laut Ha-Ha-ha und Ho-ho-ho. Das ist sehr gesund.“. Keine Frage: Fischer hat Humor und zeigt deutlich, dass er ganz entspannt drauf ist. „Immer locker. Alles kann, nix muss. Es darf nichts auf Kosten der Gesundheit gehen.“

Wahlkampf ganz entstpannt
Wahl-Kampf, das sei nicht Fischers Ding. „Ich will doch gar nicht kämpfen, das ist ja krampfig“, sagt er und lacht. Er wolle über seine elf Kontrahenten auch gar nichts Negatives sagen, das sei nicht seine Art. An Podiumsdiskussionen werde er gern teilnehmen und mit Leuten in Kontakt kommen. Plakate werde es nicht geben. „Ich bin doch selbst mein bestes Plakat.“ Man müsse die Leute mit dem Herzen und dem Kopf erreichen, nur eines davon genüge nicht. Mit den politischen Ambitionen habe er begonnen, als es ihm körperlich und seelisch nicht gut gegangen sei. „Da dachte ich mir: Mit einem Shirt mit Oberbürgermeisterkandidat für Gangelt an, da darf ich mich nicht hängen lassen.“ Und so habe er eine Zielsetzung gehabt: Stadtoberhaupt werden. Wenn nicht daheim, dann andernorts. „Ich entwickele mich so immer weiter und bleibe dadurch fit.“ Oberbürgermeister sei ein harter Job, aber: „Ich bin ja belastbar, weil ich weiß, wie man sich entspannen kann. Das ist alles eine Frage der Einstellung. Alles, was ich mache, muss man durch die Gesundheitsbrille sehen, um es zu verstehen. Sonst würde man ja meinen, ich sei verrückt.“

Das Wahlprogramm
Wofür steht Fischer eigentlich? „Als Christ bin ich CDU, als Sozialpädagoge bin ich SPD, als Einzelhandelskaufmann bin ich FDP und als Entspannungsexperte bin ich für eine gute Luft, also bin ich Grüner.“ Er sei unabhängig und könne von außen auf die Stadt Frankfurt blicken und müsse sich nicht an Netzwerke gebunden fühlen. Den Einzelhandel wolle er in Zeiten des Onlinehandels stärken, die Luft, die müsse sauberer werden, vor allem bei den Flugzeugen würde er sich mehr Umweltfreundlichkeit wünschen, die Kinderarmut und die Wohnungsnot seien Themen, die in Frankfurt anzupacken seien und die renovierungsbedürftigen Schulen. Vor allem die Schulklos, dafür brauche es Reinigungskräfte mit Persönlichkeit, die sich auch mit den Schülern ins Benehmen setzen. Geldmangel sei kein Thema: „Ich würde mir alle Fördertöpfe anschauen und sehen, ob die Stadt denn alles ausnutzt, was verfügbar ist.“ Großprojekte würde er mit Benefiz-Großveranstaltungen finanzieren wollen. „Die Leute geben doch gern was, wenn sie im Gegenzug auch etwas bekommen.“

Die Pläne danach
Fischer bekennt: „Ich bin ernst, aber die Verpackung ist humorvoll.“ Realistisch gesehen gehe er persönlich von einem Wahlergebnis von 10 Prozent aus. „Wir sind ja auch zwölf Leute. Die anderen sind ja auch nicht schlecht. Die haben ja alle was zu bieten, nicht nur ich.“ Ihm gehe es nicht um Macht, auch nicht ums Geld – den Job würde er auch ehrenhalber übernehmen. Und außerdem habe er ja immer noch die Chance, 2020 bei den Landratswahlen in Heinsberg, bei sich daheim, zu kandidieren. Letztlich gelte: „Der Weg ist das Ziel!“
10. Januar 2018
Nicole Brevoord
 
Nicole Brevoord
Jahrgang 1974, Publizistin, seit 2005 beim JOURNAL FRANKFURT als Redakteurin u.a. für Politik, Stadtentwicklung, Flughafen, Kultur, Leute und Shopping zuständig – Mehr von Nicole Brevoord >>
 
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