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Hanau

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Erst die Trauer, dann die Wut

Foto: © picture alliance / AP Photo
Foto: © picture alliance / AP Photo
Nach dem Anschlag in Hanau zeigen sich viele Menschen betroffen und drücken ihre Trauer, aber auch ihre Wut über das Geschehen aus. Allein in Frankfurt versammelten sich 3500 Menschen, um der Opfer zu gedenken.
Am Mittwochabend fielen in zwei Shishabars in Hanau Schüsse, neun Menschen wurden getötet. Der mutmaßliche Täter und seine Mutter wurden in dessen Wohnung tot aufgefunden. Die Tat gestern in Hanau – sie macht sprachlos, traurig und wütend. Viele sind wütend, weil sie das Gefühl der Hilflosigkeit überkommt und vor allem wütend auf die Politikerinnen und Politiker. Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) sprach nach der Tat von einem „fremdenfeindlichen Motiv“ des mutmaßlichen Täters. Der Generalbundesanwalt hingegen sprach bewusst von einem „rassistischen Hintergrund“. „Die Opfer sind unsere Freunde, Kolleg*innen und Mitmenschen. Sie sind keine Fremden. Aber ihnen wird die Zugehörigkeit zu einer Gruppe zugeschrieben, weswegen Rassisten ihre Vorurteile und ihren Hass auf sie projizieren“, erklärte Martin Kliehm, Vorsitzender der Fraktion Die Linke im Römer.

Der Hessische Landtag hat aus Respekt vor den Opfern, Verletzten und Angehörigen die Plenarsitzung am Donnerstagmorgen frühzeitig beendet. Es dürfe keinen sicheren Raum für rechtsextremes Gedankengut und seine Vertreter*innen mehr geben, sagte der Frankfurter Landtagsabgeordnete Turgut Yüksel (SPD). „Politik und Gesellschaft, alle die immer wieder die Vielfalt der Bevölkerung im Rhein-Main-Gebiet hervorheben, müssen sich endlich konsequent für den Schutz aller von Rassismus betroffenen Menschen einsetzen“, forderte Meron Mendel, Direktor der Bildungsstätte Anne Frank. Olivia Sarma, Leiterin der Beratungsstelle response in der Bildungsstätte Anne Frank ergänzt: „Die Morde von Hanau sind kein Einzelfall, sondern stehen in einer Kontinuität extrem rechter Gewalt, die wieder und wieder auch in Hessen zuschlägt.“

Der Landessportbund Hessen e.V. und die Sportjugend Hessen baten alle Sportlerinnen und Sportler, eine Schweigeminute vor Beginn jeder Sportveranstaltung einzulegen, den „gerade der Sport, zu dessen Grundverständnis Weltoffenheit, Toleranz und Menschenrechte zählen, ist jetzt gefordert, eindeutig Stellung zu beziehen.“ So wurde auch beim Spiel Eintracht gegen Salzburg am Donnerstagabend eine Schweigeminute eingelegt. Diese wurde von Zuschauer*innen gestört, woraufhin „Nazis raus“-Rufe im Stadion ertönten.

Mahnwache in Frankfurt: Mann zeigt Hitlergruß

In vielen Städten fanden Mahnwachen statt. In Hanau versammelten sich 5000 Menschen, um der Opfer des Anschlags zu gedenken. Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) sprach gemeinsam mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) bei der Mahnwache. Für den Freitag, den 21. Februar ist eine weitere Mahnwache in Hanau am Heumarkt angekündigt. Am Samstag, den 22. Februar findet um 14 Uhr eine Demonstration in der Hanauer Innenstadt statt.

In Frankfurt fand am gestrigen Donnerstagabend eine Mahnwache an der Paulskirche statt. Nach Angaben der Polizei versammelten sich dort 3500 Teilnehmer*innen. Darunter befanden sich auch zahlreiche Politikerinnen und Politiker, die das Wort ergriffen. Viele von ihnen drückten neben ihrer Trauer auch ihre Wut aus. Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) sagte, es sei neben der Trauer „auch richtig wütend auf diejenigen zu sein, die Hass säen und die, die den Terror von Halle heruntergespielt haben.“ Den Hass der Menge bekamen an diesem Abend auch, zwei Wochen nach der Wahl in Thüringen, Vertreterinnen und Vertreter von CDU und FDP zu spüren, die ausgebuht wurden als sie bei der Mahnwache sprechen.

Die Polizei meldete noch am Donnerstag auf Twitter einen Zwischenfall am Rand des Paulplatzes, bei dem ein Mann festgenommen wurde, nachdem er den Hitlergruß gezeigt habe. Wie ein Polizeisprecher auf Anfrage erklärte, sei der 39-jährige Mann aus Offenbach erheblich alkoholisiert gewesen. Die Beamt*innen hätten ihn belehrt und einen Platzverweis ausgesprochen. Der Fall werde an die Staatsanwaltschaft weitergeben, die dann entscheiden müsse, ob und inwiefern der Strafanzeige nachgegangen werde.
 
21. Februar 2020, 13.10 Uhr
Elena Zompi
 
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