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Es lebe die Städtefreundschaft
 

Es lebe die Städtefreundschaft

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Feldmann lud zum Speeddating im Dienste der Wissenschaft

Angeführt von Oberbürgermeister Peter Feldmann fanden die Leiter der Frankfurter Hochschulen und ihre polnischen Pendants in Krakau zum Blind Date zusammen. Die beiden Partnerstädte wollen künftig noch intensiver miteinander kooperieren.
Was haben die Städte Birmingham, Kairo, Prag, Tel Aviv und Krakau gemeinsam? Sie alle sind mit der Stadt Frankfurt partnerschaftlich verbunden. 16 Städtepartnerschaften unterhält Frankfurt insgesamt, aber leider werden nicht alle so intensiv gelebt, wie die Liaison mit Krakau. Und weil solche Beziehungen immer wieder gepflegt werden wollen, reiste der Oberbürgermeister diese Woche mit einer Delegation in die polnische Kulturhauptstadt. „Als internationale Stadt ist der Ausbau von Partnerstädten eine Antwort von unten auf die Globalisierung“, sagt Peter Feldmann, der sich während seiner zweitägige Reise auch einen Eindruck von der sich stark im Wandel befindlichen Stadt verschaffte. Zudem war es sein Anliegen, mehr Gemeinsamkeiten zwischen Frankfurt und Krakau herauszuarbeiten.

Bislang bezog sich die Städtefreundschaft eher auf den sozialen Bereich, zu dem von den Wohlfahrtsverbänden organisierte Fachkonferenzen und Workshops unter anderem zu den Themen Behinderten- und Altenpflege gehörten. Der Oberbürgermeister nahm daher auch gerne die Einladung eines Kultur- und Erholungszentrums an und schaute sich an, wie Krakauer Senioren in ihrer gewohnten Umgebung, je nach Geschlecht und Interessenlage beschäftigt werden.

Aber auch kulturell sind Krakau und Frankfurt miteinander verbunden. Maßgeblich zu der Städtepartnerschaft beigetragen hat der Freundeskreis Frankfurt/Krakau, der Interessierten etwa Reisen ermöglicht und kulturelle Veranstaltungen, etwa Kunstausstellungen und Konzerte, organisiert. Der Verein wurde bei der Reise vertreten durch Saskia Schneider-Sturmfels und den Honorarkonsul der Republik Polen Klaus Sturmfels.

Spätestens nachdem die Frankfurter Feuerwehr den Krakauern im Jahr 2010 beim Weichselhochwasser mit Wasserpumpen und Manpower geholfen hat, die Flut zu bekämpfen, kann sich auch der Stadtpräsident Jacek Majchrowski der bald 25 Jahre bestehenden Verbundenheit der Frankfurter, die nicht nur auf dem Papier besteht, gewiss sein. Bislang weitestgehend ungenutzt aber ist bislang das wissenschaftliche Potential der Stadt Krakau gewesen, wenn man von Austauschen beim Erasmus-Programm mal absieht.

Krakau hat 760 000 Einwohner und kann elf Hochschulen und beachtliche 160 000 Studierende vorweisen. Schon im 15. Jahrhundert studierte hier der Astronom Nikolaus Kopernikus und später erwarb Karol Wojtyła dann an der Krakauer Jagiellonen-Universität sein Wissen, das ihm auch als Papst Johannes Paul II. weiterhalf. Basierend auf diesem wissenschaftlichen Schatz versucht die Stadt Frankfurt nun Synergien zu nutzen und lud die Vertreter der heimischen Hochschulen (Goethe Uni, FH Frankfurt, Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, Frankfurt School of Finance and Management und die HfG Offenbach) kurzerhand ein, sich gemeinsam die Stadt Krakau anzusehen und vor allem ihre polnischen Kollegen kennenzulernen, damit – angeregt durch den persönlichen Kontakt – mehr Kooperationen entstehen können. „Ich rege an, mit den Partneruniversitäten auch über einen Austausch von Gastprofessoren zu sprechen und die Vermittlung von Praktikumsplätzen zu unterstützen. Denn es ist unsere Aufgabe, die jungen Fachkräfte beim Übergang ins Arbeitsleben zu unterstützen,“ ermunterte Feldmann die Delegation und fand bei seinem Amtskollegen, dem Stadtpräsidenten Jacek Majchrowski Unterstützung.

Es bestand Einvernehmen, dass die Städte Frankfurt und Krakau eine wichtige Funktion in Europa haben. Peter Feldmann sprach über die 12.500 Polen, die in Frankfurt leben und wie stolz er darauf sei, dass sie Teil der Frankfurter Bevölkerung geworden seien und so das internationale Image und die Wirtschaftskraft der Stadt bereichern. Auch so manche Frankfurter Hochschule profitiert von einer internationalen Studentenschaft, letztlich kann man sich durch so eine Zusammenarbeit auch breiter aufstellen und Bildungseinrichtungen, die rankingaffin sind, haben durch Kooperationen gleich mehrfach Chancen zu punkten. Bei einem Round-Table-Gespräch hatte jede Universität oder Institution Gelegenheit, sich vorzustellen und ihre Attraktivität für einen Austausch herauszustreichen, danach besuchten die Frankfurter Vertreter der Wissenschaftseinrichtungen ihre polnischen Partner, um sich näher zu „beschnuppern“.

Thomas Rietschel, Präsident der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, etwa zeigte sich begeistert von der traditionellen Förderung musischer Talente und der Wertschätzung der Künste in Polen. Professor Manfred Stumpf von der Hochschule für Gestaltung in Offenbach, der witzigerweise den Standort seiner wissenschaftlichen Institution als Frankfurter Stadtteil deklarierte, gefiel die Bronzegießwerkstatt, die ihm sein Pendant in Krakau zeigen konnte. Seinen Studenten würde dieser handwerkliche Zugang zur Kunst gefallen, sagt er. Die Vizepräsidentin der Frankfurter Fachhochschule Kira Kastell sieht hingegen gute Austauschmöglichkeiten mit der Krakauer Akademie für Ingenieurswissenschaften und Uni-Präsident Werner Müller-Esterl zeigte sich erfreut über die seit Jahren bestehenden Austauschprogramme zwischen der Goethe-Universität und der Jagiellonen Universität Krakau und versprach konkrete Austauschprojekte zu initieren.

Doch Krakau bietet noch mehr Kooperationspotential. „Beim Abendessen haben wir noch eine feste, Handschlagsvereinbarung, getroffen, verstärkt in dem Bereich der IT zusammenzuarbeiten“, kündigte Peter Feldmann am Ende seiner Reise an. So habe sich herausgestellt, dass viele Unternehmen aus dem Bereichen Film, Kreativwirtschaft und Spiele in Krakau ansässig seien, was eine Parallele zu Frankfurt darstelle. „Ich kann mir also vorstellen, dass wir auch in wirtschaftlichen Bereichen Absprachen treffen können.“ Im nächsten Jahr soll es dann ein bilaterales Treffen der IT-Branche geben. Denn ein Freund, ein guter Freund, ist nun mal das Beste, was es gibt auf der Welt.
 
6. September 2013, 11.10 Uhr
Nicole Brevoord
 
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