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Das etwas andere Second-Hand-Kaufhaus

Foto: srp
Foto: srp
Der ökumenische Familienmarkt ist ein Second-Hand-Kaufhaus, in dem sich Käuferinnen und Käufer aussuchen können, was ihnen gefällt und was in die Wohnung passt. Obdachlose können sich mit einer Einkaufsberechtigung gratis einkleiden. Für Nachschub sorgen Spenden aus der Region.
Der ökumenische Familienmarkt, der gemeinsam vom Diakonischen Werk für Frankfurt und Offenbach sowie dem Caritasverband Frankfurt getragen wird, ist in einem Hallengebäude im Enkheimer Industriegebiet. Die Ladenfläche erstreckt sich auf 2400 Quadratmetern, inklusive Lager und Verwaltung. Am Eingang wird man zunächst gebeten, einen Ausweis zu zeigen, denn nur Inhaberinnen und Inhaber eines Frankfurt-Passes, Frankfurter ALG II - Bescheides, Berechtigungsscheines oder eines gültigen Frankfurter Studierendenausweises sind berechtigt hier einzukaufen. Nachdem diese erste Hürde genommen ist, wird man herzlich empfangen. In angenehmer Atmosphäre kann hier für wenig Geld eingekauft werden. Eine Cafeteria mit Sitzmöglichkeiten ermöglicht Besucherinnen und Besucher, eine Pause einzulegen.

Der Familienmarkt ist ein Sozialkaufhaus und zugleich ein Beschäftigungsbetrieb. Aktuell arbeiten 10 Stammmitarbeiter vor Ort. „In unserem Kaufhaus werden über 50 langezeitarbeitslose Mitbürgerinnen und Mitbürger in den Bereichen Verkauf, Verwaltung, Sortierung und Lagerwesen beschäftigt und stabilisiert“, sagt Verena Schlossarek, Leiterin des Familienmarkts. Zusätzlich wird die Arbeit durch die Hilfe von ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unterstützt. Der Familienmarkt hilft bei der Reintegration ins Arbeitsleben: „Wir helfen dabei, wieder einen Arbeitsrhythmus zu erlangen und fit für den Arbeitsmarkt zu werden, denn eine ordentliche Absage bei Krankheit und pünktliches Erscheinen zu Schichtbeginn sind nicht für alle selbstverständlich“, meint Schlossarek. Eine Sozialpädagogin im Haus dient als Schnittstelle zu anderen Behörden. „Viele der Mitarbeitenden haben gebrochene Biografien, es ist nicht nur das Problem der Arbeitslosigkeit, häufig gehen damit auch Suchtprobleme und Schulden einher“, sagt die Leiterin. Auch bei den vielen Kundinnen und Kunden spiegele sich ein ähnliches Leben.

Größtenteils werden Textilien für Damen, Herren und Kinder angeboten, dennoch bietet der Familienmarkt nicht nur modische Kleidung, sondern auch Möbel, Elektrogeräte, Hausrat und Heimtextilien. Spenden aus der Region sorgen für Nachschub. Innerhalb des Frankfurter Stadtgebiets können die Spenden auch von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Familienmarkts abgeholt werden, für Möbel gilt dies grundsätzlich nach Besichtigung. „Es gibt viele Menschen, die helfen wollen, aber eine vier-Meter lange Schrankwand können wir nicht unbedingt gebrauchen. Unsere Kundinnen und Kunden haben in der Regel kleine Wohnungen. Und gekauft wird nur das, was in die Wohnung passt und gefällt“, erklärt Schlossarek.

Zunehmende Konkurrenz durch Billig-Mode

Die Preise bei den Textilien sind meistens Einheitspreise, so kostet zum Beispiel eine Hose rund vier Euro, nach etwa sechs Wochen wird diese reduziert. „Es ist ein großer logistischer Aufwand, weil die Ware antizyklisch kommt“, erklärt Schlossarek. So kommen nach dem Sommer die Sommertextilien, wenn eigentlich eher dicke Winterkleidung benötigt wird. Im Winter läuft das genauso. Zu finden sind Designermarken und feine Stoffe ebenso wie Kleidung von H&M, Zara und Mango. Obdachlose können sich mit einer Einkaufsberechtigung gratis einkleiden.

Verena Schlossarek arbeitet seit drei Jahren im Betrieb, der vom Diakonischen Werk Frankfurt und Offenbach sowie vom Caritasverband Frankfurt getragen wird. In den letzten Jahren sei ihr aufgefallen, dass die Kundinnen und Kunden verstärkt auf eine gute Qualität achten. Das hänge auch damit zusammen, dass die Qualität der Ware, besonders bei Bekleidung abnimmt. „Wir wollen den Kundinnen und Kunden gut erhaltene und modische Ware bieten“. Doch da wird die Billig-Mode zunehmend zum Problem. 50 Prozent entsprächen nicht den Qualitätsstandard und könnten nicht verkauft werden. „Wir haben leider keine Kapazitäten, um Sachen aufzuarbeiten, zum Beispiel mit einer Textilreinigung“. Im unmittelbaren Umkreis sieht Schlossarek auch eine zunehmende Konkurrenz durch „Fast Fashion“: „Hier gibt es eine große Auswahl an Billigdiscountern wie Kik und Tedi, dort finden Kundinnen und Kunden Neuware für wenige Euros, da wird es schwer zu verdeutlichen, warum man zu uns kommen sollte“.
 
2. Dezember 2019, 12.38 Uhr
Sheera Plawner
 
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