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Tribünen-Klappstühle zu verschenken
 

Tribünen-Klappstühle zu verschenken

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Rennbahnrelikte und ein Bürgerbegehren

Foto: Harald Schröder
Foto: Harald Schröder
Am Samstagvormittag dürfen Vereine und Privatpersonen rund 1000 Sitze der Rennbahntribüne abmontieren, wenn es der Renn-Klub nicht juristisch verhindern kann. Außerdem ist ein Bürgerbegehren geplant.
Für die einen ist die Galopprennbahn schon Geschichte. Etwa für Sport- und Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU), der unter anderem auch via Facebook, Sportvereine dazu einlädt, am Samstag zwischen 9 und 12 Uhr die rund eintausend grünen Klappsitze für den Eigenbedarf abzumontieren. Man solle den 17-Milimeter-Schraubenschlüssel nicht vergessen, schreibt er. Für eine kleine Stärkung sei übrigens gesorgt. Was klingt wie ein Happening, stößt Carl-Philip Graf zu Solms-Wildenfels bitter auf. Zumal der besagte Facebookpost zu einem Zeitpunkt erfolgte, als eine Entscheidung des Landgerichts darüber noch nicht kommuniziert war. Der Frankfurter Renn-Klub hatte nämlich mit einer einstweiligen Verfügung versucht, „das Verscherbeln der Stühle“ zu verhindern. Zu Solms-Wildenfels gehe es, wie er sagt, um Gerechtigkeit. Und im Zusammenhang mit der Stadt und den juristischen Entscheidungen rund um die Rennbahn und den DFB habe er seit geraumer Zeit den Eindruck, da gehe etwas nicht mit rechten Dingen zu. In einem Fall hatte ein Gericht ja auch der Stadt ein sittenwidriges Verhalten attestiert. Laut eines Vertrages stehe das bewegliche Inventar, darunter die Stühle, eine Videowand, mobile Boxen und mehr dem Renn-Klub zu – zumal der Renn-Klub noch erwartet, noch eine ordentliche Geldsumme in Milionenhöhe zurückzubekommen, aber das Gericht sah das mit den Stühlen zunächst anders. Der Renn-Klub habe bei der Räumung ja die Möglichkeit gehabt, das Inventar in Besitz zu nehmen und zu sichern. Es versteht sich den Erfahrungen nach fast von selbst, dass der Renn-Klub nun eine Beschwerde gegen die Gerichtsentscheidung eingelegt hat. Aber: „Wenn ich einen Prozess nicht für nötig erachte, will ich auch keinen haben. Das soll ja nicht in eine Prozessschlacht ausarten“, sagt Solms-Wildenfels.

Mit einem Bürgerbegehren für Wohnungsbau
Dass der Abriss der Tribüne kommen wird, da ist sich auch der Vizepräsident des Renn-Klubs fast sicher, wobei er immer noch Hoffnungen in die Justiz setzt. Mit der modernen Architektur sei er persönlich ohnehin nie warm geworden. Etwas Anderes sei es gewesen, wenn man das Flair und den Charakter der ehemaligen Holztribüne wiedererrichtet hätte. Aber den Kampf um die Rennbahn, den gibt Carl-Philip zu Solms-Wildenfels nicht verloren. Passend zum Tag der Landtagswahl im Oktober will er persönlich, losgelöst vom Renn-Klub, gemeinsam mit Anwohnern der Rennbahn ein Bürgerbegehren auf die Beine stellen. Es gehe um Lichtemissionen. „Der ganze Stadtteil wird mit der DFB-Akademie leuchten“. Es werde wie schon beim Flughafenausbau ohne Rücksicht auf persönliche Einzelschicksale oder eines ganzen Viertels agiert. Der ganze Medien- und Fantrubel, der werde den ganzen Stadtteil in Unruhe versetzen, ist sich der Graf sicher. Das Begehren läuft darauf hinaus, dass das Rennbahngelände für den Wohnungsbau genutzt werden soll. Das sei ja in Zeiten der Wohnungsnot eine sinnvolle Verwendung, wenn für eine Bebauung schon die Natur geopfert werden müsse. Das würde dann zumindest dem Gemeinwohl dienen. Argumente der Stadt, das gehe gar nicht wegen dortigen Siedlungsbeschränkungsgebietes, lässt der Graf nicht gelten. Nur ein Teil des Rennbahngeländes liege in der Tagesschutzzone 1. „Für den DFB werden Kröten und Sandnelken geopfert aber für Wohnungen geht das nicht. Das ist doch politische Willkür und eine Anbiederung an den DFB“, wettert der Graf. „Wenn an der Stelle Sportplätze für die Bürger entstünden, dann wär’s eine andere Geschichte. Ich sehe nicht ein, warum sich ein Fußballverband einen Prunkbau mit mehr Platz fürs Prestige als für den Sport leistet, wenn auf dem Areal die ABG Frankfurt genauso gut 100 Prozent geförderten Wohnungsbau errichten könnte. Das für das Bürgerbegehren erforderliche Quorum werde bei der Lage auf dem Wohnungsmarkt wenig problematisch sein.

Und dann noch das Sarottihäuschen
„Die DFB-Akademie ist kein Ding, dass in einem Jahr entstehen kann, zumindest nicht, wenn alles mit rechten Dingen zugeht“, sagt der Graf und verweist auf den Naturschutz. Und dann wäre da noch das Sarottihäuschen aus Zeiten, als in Hattersheim noch die berühmte Schokolade produziert und an Renntagen vom Bauchladen heraus verteilt wurde. Der Großmutter des Grafin, Alexa Gräfin zu Solms, wurde das zehn Quadratmeter große Häuschen überlassen, das auf städtischem Grund stand. Das Sarottihäuschen, so hatten Baudezernent Jan Schneider und Markus Frank bei der Räumung verkündet, könne man ja auch abtragen und andernorts wieder aufstellen. „Das sollen die sich mal wagen!“, sagt dazu der Graf. Das Sarottihäuschen stehe mitten auf dem Areal der künftigen DFB-Akademie. „Der Fehler liegt bei Schneider und Frank, die haben ihre Hausaufgaben nicht richtig gemacht und ihre Verträge nicht gelesen.“ Anstatt das Sarottihäuschen verloren zu geben, plant der Graf mit seiner Mutter sogar dessen Sanierung.

Ja wo laufen sie denn?
Natürlich geht es Carl-Philip zu Solms-Wildenfels, wie er sagt, noch immer um den Reitsport, der traditionell in Frankfurt einen Platz hatte und auch künftig haben solle. Der Rennsport sei abhängig vom Mäzenatentum und das stelle in Frankfurt ja nicht das große Problem dar. Gerade in Zeiten des Brexits sollte Frankfurt eine Rennbahn haben, findet der Graf, wenn nicht an der altbekannten Stelle, dann doch woanders in der Stadt. Das könne ein Ort sein, wo man auch therapeutisches Reiten anbieten könne, eine multifunktionale Fläche, die weitaus mehr bieten müsse als fünf Renntage im Jahr. Der Renn-Klub sei für Lösungen, wie früher auch geäußert für eine Koexistenz von Rennbahn und DFB, offen. „Ich bin mir sicher, dass es alle Frankfurter begrüßen würden, wenn das Thema Rennbahn endlich erledigt wäre.“
9. Februar 2018
Nicole Brevoord
 
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