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Gesellschaft
 

Statistisches Jahrbuch

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Fakt oder Klischee?

Foto: Pexels/Tembela Bohle
Foto: Pexels/Tembela Bohle
Am Dienstag präsentierte Stadtrat Jan Schneider (CDU) das jährliche Statistische Jahrbuch und räumte mit einigen Klischees über Frankfurt auf. Manche konnten bestätigt werden, aber auch Überraschungen kamen zutage.
Bankenstadt, Singlestadt, Pendlerstadt, Stadt der kulturellen Vielfalt und der Fußballbegeisterten, die regelmäßig von chinesischen Touristen besucht wird – Klischees gibt es viele über Frankfurt. Das Statistische Jahrbuch bringt nun Klarheit in die Frage, inwieweit diese zutreffen.

Dass die Stadt Frankfurt wächst, ist unbestreitbar. Nachdem in diesem Jahr die „Schallmauer“ von 750 000 Einwohnerinnen und Einwohnern durchbrochen wurde, ist auch weiterhin kein Wachstumsende in Sicht. Seit über 15 Jahren ist der Anstieg der Stadtbevölkerung ungebrochen. Im Jahr 2004 lebten lediglich 620 000 Menschen in der Stadt. Die Marke von 760 000 Frankfurtern und Frankfurterinnen werde „voraussichtlich im Frühjahr 2020“ geknackt. Jan Schneider sieht die „hervorragenden Bedingungen, die eine große Anziehungskraft auf Zuziehende ausüben“ dafür verantwortlich. Dies spiegelt sich auch in den Zahlen der Zugezogenen wider. Hier waren es 2018 insgesamt mehr als 65 000 Menschen, von denen 25 000 zwischen 25 und 34 Jahre alt und 16 000 zwischen 15 und 24 Jahre alt waren. Dies wiederum zeige, dass die Beschäftigungslage gut sei, auch die Hochschulen würden expandieren, sodass der Dezernent davon ausgeht, dass sich der „Zuzug verstetigten“ werde.

Das liegt einerseits an den guten Gehältern, die in Frankfurt gezahlt werden – 2018 lag das durchschnittliche Bruttoeinkommen bei 4307 Euro und damit weit über dem Bundesdurchschnitt von rund 3800 Euro – anderseits am breit aufgestellten und weiter wachsenden Arbeitsplatzangebot. Frankfurts Arbeitsplätze sind in der Spitze mit rund 58 000 Sozialversicherungspflichtigen durch den Bankensektor geprägt, solange man die Luftfahrt und die Logistik sowie den restlichen Verkehr separat betrachtet. Ansonsten stellt der Verkehr mit etwa 66 000 Sozialversicherungsbeschäftigten den größten Sektor und entkräftet das Bild der Bankenstadt etwas. Weitere bedeutende Berufsgruppen sind die Verwaltung, die Unternehmensführung und der Einzelhandel.

Dass Frankfurt eine Singlestadt ist, kann bei 52,7 Prozent Einzelpersonenhaushalten nur schwerlich bestritten werden, dennoch verweist Schneider darauf, dass diese Zahl rückläufig ist. Mit mittlerweile 18,5 Prozent der Haushalte mit Familien und Kinder ist diese Wohnform auf dem Vormarsch. Die meisten Frankfurter und Frankfurterinnen leben in Mehrfamilienhäusern, diese machen 87,4 Prozent der rund 398 000 Stadtwohngebäude aus. Auch bei der Zahl der in Frankfurt vertretenen Nationen konnte Schneider Klarheit bringen: 179 der weltweit 194 anerkannten Staaten sind in Frankfurt vertreten. Dies zeigt sich auch bei der Schülerschaft, die sich aus 131 Nationen zusammensetzt und deren Ausländeranteil bei 17,8 Prozent liegt.

Währenddessen haben die Zahlen im Tourismussektor einen neuen Höchststand erreicht. Allerdings kommen, hingegen jeglicher Klischees, nur rund acht Prozent der Touristinnen und Touristen aus China – das sind genauso viele wie aus dem Vereinigten Königreich. Spitzenreiter sind hingegen Besuchende aus den Vereinigten Staaten mit 17 Prozent. Das Bild von Frankfurt als Fußballstadt hingegen kann bestätigt werden: So verzeichnet der Landessportbund Hessen rund 83 000 eingetragene Vereinsmitglieder in den Frankfurter Fußballvereinen, dicht gefolgt von Turnenden mit rund 71 000 Mitgliedern.

Dem Klischee, Frankfurt sei von Asphalt und Beton geprägt, widerspricht der Dezernent: „Die Statistik ist eindeutig: Die Vegetation hat einen Flächenanteil von 39,4 Prozent am Stadtgebiet und liegt damit vor den Siedlungen mit 37,6 Prozent und den Verkehrsflächen mit 20,9 Prozent“. Ein wichtiger Faktor, um im Sommer einen schattigen Platz unter Bäumen zu finden, denn Frankfurt wird immer wärmer: Das vergangene Jahr war mit durchschnittlich 12,5 Grad Celsius das bisher heißteste Jahr überhaupt.
 
11. Dezember 2019, 13.22 Uhr
Armin Heinrich
 
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Leser-Kommentare

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Uwe Looschen am 12.12.2019, 10:11 Uhr:
Eine Erklärung hat die Statistik vergessen: Wer seinen Zeitwohnsitz nicht in den Erstwohnsitz änderte, der wurde höher besteuert. Somit haben viele, die bereits seit Jahren in FFM wohnen, den Zweitwohnsitz aufgegeben. Besonders Studenten waren davon betroffen.
Wenn man diese Zahlen mit in die Bewertung einbezieht, dann sieht der Bevölkerungswachstum anders aus.
So ist das halt mit den Statistiken.
 
 
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