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Schließung des Aviv-Marktes
 

Schließung des Aviv-Marktes

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Eine nicht ganz koschere Geschichte

Rosinenkuchen gleich Kokain, Hähnchenfleisch gleich Crack? Die Behörden ließen einen Frankfurter Kaufmann und einige seiner Kontakte monatelang überwachen, weil sie dachten, es ginge um Drogen. Pustekuchen!
Zunächst das Offensichtliche: Der Aviv-Supermarkt in der Hanauer Landstraße hat seit einigen Wochen geschlossen. Kein Wunder. Erst berichtete die Bild-Zeitung über die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft, dass der Metzger Fleisch als koscher verkauft habe, das nicht koscher gewesen sei. Dann verschickte die Staatsanwaltschaft Frankfurt etliche hundert Fragebögen an die Kundschaft des Geschäfts. Die Kunden blieben aus, Aviv ist bis auf weiteres geschlossen. Zu den Ermittlungen wollen sich der Inhaber wie auch sein Anwalt nicht äußern. Dabei gäbe es etliche interessante Details zu berichten. Woher kam zum Beispiel der Verdacht mit dem Fleisch? Glaubt man einer Dame*, die in engem Kontakt zum Kaufmann stand, kam der entscheidende Hinweis von der Staatsanwaltschaft Darmstadt. Die ermittelte, so erzählt sie, über Monate in Sachen eines Drogenrings, hörte Telefone ab, unter anderem von einem Arzt, einem ehemaligen Richter, dem Aviv-Betreiber und besagter Dame.

"Eines Morgens klingelte es an meiner Haustür", sagt sie und schildert dann wie 15 Polizisten ihre Wohnung auf den Kopf stellen. "Ich konnte gar nicht glauben, was die mir sagten." Die Beamten kamen wegen des Verdachts des Handels und Besitzes von Kokain und Crack, sie glaubten, einen Drogenschmuggler-Ring hochzunehmen. Als sie Fragen stellte, sagte ein Beamter: "Hinsetzen, Klappe halten!"

Die Dame berichtet: "Ich habe eine Freundin in Antwerpen. Oft hat mich der Herr von Aviv angerufen und gesagt: Bring noch Fleisch mit, bring noch Rosinenkuchen mit - eine Spezialität, die es dort im jüdischen Viertel gibt." Für die Polizei und die Staatsanwaltschaft Darmstadt hingegen war klar, dass es sich dabei um Codewörter handeln musste. "Ich konnte nicht glauben, was man mir vorwarf", sagt sie heute. Und erzählt von der unsagbaren Peinlichkeit, den Nachbarn erklären zu müssen, warum an einem frühen Montagmorgen das Haus voller Polizisten ist. Ihr Wagen wird auch konfisziert, sicher ist sicher. Mittlerweile steht das Verfahren vor der Einstellung. "Um die monatelange Überwachung überhaupt zu rechtfertigen, gab man den Tipp mit dem koscheren Fleisch weiter", ist sich die Informantin sicher. Beim Aviv-Markt sei aber stets alles mit rechten Dingen zugegangen, auch der Rabbiner von der Jüdischen Gemeinde habe sich von der Qualität des Fleisches regelmäßig überzeugt. "Das alles wird sich in Luft auflösen." Für den Betrieb des Supermarktes könnte es dann aber zu spät sein. Immerhin hat sich schon eine Alternative aufgetan für Freunde des koscheren Genuss': In der Mainzer Landstraße 168 versucht nun Rimon Kosher die Lücke zu schließen, die sich durch das Ende des Aviv-Marktes aufgetan hat.

*Der Name liegt der Redaktion vor.
18. Dezember 2012
Nils Bremer
 
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Fotogalerie:
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Leser-Kommentare

Kommentieren
 
irrlichterloh am 18.12.2012, 22:46 Uhr:
herrlich einseitige Berichterstattung! Ihr seit absolute Journalisten - gibts da auch Recht auf die Entschädigung für Volksverdummung?
 
Christian Spreen Six am 18.12.2012, 13:41 Uhr:
Peinlich für die Ermittler, Karriere Aus für den Inhaber. Gibt es da eigentlich ein Recht auf Entschädigung?
 
Herbert Fischer am 18.12.2012, 12:58 Uhr:
Wieder zwei durch staatliche Schnüffelei ruinierte Existenzen. Wen kümmert es. Kollateralschaden, for your own safety. Ekelhaft.
 
 
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