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Gesellschaft
 

Prozess CargoCity Süd

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Letzte Plädoyers und letzte Worte

Foto: @ Bernd Kammerer
Foto: @ Bernd Kammerer
Nächste Woche wird das Urteil im Prozess um CargoCity Süd gefällt. Am Dienstag verlasen die Anwälte von Uwe S. ihre Plädoyers – und bescheinigten dem Makler Naivität. Ardi Goldman versuchte sein Bild noch zu drehen.
Es sind nicht gerade nette Worte, die die Anwälte des Maklers Uwe S. bei ihren Plädoyers über ihren Mandanten verlieren. Sehr naiv sei er, habe sich ausnutzen lassen, sei von falscher Loyalität getrieben gewesen. All diese Formulierungen haben nur ein Ziel: Zu belegen, dass der Angeklagte nicht der Strippenzieher in der Schmiergeldaffäre bei CargoCity Süd war. Diesen Part soll der ehemalige Fraport-Manager Volker A. erfüllt haben. Der ist vor wenigen Wochen bei einem schweren Autounfall tödlich verunglückt. Ob die Strategie der Anwälte aufgeht, wird sich kommende Woche zeigen. Dann soll ein Urteil fallen. Die Staatsanwaltschaft hatte drei Jahre und vier Monate Haft für Uwe S. gefordert – die Verteidigung beantragte nun zwei Jahre auf Bewährung.

Vergangene Woche hatten die Anwälte von Investor Ardi Goldman ihre Plädoyers verlesen und dabei die Glaubwürdigkeit von Uwe S. stark in Frage gestellt. Das versuchte dessen Verteidigung nun zu widerlegen. „Er hat sehr stringente Angaben zum Kerngeschehen gemacht“, so der Anwalt. Er sprach auch von einer Kronzeugen-Rolle. Widersprüche in den Aussagen des Maklers rührten daher, dass die Geschehnisse Jahre in der Vergangenheit liegen. Darüber hinaus stünde Uwe S. dazu, falsch gehandelt zu haben. „Es war der Fehler seines Lebens“, so der Anwalt. Damit spielte er auch auf das Plädoyer für Goldman an – in dem lediglich die Rede von einer „Unkorrektheit“ war. Der Rechtsbeistand führte auch aus, wie schwer der Prozess das Leben von Uwe S. beeinflusst habe. So habe ihm sein Arzt etwa eine sehr hohe Schlaganfall-Gefahr prognostiziert und ihm abgeraten, überhaupt an dem Prozess teilzunehmen. Außerdem habe das Verfahren zu einem „Verlust seiner beruflichen und wirtschaftlichen Basis“ geführt.

Die Ausführungen seiner Anwälte griff der Makler auch bei seinen letzten Worten an die Kammer auf. „Aus einem sehr schönen Leben ist ein sehr schweres geworden“, sagte Uwe S. Jeden Tag müsse er um seine berufliche Existenz kämpfen. „Bisher habe ich alles verloren bis auf meine Freiheit.“ Neben Uwe S. nutzte nur noch Goldman die Gelegenheit für letzte Worte – die anderen beiden Angeklagten verzichteten darauf.

Goldman zeigte dabei ein ganz anderes Gesicht, als es die Kammer in den vergangenen Wochen gesehen hatte: Plötzlich war der Investor reumütig und zurückhaltend. Er bat um Nachsicht für sein „nicht immer prozesskonformes“ Verhalten. Man müsse verstehen, dass es hier um seine Existenz gehe. Dass die Staatsanwaltschaft ihm eine rechtsfeindliche Gesinnung vorgeworfen hatte, habe ihn „schwer getroffen und verletzt“. Daher zeige er sich nun zurückhaltender. Seit drei Verhandlungstagen hat Goldman keinen Hut mehr getragen. Auch seine Anzüge sind weniger auffällig als noch vor einigen Wochen.
 
17. November 2015, 16.43 Uhr
Christina Weber
 
Christina Weber
Jahrgang 1983, Studium Online-Journalismus, seit 2014 Volontärin beim Journal Frankfurt – Mehr von Christina Weber >>
 
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