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„Musikszene Frankfurt“
 

„Musikszene Frankfurt“

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Faszinierende Klangwelten

Eine wirklich gelungene Veranstaltung war die einhellige Meinung nach dem „Musikszene Frankfurt“-Doppelkonzert in der Stadtbücherei. Zwei außergewöhnliche Solisten, Mathias Schabow und Rainer Michel, überraschten und begeisterten das Publikum.
Der junge Mann hatte, nachdem er sich herzlich bei den Musikern des Abends für deren tolle Musik bedankt hatte, eine einfache Frage, die aber so einfach nicht zu beantworten war: „Ich suche immer Hinweise auf solche Veranstaltungen mit eher spezielleren Musikern, finde sie aber nicht“, bedauerte er. Woran das denn läge? Zum einen ganz sicherlich daran, dass sich viele Clubs nicht trauen, das eher „Abseitige“ (alles eine Frage der Definition, gell ...) ins Programm zu nehmen, und falls doch, dann weisen die Medien, Radio und TV schon gar nicht, nicht entsprechend darauf hin. Und im Wust der Daten in den Online-Kalendern verliert sich alles. Was die „Musikszene Frankfurt“ betrifft, die zwei Mal im Jahr in der tollen Kulisse der Stadtbücherei stattfindet, so unterstützen die Zeitungskollegen in Frankfurt jedenfalls jedes Mal mit Ankündigungen die Veranstaltung und sogar in den privaten Newslettern vieler Szene-Multiplikatoren ist die „Musikszene Frankfurt“ ein Thema. Wie wunderbar.

Den Abend eröffnete diesmal Mathias Schabow. Piano solo, das kennt man, auch in Frankfurt, aber wie der studierte Musiker das umsetzt, das erinnert an den Franzosen Didier Squiban oder den Skandinavier Martin Tingvall. Den klassischen Background als Basis, die Liebe zu Jazz, auch den von Keith Jarrett, als weitere wichtige Inspiration – seine Klavierstücke haben oft Titel wie „Kastanienallee“ oder „Seebrücke“ und Schabow nimmt sich die Zeit, moderiert sie an, erklärt, was ihn zu den atmosphärischen Titeln getrieben hat. Als Kind und Jugendlicher in Mecklenburg-Vorpommern aufgewachsen, hat ihn die Gegend und die Zeit geprägt. Und gerade, dass die Seebrücken nach der Wende wieder aufgebaut wurden, findet er erwähnenswert und bedeutsam. Als Gast brachte Schabow übrigens die Flötistin Michaela Neuwirth für zwei besonders atmosphärische Komposition mit in die Stadtbücherei.

Auch Rainer Michel (rainermichel.net/) hat viel zu erzählen. „Aber ich soll nicht so viel reden sagt meine Frau immer“, beginnt er sein Set. „Also spiele ich erst mal.“ Allein, was er neben dem dominanten Flügel alles auf der Bühne aufgebaut hat, lockt einige Besucher näher an Geschehen. Neben auch präparierten Gitarren, die er mit gebündeltem Reisig oder auch einem Rasierpinsel bearbeitet, steht da ein Waterphone, dessen Metallstäbe mit Bogen gestrichen werden, und ein Böhmat, das Rhythmusgerät der 60-er Jahre Kultorgel, der man alle möglichen Beats entlocken kann. Und selbst eine Kaffeemaschine und deren Gluckern wird Teil einer Kompositionen, die aus Fragmenten heraus entwickelt werden, die ursprünglich für Soundtracks, ob für TV- oder Filmproduktionen, entstanden sind. Denn Michel ist Filmkomponist (so heißt das offiziell). Er erzählt, was die Arbeit für so einen „Tatort“ oder einen fränkischen Krimi oder einen Film über Waffenschiebereien im Afrika („Dealing and Wheeling in Small Arms“) so an Aufgaben an ihn stellte und wie er sie meisterte. Die Musik hat aber längst ihr Eigenleben bekommen und so wie Michel, der früher hauptsächlich in seinem Tonstudio vor sich hintüftelte und erst spät den Weg zurück an die Öffentlichkeit, auch in seinem kleinen Ladenlokal „Korridor“ in Sachsenhausen, suchte, das alles „verkauft“ hat es unglaublich viel Charme. So feierte das Publikum ihn und seine Musik als echte Entdeckung. Auch Rainer Michel hatte einen Gast dabei, Kontrabassist Christian Keul, der sich auch an eine kleine Orgel setzte, die man auf dem Sperrmüll gefunden und repariert hatte. Merke: ein kreativer Mensch kann jeder Art Klangerzeuger wunderschöne oder wundersame Töne entlocken, die vielerlei Assoziationen provozieren können. Unser Lieblingswachmann, der sich immer für die „Musikszene“-Abende besetzen lässt und voll dabei ist (ein wunderbares Kompliment, wie alle meinen), hörte Mark Knopfler hier und da heraus. Auch wenn die Zeit bei all dem Storytelling mit und ohne Worte superschnell vorüber ging und die 22 Uhr-Grenze zum Schutz der Nachbarschaft längst überschritten war, so bekam das Publikum zum Finale noch eine gemeinsame, kleine Improvisation der vier Musiker. Ein wirklich feiner Schlusspunkt. Detlef Kinsler

P.S.: Einen schönen Beitrag zu Rainer Michel war in der Woche des Konzertes auch beim Rhein Main TV zu sehen. Unter folgendem Link kann man ihn sich anschauen: www.youtube.com/watch?v=vrAM_68-KCg&feature=youtu.be.
29. November 2013
Detlef Kinsler
 
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