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Mission Christbaum war in Gargellen erfolgreich
 

Mission Christbaum war in Gargellen erfolgreich

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Und es kommt in Frankfurt doch auf die Größe an

Rund 30 Meter hoch soll er sein und auch der Umfang des Stammes muss passen, damit der Weihnachtsbaum am Römerberg stabil steht. Bei einem Casting im österreichischen Ski-Ort Gargellen setzte sich die schöne Fichte „Ines“ durch.
Alljährlich wiederholt sich dasselbe Ritual: Auf dem Römerberg wird der höchste freistehende Weihnachtsbaum Deutschlands aufgestellt und bald darauf gibt es in Frankfurt rund 700 000 selbsternannte einheimische Christbaumnörgler, die den Nadelbaum kritisch beäugen und entsprechend kommentieren. Mal ist er zu schief, mal trotz aller nachträglich eingefügten Äste – meist um die 150 Stück – zu licht. Mal wird überhaupt der Sinn und Zweck eines Weihnachtsbaums und vor allem einer dieser Größe hinterfragt. „Wir sind die Stadt mit den Hochhäusern. Klar will da auch der Baum hoch hinaus“, sagt Thomas Feda, Chef der Tourismus+Congress GmbH (TCF), die nicht nur den Weihnachtsmarkt, sondern auch den Baum organisiert. „Außerdem muss der Umfang der Tanne den Köcher im Boden des Römerbergs füllen“. Diese Einlassung ist drei Meter tief und wird erst dann gut gefüllt, wenn der Baum entsprechend seiner Höhe auch einen dickeren Stamm hat. Etwa 30 Meter ist also das Gardemaß für einen Baum, der schon von weitem gesehen wird. Nur sollte der Baum freistehend, also als Solitär, gewachsen sein, das garantiert ein gleichmäßigeres Geäst und man muss auch keine Schneise der Verwüstung im Wald schlagen, um an den einen Baum zu gelangen. Rings um Frankfurt wird kein Baum dieser Zielvorgabe mehr gerecht, also muss die TCF in die Ferne schweifen.

Damit den Nörglern der Wind aus den Segeln genommen wird, müssen nun nicht mehr nur der TCF-Chef Feda und sein Kollege, Veranstaltungsleiter Kurt Stroscher, der schon seit 25 Jahren Bäume aussucht, die Verantwortung übernehmen, auch die sonst immer nörgelnde Presse der Stadt wird in die Pflicht genommen und muss aussuchen helfen. Gesagt, getan. Am Dienstag reiste eine Delegation in das idyllische österreichische Örtchen Gargellen in Montafon. 180 Seelen, davon 70 Wahlberechtigte, leben dort in 1500 Metern Höhe und halten 1500 Gästebetten für Urlauber bereit. Auch Ines, eine Mitarbeiterin der TCF, hatte dort einst Urlaub verbracht und beim Vizebürgermeister Thomas Lerch, dem Geschäftsführer der Bergbahn, angesichts des Waldes angefragt, ob der nicht einen Baum stellen wolle. Und so kam es, dass Lerch am Dienstag die Frankfurter Gruppe, zu der sich auch der TCF-Aufsichtsratsvorsitzende Michael Paris gesellt hatte, in Empfang nahm und ihr gemeinsam mit Förster Hermann Stocker zwei besonders hübsche Fichten präsentierte. Dazu muss man wissen, dass der Ort, der den rund 1000 Euro teuren Baum stellt, auch für das Fällen und den Transport nach Frankfurt zuständig ist, was noch mal Kosten von rund 10 000 Euro mit sich bringt. Im Gegenzug darf Gargellen nun am Stand der TCF am Frankfurter Weihnachtsmarkt wochenlang für sich werben. Die Stadt Frankfurt organisiert dann auf eigene Kosten mit der Feuerwehr das Aufrichten des Baumes am Römerberg.

Fichte Nummer eins präsentierte sich mit einem Alter von 150 Jahren recht prächtig mit 33 Metern Höhe und einem Stammdurchmesser von 90 Zentimetern. „Doch er ist nicht wirklich freistehend“, monierte Kurt Stroscher. „Aber die Krone ist schön, die hat einen buschigen Habitus“, fachsimpelte Thomas Feda. „Die Äste fallen nach unten, die tragen Trauer“, raunte ein Journalist. Und weil, wie man dann zusammenfasste, die Fichte „hinten raus etwas dürftig“ mit Zweigen versehen war und die herabhängenden Äste wahrscheinlich beim Transport abbrechen würden, nahm dann die wohlgeformte Fichte Nummer zwei die Favoritenrolle ein.

Nun mag man traurig sein, weil ein mehr als 100 Jahre alter Baum gefällt werden soll, aber genau dazu ist die Forstwirtschaft da. „Früher oder später wären die Bäume ohnehin ins Sägewerk gekommen“, sagt Förster Hermann Stocker. „Mit so einem Baum kann eine Familie ein Jahr lang heizen.“ Und wenn die Fichte nach Weihnachten den Römerberg verlässt, dann wird auch aus ihr Klein- und Brennholz gemacht, das die Feuerwehr abtransportiert. Die Zukunft von „Ines“, so heißt seit gestern die ausgewählte schöne Fichte, die am Straßenrand an einem Wasserlauf steht, ist also besiegelt.

Der 120 Jahre alte, 34 Meter hohe, 12 Tonnen schwere, aber mit seiner Stammtaille von 70 Zentimetern fast etwas schlanke Baum wird demnächst gefällt, für den Transport auf 30 Meter gekürzt, vorsichtig zusammengeschnürt bis zu einem Durchmesser von drei Metern, auf einen Tieflader verfrachtet und nach Frankfurt transportiert. Am 6. November wird dann die Aufstellung des Geschenkes aus Gargellen sein. Dann müssen die Äste erst mal aushängen. „Am ersten Tag sieht der Baum immer fürchterlich aus“, weiß Thomas Feda aus leidvoller Erfahrung. „Aber wenn die Lichter angehen, ist er immer schön“, freut sich Kurt Stroscher, der allen Nörglern jetzt schon sagt: „Zwei unterschiedliche Lichterketten wie beim letzten Jahr kommen uns nicht mehre an den Baum!“. 5000 bis 6000 energiesparende Birnchen und mehrere hundert Schleifen und Glocken, sowie die 150 vom Baumkosmetiker eingepflockten Äste, werden die Fichte in einen imposanten Weihnachtsbaum verwandeln, an dem sicherlich wieder ein paar Frankfurter zu nörgeln haben. Am 27. November wird der Weihnachtsmarkt eröffnet. Dann werden Oberbürgermeister Peter Feldmann und der Bürgermeister Thomas Lerch aus Gargellen den roten Buzzer drücken und damit die Weihnachtsbeleuchtung vor 8000 Augenpaaren in Gang setzen und Schlagersängerin Vicky Leandros wird das Publikum mit dem dazu passenden Weihnachtsschmelz versehen. Und trotz mancher Nörgler wird dann wieder ein raunendes „Aaaaah“ und ein seufzendes „Oooooh“ über den Römerberg ziehen.
 
16. Oktober 2013, 19.04 Uhr
Nicole Brevoord
 
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Leser-Kommentare

Kommentieren
 
dieter baden am 17.10.2013, 16:11 Uhr:
Da stimme ich zu. Diesen Gockel braucht man dafür nicht
 
Stefan Stumpf am 17.10.2013, 14:35 Uhr:
Statt ins Montafon zu fahren hätte Herr Paris mal dafür sorgen können das seine unzähligen Wahlplakate abmontiert uns entsorgt werden. Dies wäre für die Schönheit von Frankfurt sicherlich besser.
 
 
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