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Joachim Küglers letzter Wunsch
 

Joachim Küglers letzter Wunsch

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Ardi Goldman bringt Auschwitz-Anwalt heim

Foto: Christina Weber
Foto: Christina Weber
„Ich möchte in Frankfurt begraben sein“, soll Staatsanwalt Joachim Kügler gesagt haben. Bestattet wurde er aber in Gummersbach. Um seinen Verdienst während der Auschwitzprozesse zu würdigen, erfüllt ihm Ardi Goldman nun den letzten Wunsch.
Joachim Kügler spielte eine Schlüsselfigur in den Auschwitzprozessen in Frankfurt – als Staatsanwalt sorgte er dafür, dass Täter nicht verharmlosen und leugnen konnten, was während des Nazi-Regimes geschah. Generalstaatsanwalt Fritz Bauer war auf den Juristen wegen seines großen Gerechtigkeitsempfindens aufmerksam geworden und hatte ihn in sein Team geholt. Gemeinsam mit den Staatsanwälten Gerhard Wiese und Georg Friedrich Vogel ermittelte Kügler so von 1959 bis 1965 gegen Nazis. Diese Arbeit habe ihn Zeit seines Lebens nicht mehr losgelassen, erzählt Werner Renz vom Fritz Bauer Institut. Er berichtet von einem Interview, dessen Rohmaterial im Archiv des Instituts liegt. Während des Gesprächs habe Kügler die Contenance verloren und sei so abrupt aufgesprungen, dass das Mikrofon abriss. Der Jurist habe Minuten lang gebraucht, eher er sich beruhigen konnte. „Auch 30 Jahre nach den Prozessen wurde er bei dem Thema immer noch von Gefühlen übermannt“, so Renz.

„Die kritische Aufarbeitung der Gräueltaten des NS-Regimes erfordert Respekt“, findet Immobilienentwickler Ardi Goldman. Die Thematik liegt ihm besonders am Herzen – schließlich ist sein Vater ein Überlebender des Warschauer Ghettos. Daher beschloss Goldman nun, dem Staatsanwalt seinen letzten Wunsch zu erfüllen. „Nach meinem Tod möchte ich in Frankfurt begraben sein“, soll Kügler immer wieder betont haben. Dennoch wurde der Frankfurter, der 2012 verstarb, in einem Armengrab in Gummersbach beerdigt – 170 Kilometer von seiner Heimatstadt entfernt. Nun bringt Goldman ihn heim. Kügler wird in einem Ehrengrab auf dem Hauptfriedhof bestattet. Zur Trauerfeier am 30. September werden einige bekannte Gesichter kommen. Darunter Küglers Wegbegleiter, Staatsanwalt Wiese. Auch Filmregisseur Lars Kraume wird unter den Gästen sein. Er beschäftigte sich ebenfalls mit dem Thema. Am 1. Oktober kommt sein Film „Der Staat gegen Fritz Bauer“ in die Kinos. Der hessische Staatsminister und Jurist Rupert von Plottnitz wird eine Rede halten.

Da sich in diesem Jahr die Auschwitzprozesse zum 50. Mal jähren, ist der Zeitpunkt durchaus passend. Das sei allerdings gar nicht Goldmans Motivation gewesen. Auf die Idee habe ihn ein anderes Projekt gebracht: die Helden-Zimmer in seinem 25hours Hotel auf der Hanauer Landstraße. Hier sind die Zimmer nach Persönlichkeiten benannt, die Zivilcourage zeigten, eines nach Fritz Bauer. Das brachte Goldman dazu, sich mehr mit dem Generalstaatsanwalt zu beschäftigen, so führte er auch Gespräche mit der Dokumentarfilmerin Ilona Ziok. Sie hatte Kügler noch persönlich kennen gelernt und berichtete dem Investor von dessen letztem Wunsch. Schon vor Goldman haben andere den Versuch unternommen. Aber bisher waren alle gescheitert.

Auch Goldman muss zugeben: „Es war wesentlich zeitaufwendiger und kostspieliger, als ich erwartet habe.“ Einen fünfstelligen Betrag habe der Immobilienentwickler nach eigenen Angaben gezahlt – auch für einen hochwertigen Grabstein. Dennoch sei es den Aufwand Wert gewesen. Denn Goldman habe auch viel Zuspruch erlebt, etwa durch den Gummersbacher Bürgermeister – der sofort zustimmte und das Projekt unterstützte. Angehörige hat Kügler nicht mehr. So wird sich Goldman auch künftig um die Pflege der Ruhestätte kümmern.
 
17. September 2015, 11.38 Uhr
Christina Weber
 
Christina Weber
Jahrgang 1983, Studium Online-Journalismus, seit 2014 Volontärin beim Journal Frankfurt – Mehr von Christina Weber >>
 
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