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Interview zum 60. Geburtstag
 

Interview zum 60. Geburtstag

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Was ist das Beste am Älterwerden, Herr Oberbürgermeister?

Foto: Bernd Kammerer
Foto: Bernd Kammerer
Oberbürgermeister Peter Feldmann wird 60. Zu seinem Geburtstag am 07. Oktober hat er uns 10 Fragen beantwortet und verraten, für welche Erkenntnisse er dankbar ist, welche Visionen er für Frankfurt hat und was ihn noch immer antreibt.
JOURNAL FRANKFURT: Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Herr Oberbürgermeister. Was ist Ihrer Meinung nach das Beste am Älterwerden?

Oberbürgermeister Peter Feldmann: Die Erkenntnis, dass die Zeit mit meinen Kindern zu wertvoll ist, um sie nicht bewusst auskosten zu können. Wir leben in einer so schnelllebigen Zeit, in der wir permanent von so vielem gefordert und abgelenkt werden. Mir ist wichtig, auch einmal Nein sagen zu können, um mich mit ungeteilter Aufmerksamkeit auf eine Tätigkeit, ein Gespräch konzentrieren zu dürfen, oder eben darauf, mit meinen Töchtern am Wochenende auf dem Spielplatz Zeit zu verbringen.

Was ist mit 60 schöner als mit 30?

Mit 30 kennt man seinen Platz im Leben noch nicht so gut, man weiß nicht genau, wohin die eigene Reise führt und was einen auf diesem Weg noch erwartet. Einige Jahre später hingegen lernt man die Verbundenheit zu Familie und langjährigen Wegbegleitern immer mehr zu schätzen – man schlägt gewissermaßen Wurzeln. Gute Freundschaften sind keine Selbstverständlichkeit und ein kostbares Gut. Diesen Wert zwischenmenschlicher Verbindungen, aus denen ich auch in anstrengenden Zeiten Kraft schöpfe, weiß ich inzwischen weitaus mehr zu schätzen als noch in meiner Jugend.

Gibt es rückblickend betrachtet Momente in Ihrem Leben, die Sie heute anders handhaben würden?

Natürlich gibt es diese Momente, denen ich allerdings nicht hinterher trauere. Wer nichts macht, macht auch nichts falsch – er kommt aber auch nicht im Leben voran. Mir war es immer wichtig, zu akzeptieren, dass Fehler normal und Teil meines Alltags sind. Ich hatte das Glück, dass mir zeitlebens immer wieder Menschen begegnet sind, die an mich glaubten und sich mir Chancen eröffnet haben, die ich ergriffen habe. Jahrzehnte später darüber zu sinnieren, ob es nicht besser gewesen wäre, hier links und dort rechts abzubiegen, dafür bin ich nicht der Typ. Ich finde, wer eine Meinung hat und diese auch argumentativ erläutern kann, der sollte dazu stehen.

Welchen Rat würden Sie gerne Ihrem jugendlichen Ich geben?

Ich würde meinem jugendlichen Ich raten, manches Mal geduldiger zu sein und darauf zu vertrauen, dass fleißige Arbeit auch honoriert wird. Andererseits ist es ja auch eine Stärke der Jugend, seinen Platz noch finden zu wollen und sich von auf diesem Weg nicht von guten gemeinten Ratschlägen älterer Herrschaften beirren zu lassen. Wichtig ist, aus Fehlern zu lernen und sie bei nächster Gelegenheit möglichst nicht zu wiederholen.

Vor wenigen Monaten wurden Sie für Ihre zweite Amtszeit vereidigt. Was treibt Sie noch immer an?

Mich treibt noch immer das gleiche Anliegen an, das mich seinerzeit zum Eintritt in die SPD bewogen hat: Mein Wunsch nach einer möglichst gerechten und fairen Gesellschaft. Als ich meine erste Amtszeit als Oberbürgermeister antrat, habe ich meine politische Agenda klar artikuliert. Einiges davon ist inzwischen schon auf einem guten Weg, auch wenn viele damals unkten, Themen wie bezahlbarer Wohnraum, soziale Gerechtigkeit, die Förderung von Kindern und Senioren sowie günstigere Preise im öffentlichen Nahverkehr seien zu dicke Bretter, um sie in ein oder zwei Amtszeiten zu bohren. Nun sind hier schon deutliche Fortschritte erzielt worden. Aber die Arbeit reicht sicher noch über meine restliche Amtszeit hinaus.

Wann haben Sie beschlossen, in die Politik zu gehen?

Mir wurde das Politische quasi in die Wiege gelegt: Schon als Schüler habe ich mich bei der Jugendorganisation ,Die Falken’ engagiert und meinen damaligen Schulleiter mit meinen Vorstellungen von sozialer Gerechtigkeit konfrontiert. Als Stufensprecher, der ich damals war, musste ich nach einem Schulstreik von der Ziehenschule an die Ernst-Reuter-Schule wechseln, um mein Abitur zu machen. Seither habe ich mein politisches Streben immer danach ausgerichtet, in meinem Umfeld für jene zu wirken, deren Stimme nicht so laut ist, um Gehör zu finden. Dass ich meinen 60. Geburtstag einmal als Oberbürgermeister von Frankfurt feiern würde, hätte ich Ihnen damals nicht unterschrieben.

Welche Visionen haben Sie für die Zukunft?

Ich werde weiterhin daran arbeiten, dass Frankfurt so gut wie möglich für die Zukunft aufgestellt ist und sich in dieser Stadt jeder – unabhängig von Einkommen oder Herkunft – heimisch fühlt. In den vergangenen Jahren haben wir bereits viel erreicht. Wir dürfen aber nicht nachlassen und müssen täglich weiter daran arbeiten, damit unsere Kinder in einer lebenswerten Stadt aufwachsen. Konkret bedeutet das für mich, den für die städtische Wohnungsgesellschaft beschlossenen Mietenstopp auch auf alle öffentliche Siedlungen auszuweiten und die Förderquote für Familien mit einfachen und mittleren Einkommen 40 auf bis zu 50 Prozent auszuweiten. Vor dem Hintergrund der Diesel-Problematik werde ich mich dafür einsetzen, dass wir langfristig ein RMV-Jahresticket zum Preis von 365 Euro anbieten. Bei den Schülern haben wir es als ersten Schritt durchgesetzt und jetzt müssen als nächste unsere Senioren dieses Angebot erhalten.

Und welche geheimen Wünsche?

Die verrate ich Ihnen natürlich nicht, sie sollen schließlich auch in Erfüllung gehen.

Wie feiern Sie Ihren runden Geburtstag?

Es wird einen Empfang im Frankfurter Römer geben und natürlich eine kleine Feier im Kreis meiner Familie. Auf beide Feste freue ich mich sehr.

Was ist das größte Geschenk, das man Ihnen machen kann?

Ich habe ja schon mehrfach gesagt, Oberbürgermeister dieser großartigen Stadt zu sein ist kein Job oder Amt, sondern das größte Geschenk, dass ich mir vorstellen kann. Insofern bin ich sehr glücklich. Aber im Ernst: Persönlich ist natürlich am wichtigsten, dass die Familie und man selbst gesund sind und man ausreichend Zeit füreinander findet. Denn alles Materielle ist ersetzbar. Die eigene Gesundheit und persönliches Glück sind höchst fragile Güter.
7. Oktober 2018
Ronja Merkel
 
Ronja Merkel
Jahrgang 1989, Kunsthistorikerin, von Mai 2014 bis Oktober 2015 leitende Kunstredakteurin des JOURNAL FRANKFURT, seit September 2018 Chefredakteurin. – Mehr von Ronja Merkel >>
 
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