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Gesellschaft
 

„Hessen schaut hin“

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Neue Online-Meldestelle für Betroffene rechter und rassistischer Gewalt

Foto: Bildungsstätte Anne Frank/Facebook
Foto: Bildungsstätte Anne Frank/Facebook
Hessen schaut hin: Eine neue Meldeplattform im Internet soll rechte und rassistische Vorfälle in Hessen sichtbar machen und Betroffenen ein Beratungsangebot vermitteln. Auch Zeuginnen und Zeugen können dort Angaben zum Geschehenen machen.
„Rassistische Anfeindungen und Übergriffe sind kein Problem Einzelner, sondern für viele Hessinnen und Hessen Alltag. Nur ein Bruchteil dieser Vorfälle wird öffentlich bekannt oder fließt in die polizeiliche Kriminalstatistik ein“, sagt Olivia Sarma, Leiterin der Beratungsstelle Response für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt, die in der Bildungsstätte Anne Frank angesiedelt ist. Dem wolle man etwas entgegensetzen und mit der Meldestelle dazu beitragen, das Ausmaß rechter und rassistischer Gewalt in Hessen sichtbar zu machen. Darum gibt es jetzt die Online-Meldeplattform Response: Unter www.hessenschauthin.de können Betroffene, aber auch Zeuginnen oder Zeugen, rechte oder rassistische Vorfälle melden. Die Vorfälle in Hessen seien in den vergangenen Jahren immer gewaltvoller geworden, erklärt Sarma. „Betroffene erleben alltägliche Beleidigungen, Anfeindungen, Bedrohungen, verbale und körperliche Angriffe und psychische Gewalt. Insbesondere dann, wenn diese Erfahrungen angezweifelt oder bagatellisiert und Rassismuserfahrungen abgesprochen werden, kann das Sicherheitsgefühl dieser Menschen stark ins Wanken geraten“, so Sarma weiter.

Das Angebot „Hessen schaut hin“ soll die bisherige Meldeplattform der Beratungsstelle Response erweitern. Response hat im Jahr 2019 nach eigenen Angaben 134 Beratungsanfragen bearbeitet. Dies stelle eine Steigerung um 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr dar. Dennoch sei die Dunkelziffer hoch: „Wir gehen davon aus, dass das tatsächliche Ausmaß noch deutlich höher ist. Das wissen wir aus unserer Beratungsarbeit, in der Betroffene oft von einer ganzen Biografie voll von Rassismuserfahrungen sprechen“, betont Olivia Sarma. Die Meldestelle soll helfen das Dunkelfeld zu erhellen und Betroffenen eine Anlaufstelle zu bieten – auch zur Vermittlung eines weiteren Beratungsangebots.

Betroffene oder Zeuginnen und Zeugen rechter oder rassistischer Taten können auf der Meldeplattform Details zur Art des Vorfalls, Zeit und Ort, Beteiligten und Folgen angeben. Die Plattform ist in den Sprachen Deutsch, Englisch, Arabisch und Französisch verfügbar. Meldungen sind kostenlos und auch anonym möglich. Zudem können die Betroffenen auswählen, ob der Vorfall anonym auf der Website veröffentlicht werden darf oder nicht. Über die Meldeplattform kann bei Bedarf auch Beratung und Unterstützung angefragt werden. Die Meldeplattform wurde in Zusammenarbeit mit der Beratungsstelle für Betroffene von rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt (VBRG e.V.) entwickelt, die bereits Erfahrungen durch ähnliche Plattformen in anderen Gegenden Deutschlands gesammelt hat.

Eine Anzeige bei der Polizei ersetzt die Meldung auf der Plattform nicht, erklärt Sarma: „Wir raten in jedem Fall dazu, bei Straftaten die Polizei zu informieren und die Straftat zur Anzeige zu bringen und unterstützen dabei auch bei Bedarf. Dennoch haben wir in den vergangenen Jahren den großen Bedarf nach einer zentralen Dokumentation rechter und rassistischer Vorfälle gesehen, die vor allem die Perspektive und das Erleben der Betroffenen ins Zentrum stellt.“

 
7. Januar 2020, 13.20 Uhr
nre
 
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Leser-Kommentare

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Ronald M. Filkas am 9.1.2020, 07:52 Uhr:
„Zahlenmäßig“ dominiert eindeutig rechte Gewalt! Ich empfehle dringendst einen Blick in entsprechende Kriminalstatistiken. Relativierung hilft nicht und auch nicht die perfide Taktik, ausgerechnet ein ermordetes Opfer der nazistischen Ideologie und damit rechter Gewalt als Beleg für wirre Thesen anzuführen. Sie sollten sich schämen!
 
Schlicht Karin am 7.1.2020, 19:07 Uhr:
Warum wird nur auf rassistische und rechte Gewalt geschaut? Heißt das, dass linke und islamistische Gewalt toleriert, zumindest aber anders behandelt wird? Zahlenmäßig dürften diese erheblich höher liegen in Deutschland. Ich könnte mir vorstellen, dass das absolut nicht im Sinne von Anne Frank gewesen wäre, würde sie heute noch leben.
 
 
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