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Fridays for Future: Der neue Widerstand
 

Fridays for Future: Der neue Widerstand

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Jetzt reden wir!

Foto: Dirk Ostermeier
Foto: Dirk Ostermeier
Die Welt erlebt eine neue Welle des Protests: Während die Folgen des Klimawandels immer sichtbarer werden, gehen weltweit Jugendliche in den Widerstand, um für eine bessere Klimapolitik zu demonstrieren. Auch in Frankfurt.
Vor genau einem Jahr hielt Greta Thunberg zum ersten Mal ihr Schild mit der Aufschrift „Skolstrejk för klimatet („Schulstreik für das Klima“) vor dem Schwedischen Reichstag in Stockholm in die Höhe. Was mit einer 15-jährigen Aktivistin begann, hat sich in kürzester Zeit zu einem globalen Flächenbrand entwickelt: Die Fridays for Future-Proteste haben die Welt erobert. Allein in Deutschland gibt es inzwischen über 500 Ortsgruppen, die sich zusehends professionalisieren. Gestern begann in Dortmund die erste Klimakonferenz der Bewegung, rund 1400 Menschen haben sich angemeldet und werden bis einschließlich Sonntag Workshops, Vorträge und Podiumsdiskussionen abhalten. Das Durchschnittsalter der Teilnehmerinnen und Teilnehmer liegt bei 17 Jahren, doch nicht nur Schülerinnen und Schüler kommen bei der Konferenz zusammen, auch zahlreiche Sachverständige sind vor Ort und beteiligen sich an den Diskussionen.

Die Erfolge der Bewegung lassen sich nicht leugnen: Weltweit wird über den Klimawandel diskutiert, „grüne“ Themen beherrschen die Wahlkämpfe, erst vor wenigen Tagen forderte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), den Klimaschutz als verpflichtende Staatsaufgabe im Grundgesetz zu verankern. „Wir stehen vor einer Jahrhundertaufgabe, daher brauchen wir auch einen Jahrhundertvertrag“, sagte Söder der Süddeutschen Zeitung.

Auch in Frankfurt sind Fridays for Future aktiv – und laut. Seit rund sechs Monaten bleiben jeden Freitag hunderte Schülerinnen und Schüler dem Unterricht fern, um auf den Straßen der Mainmetropole für eine bessere Klimapolitik zu demonstrieren. Oft müssen sich die jungen Menschen vorwerfen lassen, sie wollten nur die Schule schwänzen. Doch auch am ersten Freitag der Sommerferien fanden sich an der Bockenheimer Warte um die hundert Protestierende ein, um verschiedene Verkehrsknotenpunkte in der Stadt für mehrere Minuten zu blockieren. Sprechchöre wie „Motor aus / Power to the people, people got the power / Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut / Niemand hat das Recht auf Kohlebaggerfahren“ sind zu hören. Durch den generierten Stau wollten die Demonstrierenden darauf aufmerksam machen, wie viele Autos durch die Innenstadt fahren: „Wir sind hier, um den Politikerinnen und Politikern zu zeigen, dass wir auch nach sechs Monaten noch für eine bessere Klimapolitik kämpfen.“

Inzwischen haben sich in Anlehnung an die Fridays for Future-Proteste zahlreiche weitere Gruppierungen gegründet: Scientists for Future, Teachers for Future, People for Future, Parents for Future. Zu letzteren gehört auch Bernd Herd, der seit April dieses Jahres regelmäßig an den Demonstrationen teilnimmt, sich aber bereits seit 30 Jahren mit dem Thema Umweltschutz befasst. „Damals kannte man die Lösungen zum Teil noch nicht. Heute kennen wir die Lösungen – doch wir müssen sie auch umsetzen“, sagt der 53-Jährige. „Die Politik hat immer nur so getan, als würde sie etwas tun. Aber eigentlich ist sie untätig gewesen.“

Das sehen zahlreiche Frankfurter Politikerinnen und Politiker ähnlich. Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Bündnis 90/Die Grünen) zeigt sich dankbar gegenüber den Demonstrierenden, denn der Klimawandel sei „kein Randthema, sondern ein Kernthema, dem wir uns stellen müssen.“ Auch die Frankfurter Bundestagsabgeordnete Ulli Nissen (SPD) sagt, es müsse endlich in den Köpfen aller ankommen, dass Handlungsbedarf bestehe. Scharfe Kritik äußert die Sozialdemokratin daher auch an dem hessischen Kultusminister Alexander Lorz (CDU). Der hatte den Demonstrierenden kürzlich Strafen angedroht, sollten sie nach den Sommerferien weiterhin den Schulunterricht versäumen. Die Proteste hätten ihr Ziel erreicht, sagte Lorz der Wochenzeitung Die Zeit.

Die Fridays for Future-Mitglieder zeigen sich von der Drohung des Ministers unbeeindruckt. „Tja Herr Lorz, wohl komplett am Thema vorbei. Aber das ist bei der CDU ja Standard. Hauptsache nicht mit dem Thema beschäftigt“, twittert die Frankfurter Gruppe und ruft gleich zur nächsten Demonstration auf. In einem anderen Tweet heißt es spöttisch: „CDU: ‚Wir stehen zum Pariser Abkommen.‘ Auch CDU: macht zu 100% klimafeindliche Politik“. Weil die Politik noch lange nicht genug mache, haben sie vor einigen Wochen zusammen mit den Scientists for Future und den People for Future ein fünfseitiges Positionspapier erarbeitet. Darin fordern sie unter anderem den Klimanotstand für Frankfurt, die Nettonull bis 2030, klimaneutrales Bauen und eine grüne Stadtentwicklung, mehr Jugendbeteiligung und eine umfassende Verkehrswende, zu der auch eine autofreie Innenstadt zählt. „Schluss wäre, wenn ein umfangreiches Paket für den Klimaschutz umgesetzt wird“, sagt der 18-jährige Konstantin, ein regelmäßiger Demo-Teilnehmer. Die Fridays for Future-Demonstrierenden wollen den Politikerinnen und Politikern „so lange auf den Leim gehen, bis in Sachen Klimaschutz in Frankfurt wirklich etwas passiert.“

Wir haben die Fridays for Future-Demonstrierenden begleitet und darüber in der Titelgeschichte des aktuellen JOURNAL FRANKFURT (8/2019) geschrieben. In der Ausgabe finden Sie auch Interviews mit dem Klimaforscher Joachim Curtius, Georg Schürmann, Geschäftsleiter der nachhaltigen Bank Triodos, und Jan Serode, Architekt, der sich mit dem Innovationspotenzial von Textilfassaden befasst.
 
1. August 2019, 11.26 Uhr
Ronja Merkel, Helen Schindler, Elena Zompi
 
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Leser-Kommentare

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Uwe Looschen am 2.8.2019, 14:10 Uhr:
Demonstrieren für die Reduzierung von CO2. Und nach der Demo Abends in die Shisha gehen. Und Viiiiiel CO2 produzieren. Verlogener geht es nicht mehr.
Shisha-Bars sind schädlich für die Umwelt. Und rauchen tötet. Wan fordern die FFF-Jünger auch ein generelles Verbot von Shisha-Bars? Das wäre doch mal ein Anfang zur Glaubwürdigkeit, wie ernst sie das Thema Umwelt nehmen.
 
 
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