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Frankfurter Journalist der Fälschung verdächtigt
 

Frankfurter Journalist der Fälschung verdächtigt

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Falscher Islamismus-Experte

Foto: Harald Schröder
Foto: Harald Schröder
Der Frankfurter Journalist Shams Ul-Haq hat behauptet, in über 100 Moscheen die Radikalisierung von Muslimen aufgedeckt zu haben. Seine Angaben sind jedoch zu einem großen Teil widersprüchlich und vermutlich falsch.
Als sei Claas Relotius noch nicht genug gewesen: Erneut steht ein Journalist im Verdacht, falsche Behauptungen verbreitet zu haben. Wie die Tagesschau am gestrigen Mittwoch berichtete, hat der aus Frankfurt stammende Journalist Shams Ul-Haq behauptet, in über 100 Moscheen undercover recherchiert und die Radikalisierung von zahlreichen Muslimen aufgedeckt zu haben. Ul-Haq schreibt unter anderem für den Spiegel, die Hamburger Morgenpost und die österreichische Kronenzeitung . Außerdem erschien im Orell Füssli Verlag sein Buch „Eure Gesetze interessieren uns nicht“, in dem der Journalist die angeblichen Recherchen veröffentlicht hat.

Shams Ul-Haq kam angeblich vor rund 30 Jahren als pakistanischer Flüchtling nach Deutschland und bezeichnet sich selbst als „internationalen Experten für Islamismus, Terrorismus, Pakistan und den Iran“. In einem Interview, dass er Vatican News gegeben hat, werden jedoch Widersprüche deutlich, wie die Tagesschau festgestellt hat. Darin behauptet er, Asia Bibi im Gefängnis besucht zu haben. Die katholische Pakistani war die erste Frau, die wegen Gotteslästerung in ihrer Heimat zum Tode verurteilt wurde. Ende Oktober 2018 wurde sie freigesprochen. Dies sei jedoch nicht möglich, dem HR habe der Anwalt Asia Bibis mitgeteilt, dass seine Klientin keinen Besuch von Journalisten erhalten habe. Außerdem gebe es extreme zeitliche Widersprüche bei der angeblichen Recherche für sein Buch. Auf Nachfragen der Kollegen habe Shams Ul-Haq keine überzeugenden Antworten geben können.

„Viele Jugendliche aus Einwandererfamilien gleiten in den radikalen Islamismus ab,“ ist in der Hamburger Morgenpost im Namen Shams Ul-Haqs zu lesen. „Sie gehen als Kämpfer des ‚Islamischen Staats‘ nach Syrien und in den Irak. Oder sie versuchen in Deutschland oder anderen europäischen Ländern Terroranschläge zu verüben.“ Und weiter heißt es: „Ich habe mir angehört, wie gepredigt wurde. Ich habe mit Imamen gesprochen. Ich habe erlebt, wie die Gehirnwäsche der Islamisten funktioniert.“ Der Spiegel nimmt unter anderem in einem Artikel von 2016 Bezug auf die Undercover-Recherchen Ul-Haqs. Das Nachrichtenmagazin sorgte erst kürzlich international für Aufmerksamkeit: Der vielfach ausgezeichnete Journalist Claas Relotius hat über Jahre hinweg gefälschte Reportagen veröffentlicht. Auf Nachfrage des JOURNAL FRANKFURT hat der Spiegel bestätigt, das Shams Ul-Haq Juan Moreno bei der Geschichte „Der belutschische Geist“ (erschienen im Spiegel am 7. Januar 2017) geholfen hat. Moreno war maßgeblich dafür verantwortlich, dass der Fall Relotius aufgedeckt werden konnte. „Juan Moreno hat bestätigt, dass die Zusammenarbeit und die Recherche mit Ul-Haq nachweisbar sauber lief und sowohl schriftlich als auch fotografisch dokumentiert ist“, teilte eine Sprecherin des Spiegel mit. Das Ressort „Gesellschaft“ habe Ul-Haq seinerzeit nicht als Autor, sondern unter „Mitarbeit“ aufgeführt. Danach habe er nicht mehr für das Magazin gearbeitet.

Der Verlag Orell Füssli wollte sich gegenüber dem JOURNAL FRANKFURT nicht zu den möglichen, im Buch abgedruckten Falschinformationen äußern. Es sei Sache des Autors, die Richtigkeit der Informationen zu gewährleisten. Ob das Lektorat die Richtigkeit immerhin im Vorfeld der Veröffentlichung versucht habe zu prüfen, konnte die Sprecherin nicht bestätigen. Die Behauptungen, die Shams Ul-Haq anstellt, sind extrem – sollten sie falsch sein, beschmutzen sie nicht nur unseren Berufsstand, sie sind vor allem gefährlich und gießen Öl ins Feuer einer ohnehin überhitzen Debatte rund um Extremismus und Islamophobie.

Update: Der Artikel wurde am 17.01.2019, um 17:12 Uhr um das Statement des Spiegel ergänzt.
17. Januar 2019
Ronja Merkel
 
Ronja Merkel
Jahrgang 1989, Kunsthistorikerin, von Mai 2014 bis Oktober 2015 leitende Kunstredakteurin des JOURNAL FRANKFURT, seit September 2018 Chefredakteurin. – Mehr von Ronja Merkel >>
 
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Leser-Kommentare

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Michael Risse am 17.1.2019, 14:48 Uhr:
Der kleine Hochstapler ! Aber es ist so leicht heutzutage sich als Experte auszugeben. Man muss es nur behaupten.
Wo ich mich auch immer amüsiere,ist der TV-Sender ntv,der zu jedem Quark dann eine Experten im Studio hat.
Zum kringeln. Wovon leben diese aus dem Hut gezauberten eigentlich ? Das Gelaber will doch keiner hören
 
 
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