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Empörung erwünscht!
 

Empörung erwünscht!

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Mit dem Rolli durch die Republik

Arnold Schnittger wandert einmal quer durch Deutschland – zusammen mit seinem behinderten Sohn Nico, den er im Rollstuhl vor sich her schiebt. Morgen kommen sie in Frankfurt an. Warum machen sie das?
Wenn Arnold und Nico Schnittger am Freitag in Frankfurt ankommen, haben die zwei bereits mehr als 700 Kilometer Marsch hinter sich. Am 19. Juli brachen sie in Flensburg auf, wanderten über Hamburg und Lüneburg, Celle und Hannover, Fritzlar und Schwalmstadt, stets weiter gen Süden. Jeden Tag ein bisschen weiter in Richtung Gaienhofen am Bodensee, wo sie am Mittwoch, den 11. September ankommen wollen. In Frankfurt machen sie einen Zwischenstopp um hier – wie bereits in vielen Orten zuvor und vielen, die noch folgen werden – auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen.

Nico nämlich ist sein seiner Geburt behindert und sitzt im Rollstuhl. Sein Vater pflegt den heute 18-Jährigen, musste hierfür seine Arbeit aufgeben und die Pflege kostet nicht nur viel Zeit, sondern auch viel Geld. Ihm geht es, wie vielen anderen auch: In Deutschland leben rund 950.000 Familien mit behinderten Kindern. Viele davon unter schwierigen Bedingungen, da die Eltern wegen des hohen Pflegeaufwands häufig keiner geregelten Arbeit mehr nachgehen können und somit auf staatliche Hilfe in Form von Hartz IV und Pflegegeld angewiesen sind. So geraten viele dieser Familien in eine gesellschaftliche und soziale Isolation, viele Familien zerbrechen, ihnen schlägt häufig Unverständnis und Intoleranz entgegen. „Schwierig sind die Umstände“, sagt Arnold Schnittger. Ständig stoße man auf Widerstände. „Da“, so sagt er, „gehen Energien verloren, die man besser dem Kind zugute kommen lassen sollte.“

2008 gründete Arnold Schnittger den Verein Nicos Farm. Das Ziel: Ein Wohnprojekt für Alleinerziehende mit behinderten Kindern. „Ich möchte nicht, dass Nico in ein Pflegeheim kommt, wenn der liebe Gott meine Lichter löscht“, sagt Schnittger. 2009 wanderte er erstmals von Hamburg ins Ruhrgebiet, nannte diese Aktion „Inwendig warm“ – nach einem Lied von Schirmherr und Unterstützer Konstantin Wecker. Die Resonanz von Seiten der Politik, der Behörden, Kirche und anderer Organisationen fiel damals noch recht verhalten aus, erzählt er. Doch dann konnte Schnittger einige Förderer wie beispielsweise die Katharina-Witt-Stiftung gewinnen. „Dieses Jahr wurde die Aktion in zahlreichen Städten mit Fröhlichkeit und Musik begleitet“ erzählt Schnittger. „Es liegt und sehr am Herzen, unsere Botschaft mit möglichst viel Lebensfreude zu vermitteln. Wir möchten die Menschen sensibilisieren und dass sich an dieser wirklich erbärmlichen Pflegesituation endlich etwas ändert und deshalb wandern wir jetzt meckernd durch Deutschland.“

Und auch im Frankfurter Raum werden die zwei Wanderer dieser Tage mit viel Freude und Musik begrüßt und ein Stück auf ihrem Weg begleitet: Am Freitag, den 23. August, sind alle Frankfurter zum Mitwandern von Kalbach nach Dornbusch eingeladen. Los geht es am Kinderförderzentrum Therapeutisches Reiten in Kalbach, von wo aus dann zur Viktor-Frankl-Schule in Dornbusch gewandert wird, wo allen Mitwanderern ein kleiner Empfang beschert wird. Für Samstag, den 24. August, haben einige Frankfurter Vereine eine Solidaritäts-Aktion auf dem Römer organisiert, wo Berndhard Bub vom Antagon Theater zusammen mit Bárbara Luci um 12 Uhr Arnold und Nico Schnittger mit einem kleinen brasilianischen Begrüßungsritual willkommen heißen wird. Um 13 Uhr startet der Wandertross dann vom Römerberg zum gemeinsamen Marsch gen Egelsbach.

Organisiert und koordiniert wird die Aktion in Frankfurt von der Gooding GmbH – einem offenen Netzwerk, in dem sich gemeinnützige Organisationen präsentieren und moderne Social-Media-Tools nutzen können, um auf ihre Anliegen aufmerksam zu machen. Gooding bietet verschiedene Möglichkeiten gesellschaftlichen Engagements, mit dem Ziel lokal Aufmerksamkeit für die teilnehmenden Vereine und Organisationen zu generieren und besonders kleinen Projekten, denen häufig die Mittel fehlen unter die Arme zu greifen. Derzeit sind mehr als 1000 Vereine im gesamten Bundesgebiet bei Gooding.de registriert und seit November 2012 wurden insgesamt rund 40.000 Euro an Zuwendungen für diese Vereine gesammelt.

Wer Arnold und Nico Schnittger weiterhin auf ihrem Weg begleiten, beobachten und unterstützen möchte, kann dies über die Homepage der beiden unter www.inwendig-warm.de tun.
22. August 2013
mim
 
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