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Editorial Journal Frankfurt 11/2018
 

Editorial Journal Frankfurt 11/2018

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Lachend kämpft es sich am besten

Foto: © privat
Foto: © privat
Ab heute ist die neue Ausgabe des JOURNAL FRANKFURT erhältlich. Im Editorial gibt Chefredakteurin Ronja Merkel einen Ausblick darauf, was Sie im Heft erwartet.
Ich bin keine Optimistin – leider. Den Glauben an das Gute im Menschen halte ich für Quatsch und die gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen der vergangenen Jahre treiben mich regelmäßig an den Rand der Verzweiflung. Angesichts der Trumps, Weinsteins und Höckes in unserer Mitte frage ich mich häufiger, ob sich das Konzept Menschheit nicht längst überholt hat und die nächste Kometeneinschlag überfällig ist. Glücklicherweise habe ich das Privileg, immer wieder Menschen zu begegnen, die mich daran erinnern, dass sich der Kampf für eine bessere Welt nach wie vor lohnt – und, dass es uns hier in Frankfurt, trotz aller Hürden, ziemlich gut geht.

Peter Cachola Schmal ist so ein Mensch: Der Direktor des Architekturmuseums hat uns erzählt, wie er mehr bezahlbaren Wohnraum schaffen und Frankfurt wieder zu einem der führenden Ideengeber im Bereich des innovativen Bauens machen möchte. Dass unsere Stadt das Potenzial hat, neue Denkanstöße zu liefern, beweist auch unsere Titelstory: Hierfür haben wir das TechQuartier an der Messe besucht und die boomende Co-Working-Szene genauer unter die Lupe genommen. Hätten Sie gewusst, wie viele junge, kreative Entrepreneure in unserer unmittelbaren Nachbarschaft die Technologien der Zukunft entwickeln – und dabei unser gesamtes Verständnis von Arbeit verändern? Ich nicht.

Eines meiner persönlichen Highlights in den vergangenen Wochen war die Begegnung mit Nico Wehnemann. Ich muss zugeben, dass ich Nico zunächst nicht ganz ernst genommen und seine Satire-Partei etwas belächelt habe. Das hat sich spätestens mit der Buchmesse geändert: Nico und seine Parteikollegen bei ihrer Stauffenberg-Aktion als Zeichen gegen Rechtspopulismus begleiten zu dürfen, hat mir großen Spaß gemacht. Und mir gezeigt: Lachend kämpft es sich am besten.

Passend dazu ist das Foto, das Sie rechts sehen, im Strandcafé entstanden. Dort trafen sich Ende der 70er-Jahre Daniel Cohn-Bendit, Joschka Fischer und Tom Koenigs, um über die Erneuerung der Gesellschaft zu diskutieren; die alten Pflasterstrand-Ausgaben hängen dort noch immer. Wirklich rund lief es damals in der Welt ja auch nicht. Die Sponti-Revolutionäre haben sich trotzdem nicht entmutigen lassen und standen stets für ihre Ideale ein – das sollten auch wir tun, es kann sich nur lohnen. Dieses Jahr feiern wir 100 Jahre Frauenwahlrecht, immer mehr Länder erlauben die gleichgeschlechtliche Ehe und regelmäßig gehen zehntausende Menschen auf die Straße, um gegen Diskriminierung und Rassismus zu protestieren. Das macht Hoffnung, dass die Zukunft gar nicht so schlecht werden kann. Wie heißt es so schön: Am Ende wird alles gut und wenn es nicht gut ist, dann ist es nicht das Ende.
25. Oktober 2018
Ronja Merkel
 
Ronja Merkel
Jahrgang 1989, Kunsthistorikerin, von Mai 2014 bis Oktober 2015 leitende Kunstredakteurin des JOURNAL FRANKFURT, seit September 2018 Chefredakteurin. – Mehr von Ronja Merkel >>
 
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