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Gesellschaft
 

Editorial 12/2019

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„Unser System setzt auf Bürokratie statt auf Empathie“

Foto: © Katharina Dubno
Foto: © Katharina Dubno
Am heutigen Donnerstag erscheint die Dezember-Ausgabe des JOURNAL FRANKFURT. In ihrem Editorial schreibt Chefredakteurin Ronja Merkel über das Ehrenamt als tragende Säule unserer Gesellschaft.
Wenn wir geboren werden, sind wir abhängig von der Zuneigung und Fürsorge unserer Eltern – ohne sie sind wir nicht lebensfähig. Werden unsere Bezugspersonen älter, übernehmen wir oftmals die versorgende Rolle. Bis wir irgendwann selbst wieder auf die Pflege durch andere Menschen angewiesen sind. Auf diesem Weg von unserem ersten bis zu unserem letzten Tag stehen wir immer wieder vor Herausforderungen, die wir ohne die Hilfe anderer möglicherweise nicht bewältigen könnten.

Doch was machen wir, wenn es niemanden gibt, an den wir uns wenden können? Wenn wir schon auf die Welt kommen und nicht erwünscht sind? Wenn wir älter werden, ohne einen Menschen an unserer Seite, der sich für unsere Sorgen und zunehmenden Gebrechen interessiert? Wenn wir zu fallen drohen – doch niemand bereit steht, um uns aufzufangen?

Man sollte meinen, dass in einem Land wie Deutschland niemand Angst vor Krisen haben muss. Verlieren wir unsere Arbeit, haben wir ein Anrecht auf Sozialleistungen, werden wir körperlich krank, zahlt die Krankenkasse die Behandlungen, erleiden wir ein Trauma oder lässt uns unsere mentale Gesundheit im Stich, finanziert uns die gleiche Krankenkasse eine Psychotherapie, werden wir alt, erhalten wir eine gesetzliche Rente und bei Bedarf eine Pflegerin oder einen Pfleger. Doch obwohl wir eines der besten Sozial- und Gesundheitssysteme der Welt zur Verfügung stehen haben, geraten zu viele Menschen ins Straucheln. Unser System setzt auf Bürokratie statt auf Empathie, psychische Leiden werden noch immer tabuisiert und Therapieplätze sind knapp, in der Pflege herrschen Fachkräftemangel und Lohndumping. Und über die gesetzliche Rente möchte man erst gar nicht nachdenken.

Mitgefühl und Toleranz sind Grundvoraussetzungen für ein funktionierendes Miteinander, in diesem Sinne ist das Ehrenamt eine tragende Säule unserer Gesellschaft. Es sind diese ehrenamtlich Tätigen, die die Lücken füllen, die unser nicht perfektes System hinterlässt. Mit dieser Ausgabe möchten wir all den ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern Danke sagen. In welchem Bereich auch immer Sie sich engagieren: Danke! Für Ihr Engagement, Ihre Zeit und Ihre Bereitschaft, hinzuschauen.
 
28. November 2019, 11.00 Uhr
Ronja Merkel
 
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Leser-Kommentare

Kommentieren
 
Christian Will am 2.12.2019, 08:16 Uhr:
PS
Das neue Magazin soll vor allem den sozialen Akteueren mehr Raum und Gehör geben, und soll auch die Leute motivieren mitzumachen und ihre Stadt und Gemeisnchaft zu gestalten und zu stärken. Es soll die Zusammenhänge zwischen den Dingen besser befördern.

Damit wir Ökonomie, Ökologie Soziologie etc nicht mehr getrennt denken, sondern als voneinander abhängige Dinge.
Damit die Leute sich endlich ihrer gesamten Umwelt bewusst sind und sie auch aktiv mitgestalten.

Dies wäre auch sehr gute als Anti-AfD Maßnahme! ;)
 
Christian Will am 2.12.2019, 08:08 Uhr:
Sehr geehrte Frau Merkel,
viel Dank für das schöne Wort!

Es ist in der Tat ungemein wichtig und war es schon immer, in Zeiten der Überforderung, Spaltung und Freiheit, Stellung zu beziehen für die solidarische und empathische - ja verbundene Gemeinschaft.

Denn obwohl wir schon einige Jahre Psychologie und Soziologie betreiben, ist es uns immer noch nicht gelungen, die Bedeutsamkeit der zwischenmenschlichen Verbundenheit in ihrer vollen Bedeutung wahrzunehmen.

So liest man im Spiegel, dass die Lebenserwartung in USA sinkt. Dafür werden einige gute Gründe angeführt.
Und man liest in Butterweeges neuem Buch, dass die Ungleichheit, besonders durch den Kapitalismus hervorgebracht, das Hauptproblem sei.
Aber dennoch kommt keiner zu dem Schluss, dass es etwas mit der sozialen Distanzierung und Inkompetenz zu tun hat, der wir alle tagtäglich ausgesetzt sind. Wir entfernen und distanzieren uns voneinander, und so legen wir auch keinen wert auf die Bedeutsamkeiten der Leben anderer. Und zwar oft in jeglicher Hinsicht.

Deswegen ist auch die Bildung und die Kommunikation das wohl wichtigste Element in einer Gemeinschaft.

Und bei der Kommunikation kommen natürlich die Medien ins Spiel - wie gut sie die fortschreitenden Bewegungen den Leuten verständlich machen kann, wie gut sie die Unordnung in angehende gute Ordnung befördern können.

Deswegen möchte ich hier ein Appell an sie richten. Ich hab auch schon versucht die FR zu motivieren, denn ich halte Folgendes für sehr wichtig: Frankfurt, ja alle Städte, brauchen ein fortschrittliches soziales und progressives Medium, was den Herausforderungen der Zeit gewachsen ist und die Leute regional sowie global darüber informiert, wie es um die sozialen und politischen Dinge bestellt ist.

Das wohl beste Medum was mir dazu einfällt, ist der SENSOR aus Wiesbaden/Mainz.
Mnn könnte dieses Konzept sehr gut für Frankfurt/Offenbach übernehmen!
Hier und in vielen anderen Städten fehlt nämlich ein modernes und progressives und vor allem schwerpunkttechnisch soziales Stadtmagazin.

Das Journal macht gute Arbeit was Kultur angeht, und neuerdings seit Ihrem Start, auch mehr Soziales und Kritisches, aber dennoch könnte und sollte man mehr machen!

Ein neues Stadtmagazin, oder erweitertes Journal, wäre doch ein guter Versuch, dies umzusetzen - und noch mehr, vor allem soziale, Bewegung zu schaffen!

Hochachtungsvoll
 
 
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