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Diese Street-Art ist gefährdet
 
Diese Street-Art ist gefährdet
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Die vergängliche Kunst an der Wand
Foto: Nicole Brevoord
Foto: Nicole Brevoord
Die Hälfte des bekannten Wandbildes des Künstlerduos Herakut in der Stiftstraße ist bereits zugebaut, bald wird es ganz verschwunden sein, ebenso wie demnächst zwei kunstvolle Wandbilder in der Niddastraße.
„There is something better than perfection“, steht an der Wand noch zu lesen. Darunter faszinierte bislang die nachdenklich machende und kunstvoll gemalte Abbildung einer Frau, die ein Kind hält und der Gliedmaßen fehlen. Ein schönes Motiv, auch wenn die Dargestellten sich dem gängigen Schönheitsideal entziehen.

Die Botschaft richtet sich speziell an die Frankfurter. „Gerade für die Stelle ist das Bild passend“, sagt Jasmin Siddiqui von Herakut. Es stehe im Kontrast zu der perfekten Architektur, die es umgebe. Siddiqui ist ein Teil des Künstlerduos Herakut. Sie und ihr Partner Falk Lehmann seien bereits viel gereist. „Vor allem in großen Städten wie Shanghai, Hong Kong oder New York ähnelt sich das Stadtbild immer mehr. Die Macken und die Fehler sind das, was Identität ausmacht“, sagt Siddiqui. Das Wandbild ist eine bewusste Botschaft an die Städteplaner.

Dafür stehen unter anderem die Masken, die die dargestellte Mutter und ihr Kind abgezogen haben. Sie sollen aber auch symbolisch dafür stehen, dass Frankfurt ganz anders ist, als die Vorurteile mit denen Nicht-Frankfurter der Stadt häufig begegnen. „Der Gedanke an die Banken und das Gold schreckt viele ab. Das finden wir schade“, sagt sie. Und Siddiqui weiß, wovon sie spricht: Die 36-Jährige wurde in Ginnheim geboren. Sie erzählt auch, dass besonders Mütter sich von diesem Bild angesprochen fühlten. "Sie deuten das Bild meist als ein Bild über Behinderung. Es gibt ihnen Mut, dass es sie freispricht von der heutigen Fixierung auf körperbezogenen Perfektionsmus."




Herakut: Jasmin Siddiqui und Falk Lehmann (Foto: Bernd Kammerer)

War diese 15 Meter hohe Wand mit dem Werk seit Ende August 2013 der Blickfang an der Stiftstraße/ Ecke Große Eschenheimer, so wird das Bild vermutlich doch bald vergessen sein. Denn schon jetzt ist es zur Hälfte zugemauert. „Flare of Frankfurt“ wird auf dem ehemaligen Rundschau-Areal gebaut und soll bis Herbst 2018 fertiggestellt sein. Im Juli 2016 fand der Spatenstich statt. Bald wird auf dem Areal gewohnt, eingekauft, gespeist und im Hotel und Boardinghaus übernachtet. Hier steht das Künstlerduo schon im Gespräch eine Wand im Innenhof zu gestalten.

„Ich bin natürlich traurig, dass das Bild versinkt“, sagt Siddiqui. Doch einigen habe das Bild Mut gegeben. 6.000 Euro habe das Künstlerduo für ein Kinderheim in Rödelheim mit einem limitierten Druck des Motivs gesammelt. Auch habe es Niederschlag auf T-Shirts für eine Organisation für krebskranke Kinder gefunden, auf Postkarten einer Kirche oder aber auch in einer Tätowierung. „Wir würden gerne eine neue Wand in Frankfurt finden“, sagt Siddiqui – „um die Idee weiterzuführen“. Die neue Fassade müsste ähnliche Kriterien aufweisen, wie die in der Stiftstraße (20-30 Quadratmeter an einer hochfrequentierten Stelle, die mit Hebebühnen/Boom-Lifts zugänglich ist). Ideen können an folgende Adresse geschickt werden: office@herakut.de. Die Künstler würden die Skizze zur neuen Wand als limitierte Kunstdruck-Edition zum Spendensammeln für ein Frankfurter Kinderheim nutzen.



Flare of Frankfurt, ein Entwurf von Hadi Teherani

Ironischerweise werden in den kommenden Monaten auch zwei weitere Wandbilder der Stadt zugunsten eines Hotelneubaus verschwinden. In der Niddastraße prangt seit Herbst 2013 eine blonde Indianerin auf der roten Klinkerwand. Das Wandbild wurde von Nunca I angebracht und ist Bestandteil der Schirn-Ausstellung „Street-Art Brasil“ gewesen, bei der zwölf Künstler aus dem damaligen Gastland der Buchmesse Hausfassaden in der Stadt verzierten. Die wenigsten haben bis heute überlebt.









Auch das Exemplar in der Niddastraße ist ebenso wie die gegenüber liegende kunstvoll gestaltete Fassade des 25hrs Jeans-Hotels, das an die Beschriftung von Lieferkartons erinnert, dem Untergang geweiht.




Das Hotel "Novum Style" in der Niddastraße (Foto: Commerz Real)

Der Grund heißt „Novum Style“. So heißt ein 3-Sterne-Hotel mit hohem Designanspruch, dass der Generalunternehmer Lupp bis zum ersten Halbjahr 2019 errichtet haben will. Das 6600 Quadratmeter umfassende Bauprojekt wird den Lückenschluss bilden und damit die beiden verzierten Hausfassaden überdecken. Die künftigen Bewohner der 190 Hotelzimmer werden von deren Existenz nichts mehr merken, dafür werden sie von der Sky-Bar aus den Ausblick genießen. Street-Art ist eben vergänglich.
17. Juli 2017
Nicole Brevoord/Tamara Marszalkowski
 
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