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Ana Marija Milkovics Kolumne
 

Ana Marija Milkovics Kolumne

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Excuse vielmal

Foto: Harald Schröder
Foto: Harald Schröder
Unsere Kolumnistin Ana Marija Milkovic lebt zwischen den Welten. Einerseits in Frankfurt, andererseits in der Schweiz. Und dass beide Wohnorten eine Menge Unterschiede aufweisen, erklärt sie hier.
Ein handschriftlich verfasstes Schreiben hing an der Haustüre, als ich aus der Schweiz fürs verlängerte Wochenende nach Frankfurt zurückkam. Das Schreiben war innenseitig an die Hauseingangstüre gehängt. Ich hatte es bei meiner Ankunft nicht gleich bemerkt. Es war an die Hausbewohner gerichtet. Der Anfang war förmlich. An die sehr geehrten Hausbewohner war das Schreiben adressiert. Interessiert las ich den Brief weiter. Nach einer kurzem Einleitung forderte die Verfasserin des Briefes die Hausbewohner auf, den stehen gelassenen Müll umgehend zu beseitigen. „Wer seinen Müll hinterlässt, kann ihn auch wieder wegräumen.“ Die Logik verblüffte mich. Die Aufforderung wurde zum Ende des Briefes in Großbuchstaben verfasst und konnte nur als Befehl gelesen werden. Seit der Generation Trump weiß ich natürlich, dass wichtige Nachrichten in Grossbuchstaben über Twitter verfasst werden. Diese an Haustüren anzubringen war mir neu.

Auch der Fahrradraum wurde erwähnt. Rücksichtslos seien manche mit ihren Fahrrädern gegenüber anderen, die auch Fahrräder hätten. Ich kann das nur bestätigen. Eltern mit Kindern sind besonders rücksichtslos. Der Brief war nicht unterschrieben. Es wurden allerdings Gleichgesinnte, wütende Nachbarn, erwähnt, die sicherlich bereits den Aufstand probten. Ich sah sie alle im Hauseingang stehen. Anstelle von Namen trugen sie Zahlen. Eins, zwei, drei, die Hände nach oben reckend. Ich empfinde meine Nachbarn ein Stockwerk über mir rücksichtslos. Die haben zwei Töchter, die verwechseln den Boden ihrer Wohnung mit einem Trampolin. Das Programm laufen, hüpfen und springen startet gerne auch morgens um sechs. Auf die Idee ein Schreiben zu verfassen, das ich an die Haustüre hänge, kam ich bislang nicht. Ich denke nun über Grossbuchstaben nach.

Wenn ich aus der Schweiz nach Deutschland komme, streife ich mir den Kampfanzug über. In der Schweiz, habe ich als Deutsche am Arbeitsplatz lernen müssen, wird nicht scharf geschossen. In Deutschland wird scharf geschossen. Das weiß ich, weil ich ja Deutsche bin. Ständig geht es hier um Alles oder Nichts. Rum kommt dabei nicht viel, schließlich landet die Hälfte einer durchschnittlichen Lohntüte deutscher Arbeitnehmer in der Miete. In der Schweiz ist es ein Drittel. Eine ausgewogne Debatte ist in Deutschland gleichwertig eines auskömmlichen Gehaltes unmöglich. Heute ist es der Müll, morgen der Flüchtling. Das Land steht vor dem Kollaps.

Briefe an die sehr geehrten Hausbewohner würden in der Schweiz jedenfalls anders formuliert. Die lieben Hausbewohner würden gebeten, ihre Sachen zu beseitigen. Zuvor würden die Leser in Kenntnis gesetzt, daß die Verfasserin der Zeilen davon ausgeht, daß es sich hier sicherlich nur um eine Unachtsamkeit handelt, die jedem einmal passieren kann. Für unangemeldeten vor der Tür abgestellten Sperrmüll gäbe es dann allerdings satte Strafen durch die Stadt. Da wäre dann auch in der Schweiz der Rubikon überschritten.

Seit der Generation Christian Wulff kenne ich den Rubikon und bin darüber im Bilde, was er bedeuten kann. Schlimmstenfalls werden Bundespräsidenten arbeitslos. In der Kaiserstraße war dann der Rubikon für mich überschritten. Ich wollte auf dem Markt Obst kaufen und entschied mich für Pfirsiche. Ich roch an zwei oder drei Pfirsichen. Derb wurde ich unterbrochen. Ob ich nun an allen Pfirsichen riechen möchte, schließlich würden die auch noch von anderen Kunden gekauft. Das alles in hessischer Mundart, die bekanntlich nicht so schön sein kann. Ich zahlte. Der Händler wünschte mir noch einen schönen Tag. Für mein Dafürhalten war der Wunsch unehrlich. Lass Deinen Wunsch stecken, sagte ich. Du arrogante Ziege, schrie er mich an.

Obst kauft der Frankfurter auch besser vom Erzeugermarkt auf der Konstablerwache und nicht von hergelaufenen Händlern aus dem Vordertaunus auf der Kaiserstraße. Obst kaufe ich jedenfalls nicht mehr auf der Kaiserstraße. Das Paket habe ich später dann noch weggeräumt. Von Müll kann allerdings nicht die Rede gewesen sein. Exusee vielmal’.
2. August 2018
Ana Marija Milkovic
 
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Leser-Kommentare

Kommentieren
 
Ronald M. Filkas am 11.8.2018, 22:33 Uhr:
Zweimal das französische Verb excuser verwendet und zweimal falsch. Außerdem sagen Schweizer zwar „Merci vielmal“, aber nicht „Excusez vielmal“. Odr?
 
Michael Risse am 5.8.2018, 10:58 Uhr:
Frau Ana Marija Milkovic !
Ich zitiere aus Ihrer Weltliteratur:Ich roch an zwei oder drei Pfirsichen. Derb wurde ich unterbrochen. Ob ich nun an allen Pfirsichen riechen möchte, schließlich würden die auch noch von anderen Kunden gekauft. Das alles in hessischer Mundart, die bekanntlich nicht so schön sein kann. Ich zahlte. Der Händler wünschte mir noch einen schönen Tag. Für mein Dafürhalten war der Wunsch unehrlich. Lass Deinen Wunsch stecken, sagte ich. Du arrogante Ziege, schrie er mich an."Zitat Ende,
Recht hat er,der Gemüsehändler,denn es ist schlichtweg verboten ,vor allem Obst zu betatschen,dran zu schnüffeln,geschweige denn noch drauf herumzu drücken.Lebensmittelrecht. Aus die Maus.
Und Sie werden schon ziemlch arrogant da aifgetreten sein.Kein Wunder,betreffs Ihrer kategorisierung ins Tierreich,seitens des Händlers. Und hörn Sie mir auf mit dem Markt auf der Konsti !
Und dann das mit Ihren ach so tollen schweizer Vermietern. Erzählen Sie das Ihrem Friseur,aber nicht uns hier.
Dieses Oberschickanöse,Ober-Spiesserland Schweiz. Grauenvoll !
Übrigens,was es anlangt,mit Mietern umzugehen,die aus der Spur laufen,da kann ich Ihnen was erzählen aus meiner Zeit als Hauverwalter. Freundlichkeit wird als Schwäche ausgelegt,und erstmal passiert nix.Und dann muss leider immer wieder der Eiserne Besen rausgeholt werden,sonst fliegt Ihnen der Laden auseinander
 
 
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