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175 Jahre Karosseriebau Friederichs
 

175 Jahre Karosseriebau Friederichs

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Von der Kutsche zur gepanzerten Limousine

Foto: Nicole Brevoord
Foto: Nicole Brevoord
Was haben Angela Merkel, Vladimir Putin und der Leibarzt von Caruso gemeinsam? Sie alle haben mal in einer Karosserie gesessen, die in Frankfurt gebaut wurde. In Fechenheim werden Spezialfahrzeuge hergestellt, auch gepanzerte.
Es ist atemberaubend: Die Vorstellung sich bedroht zu fühlen und im Ernstfall unter Beschuss in dem sonnengelben VW Touareg zu sitzen, der nun aber ganz friedlich in einer Fahrzeughalle in Fechenheim geparkt ist. Denn das massive Gefährt ist völlig durchlöchert, die Fensterscheiben bestehen nur noch aus in Form gehaltenen Splittern und eine Seite des Autos ist stark verbeult. 498 Schüsse wurden auf die Karosse abgegeben, zehn Handgranaten darauf geworfen und eine 15 Kilobombe gezündet. „Innen aber hat es nicht einen Splitter gegeben“, sagt Henrik Schepler, Geschäftsführer der Carl Friederichs GmbH.

Das Frankfurter Unternehmen, das in diesem Jahr seinen 175. Geburtstag begeht, baut derartige Spezialfahrzeuge und hat sich auch auf die Reparatur und Lackierung von Kraftfahrzeugen spezialisiert. Der gelbe Touareg wurde vom Beschussamt zu Testzwecken derart zugerichtet, denn wer ein gepanzertes Fahrzeug wie den VW für 350.000 Euro erwerben will und dafür rund zwei Tonnen an Sicherheitsausrüstung einbauen lässt, der will auch eine Garantie für die Sicherheit des über Monate hinweg ausgeklügelten Gefährtes haben. Das Fahrzeug hat übrigens auch zwei integrierte Löschsysteme, einen Notausstieg auf dem Dach und gewöhnlich auch Reifen, mit denen man auch ohne Luft zur Not noch 80 Kilometer mit einer Geschwindigkeit von 80 Stundenkilometern fahren kann, um sich in Sicherheit zu bringen.

In den in Frankfurt gefertigten Spezialfahrzeugen von Friederichs sind schon Bundeskanzlerin Angela Merkel und Kreml-Chef Vladimir Putin kutschiert worden. Die Schätze der Bundesbank werden auch in Friederichs-Karosserien transportiert, ebenso wie Gefangene beim Strafgerichtshof in Den Haag. Als in der Ukraine das Malaysia-Airlines-Flugzeug MH17 abstürzte, schickte die niederländische Regierung Ermittler mit in Frankfurt gefertigten Sicherheitswagen an die Absturzstelle. Das Geschäft des in der Schlitzer Straße angesiedelten Betriebs ist international. Da werden auch mal Krankenwagen nach Wunsch für Afrika gebaut. Insgesamt 136 Mitarbeiter sind für Friederichs an zwei Standorten in Frankfurt tätig, darunter 18 Lehrlinge.

„90 bis 95 Prozent unserer Kunden sind im Ausland“, sagt Schepler. Das Label 'Made in Germany', ja auch 'in Frankfurt', sei wichtig und da zu dem Unternehmen eine sich sozial engagierende gemeinnützige Stiftung gehört, die Kunst und den Nachwuchs fördere, seien auch Regierungen und Ministerien bereit, ihnen Aufträge zu erteilen. Derzeit gebe es besonders viele Auftraggeber aus Afrika und dem nahen Osten. „Wir gehören zu den Top fünf in Deutschland. Mindestens 30 Prozent unseres Umsatzes machen Sonderschutzfahrzeuge aus.“ Schepler muss recht diskret sein, längst darf man bei Friederichs nicht in jede Halle blicken. Hier geht es um die Sicherheit. Zwischen 9000 und zwei Millionen Euro zahlt man für die Fahrzeuge bei Friederichs. In Deutschland findet man Katastrophenschutzfahrzeuge, mobile Einsatzzentralen der Polizei, Ausstellungsfahrzeuge und Geldtransporter, die alle in Fechenheim zusammengebaut wurden. Die Carl Friederichs GmbH hat einen Gesamtumsatz von 18 Millionen Euro. „Fünfzig Prozent davon erwirtschaften wir mit Sonderfahrzeugen, den Rest über Reparaturen und Lackierungen.“ Vor allem die Fahrzeugflotten von Banken und Versicherungen würden bei Friederichs wieder auf Vordermann gebracht, nur zehn Prozent der Autos gehörten Privatkunden.

All das ist an dem Unternehmen schon recht beeindruckend. Kaum zu glauben, das es die Firma bereits seit 175 Jahren gibt. 1840 gründete Heinrich Ludwig Friederichs in der Biebergasse 198 einen Sattler- und Carosseriebetrieb“. Der Unternehmer war zuvor als Sattler- und Wagenbauer sechs Jahre auf Wanderschaft gewesen. Obwohl er in Sankt Petersburg, Moskau und in London war, sein Herz muss für Frankfurt geschlagen haben. Bis heute bleibt man aus Überzeugung dem Standort treu, sagt Schepler. Was mit Kutschen begann, bekam 1876 dann einen Motor verpasst. Um 1900 verlegte sich das Unternehmen auf die Einzelanfertigung von Automobil-Karossen für Fahrzeuge wie Maybach, Benz, Mercedes, Peugeot, Adler und Horch. Friederichs war damals gar Hoflieferant S.K.H. Des Großherzogs von Luxemburg. Noch heute ist im Auto & Technik Museum in Sinsheim der älteste fahrbereite Maybach aus dem Jahr 1926 zu sehen, der einst dem Leibarzt des Sängers Enrico Caruso gehörte.

Die Standorte wechselten, zuletzt ließ sich Friederichs in der Schlitzer Straße und in der Hardenbergstraße nieder, und auch die Schwerpunkte der Firma gingen mit der Zeit. Heute werden unter anderem in Fechenheim Gelenk-Omnibusse lackiert, denn eine zwanzig Meter lange Lackierhalle und das Know-How findet man auch nicht überall.
8. Juli 2015
Nicole Brevoord
 
Nicole Brevoord
Jahrgang 1974, Publizistin, seit 2005 beim JOURNAL FRANKFURT als Redakteurin u.a. für Politik, Stadtentwicklung, Flughafen, Kultur, Leute und Shopping zuständig – Mehr von Nicole Brevoord >>
 
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