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Kolumne von Ana Marija Milkovic
 

Kolumne von Ana Marija Milkovic

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Eine romantische Idee

Das Romantik Museum interessiert derzeit eher das Bildungsbürgertum. Auch unter Ihnen vielleicht nur ein paar wenige, aber die mit Geld. Das ist schon mal die halbe Miete, findet unsere Kolumnistin.
Die andere Hälfte des Geldes bereitet Sorgen. Vor allem der Kommune. Für einige scheint die Romantik auch gut in einer Sonderbeilage im Literaturteil einer Tageszeitung vorstellbar. Auch ein Buch wäre denkbar. Vielleicht sogar mehrere. Eine Edition? Taschen zum Beispiel. In Zeiten anstehender Sparmaßnahmen scheint bei diesem Thema kein Blumentopf zu gewinnen. Der Bund interessiert sich weniger für kommunale Blumentöpfe. So erreicht uns Frankfurter eine Nachricht aus Berlin: Der Staatsminister Bernd Neumann beschließt das Romantik Museum mit Mitteln des Bundes anteilig zu fördern. Das ist neu und setzt Pessimisten in der Sache unter ministerialen Druck, die anstehende Aufgabe freundlicher zu betrachten.

Nun haben wir in Frankfurt auch eine nennenswerte Tradition von Museumsbauten. Die Museen gestalten unser Stadtbild postiv. Wenn Wissen Macht ist, ist Bildung die Ebnung des Weges dorthin. Wohin und wofür ein Romantik Mueseum nun förderlich ist, sind berechtigte Fragen. Den Ort, das soll ein Architekturwettbewerb richten. Nun sind in Frankfurt die Protagonisten des Romantik Museums unter Anderen jene, die die Museumsbauten aus den 80ern und 90ern verantworteten. Das könnte den Schluss zulassen, dass auch altbewährte Architekturbüros aufgefordert sind und nichts Neues entstehen kann. Das wäre ein Beispiel nicht im Sinne der Romantik. Die Romantik wendet sich ab von der Antike und klassischen Vorbildern. Damit wäre auch die architektonische Herausforderung formuliert. Den Standort des Romantikmuseums wird nun die ABG Wohnungsbaugesellschaft im Rahmen eines Wettbewerbes untersuchen lassen. Auch das ist ein Novum. Die ABG wird eine der wenigen, vielleicht die erste Wohnungsbaugesellschaft in Deutschland sein, die nun ein Museum baut.

Früher war unser städtisches Hochbauamt darauf spezialisiert Museen zu bauen. Die möchte heute anscheinend niemand mehr, zumindest beauftragen. Bleibt nun auch das an Frank Junker, dem Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft, hängen. Hängen bleibt bei Anderen die Vorstellung von meterlangen, künstlich beleuchteten statisch angeordneten Vitrinen mit Exponaten und Beschrifungsetiketten, die uns die Romantik aufklärend näher bringen, sollen. Da regt sich nicht nur unter Kennern der Romantik Unmut, auch in der Bevölkerung rumort es. Bürger stellen sich die Frage: Wird ein weiteres Museum benötigt? Tut es eine kuratierte Wanderausstellung durch Deutschland's Museen und Ausstellungshäusern nicht auch?

Auch die sterblichen Überreste Tutenchamuns pflegen nach 3336 Jahren heute gerne hin und wieder zu reisen. Wanderausstellungen können sich auch zum Triumph ihrer initiatoren entwickeln, wenn sie Städte übergreifend große Aufmerksamkeit erzielen. Auf jeden Fall nicht nur Dank Tutenchamun und Nofretete ist bewiesen, dass ein großes kulturelles Interesse in der Bevölkerung an längst vergangenen Zeiten besteht. Das ist nicht der Punkt. Das Romantik Museum hätte es sich unter dem Arbeitstitel "Erweiterung des Goethe-Hauses" sicherlich in der Akzeptanz bei den Frankfurtern, auch den kommunalen Entscheidungsträgern, leichter getan. Die Bausumme von 16 Millionen Euro für ein Bauwerk, dessen technischer Ausbau die Hälfte verschlingen wird, relativiert ohnehin im Vergleich zu anderen Museen das zu planende Gebäude. Museen im klassischen Sinn kosten heute schon gut und gerne das Vielfache. Leider erleben wir in den vergangenen Jahren eine hochbauliche Misere an städtischen Projekten, die nicht fertig werden wollen und mehr kosten. So überschatten Verwaltungsprobleme auch den Zugewinn den kulturelle Bauten für eine Stadt nach wie vor darstellen.

Die Romantik steht für Leidenschaft, Gefühl, Individualität vs. einem in die Zukunft gerichteten Rationalismus. Das birgt großes Potential für einen spannenden Ort, sollten Interpretation im Entwurf beispielhaft mit verkehrten Vorzeichen berücksichtigt werden. So setzt die Romantik voraus, klassischen Vorbildern den Rücken zu kehren. im Umkehrschluss wird uns auch die Möglichkeit geboten, einer romantisch verklärenden Zukunft, zumindest baulich, im Dialog heute zu widersprechen. Progressive und experimentell Entwürfe, wären begünstigt. Die nächsten Monate werden darüber entscheiden, ob Architekten und Interessierte sich wiederholt mit bewährten Fassadentypolgien oder vielleicht doch mit progressiven Inhalten auseinandersetzen - dürfen, vielleicht sogar neue, moderne, experimentelle Wege gehen - dürfen.
24. September 2013
Ana Marija Milkovic
 
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Ana Marija Milkovic hat als Architektin klare Ansichten über das Antlitz Frankfurts. Hier schreibt sie regelmäßig darüber.

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