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40 Jahre Batschkapp beim MUF
 

40 Jahre Batschkapp beim MUF

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Hier spielt der Chef

Foto: Detlef Kinsler
Foto: Detlef Kinsler
Eine Frankfurter Institution feiert 40. Geburtstag. Die Batschkapp. Und Ralf Scheffler hat den Gitarristen in sich wiederentdeckt. Prompt sieht er Musiker wieder mit ganz anderen Augen. Und bekommt beim Museumsuferfest ab Freitag eine eigene Bühne zum Jubiläum.
Die Idee kam ihm beim Joggen. Mit einem alten Stones-Song im Ohr. „Everybody Needs Somebody To Love“. „Man könnte doch mal eine Hausband auf die Bühne stellen“, dachte sich Ralf Scheffler da. Das war vor elf Jahren. Da stand das 30. Jubiläum des Clubs auf der Agenda. Bilder aus der Jugend im Hochheim am Main tauchten plötzlich vor seinem geistigen Auge auf. Da gab es drei Bands. Eine davon, die jüngste, waren The Terrible Noises. „Wir waren die Einzigen, die die Attitüde der Stones und Pretty Things hatten“, sagt er nicht ohne Stolz. Und das mit 15, 16. „Wir konnten nicht viel, dafür war der Enthusiasmus da. Man hat sich halt reingekniet.“ Die Hausaufgaben jedenfalls wurden immer hintenangestellt und jeden Tag geübt geübt geübt.

Sogar einen Manager leisteten sich die jungen Burschen. „Wir haben in Mainz gespielt in einer Bar im Rotlichtviertel, im Hinterzimmer einer Kneipe in Alzey, mieteten selber Turnhallen wo oft keiner kam“, erinnert sich Scheffler. Der Höhepunkt war einer der beliebten Beat-Wettbewerbe der Zeit. Im Kurfürstlichen Schloss. Nach zwei Jahren gingen die Jungs auseinander. Die einen mussten zur Bundeswehr, andere zogen weg. Scheffler ins nahe Frankfurt. „Da kam die Politik. Und die war wichtiger“, erzählt er. Anfängliche Jam-Sessions im Keller der Villa in der Kleebergstraße – mit Joschka Fischer am Schlagzeug („Er kam gut damit zurecht. Erstaunlicherweise.“) schliefen bald ein. Die Gitarre war Geschichte, irgendwann war sie verschwunden, Scheffler wechselte die Seiten, wurde zum Clubbesitzer und Konzertveranstalter. Vollkommen aus der Übung galt es das Instrument neu zu entdecken. Der Ehrgeiz war geweckt. Ein professioneller Lehrer musste her, die alten Vorlieben, Jagger, Richards & Co. dienten als Orientierung. Endlich auch ein wenig Theorie wie den Quintenzirkel begreifen und dem Mysterium der Blues Notes auf die Spur kommen. Schließlich wieder eine Gruppe gründen. „Ich hatte aber nie den Gedanken, die alte Band zu reaktivieren. Die hatte ich eh aus den Augen verloren“, orientierte sich der Rückkehrer im direkten Umfeld der Batschkapp. Booker Sinisha Vrdoljak spielte Bass, brachte Schlagzeuger Sepp’l Niemeyer ins Team, wurde später von Anja Kraft (Buchhaltung) beerbt, nach deren tragischen Tod 2014 übernahm Monitormixer Udo Fliegl die vier Saiten. Matze Brunner schlüpfte in die Rolle des Sängers und Sologitarristen. Missbrauch von Schutzbefohlenen. Diese Interpretation lässt Scheffler herzlich lachen.

Was nur als einmaliges Projekt fürs Dreißigjährige geplant war, machte aber allen so viel Spaß, dass The Terrible Noises weitermachten. Der erste Schock bei Scheffler war schnell überwunden. „Wieder auf der Bühne zu stehen, war ein schlimmeres Gefühl, als aus dem Flugzeug zu springen“, entsinnt sich der passionierte Fallschirmspringer an seine Premiere in der alten Batschkapp. „Ich hatte es irgendwie einfacher in Erinnerung in einer Band zu spielen. Das war richtig anstrengend, die Einsätze alle hinzukriegen. Manchmal gab es auch Aussetzer, wo man gerade im Song war. Aber mir war klar, die Jungs um mich herum, die wissen was sie tun.“

Der Anspruch jedenfalls wuchs. „Wir wollten nicht einfach nur covern, eine weitere langweilige Oldieband sein“, betont Scheffler. „Denn wenn du die Songs richtig und leidenschaftlich spielst, fällt es gar nicht auf, dass sie so alt sind.“ Wie als Beweis für diese Aussage achte man das nächste Mal genau auf den aktuellen Amazon Prime-TV-Spot mit dem Spencer Davis Group-Hit „I’m A Man“. Fast 50 Jahre alt, aber frisch wie am ersten Tag. Mit der Zeit kam mehr Routine. Und sogar Auftritte auf dem Herzberg Festival. Drei Mal rockte man schon die Freakstage. „Als wir das erste Mal da gespielt haben, trat Götz Widmann vor uns auf, hat drei Stunden die niedersten Instinkte seines Publikums bedient. Da ging die Post ab und wir dachten: Ach Du Scheiße“, sorgten sich die Debütanten. „Aber als wir um Mittenacht auf die Bühne gingen, waren alle schon gut angetrunken oder bekifft, Irgendwann haben sie mitgesungen.“

Was das selber wieder Musik zu machen für Ralf Scheffler geändert hat? „Ich habe wieder einen anderen Zugang zum Geschäft gekriegt“, versichert er. „Als Veranstalter quillt dir Musik irgendwann aus den Ohren heraus. Wenn mir was gefiel, habe ich mir trotzdem nur drei Stücke angehört.“ Das Interesse kam zurück. Auch der Respekt. Früher suchte er nie das Gespräch mit Musikern, die bei ihm auftraten. „Was sollte ich mit den Kerlen reden? Die waren alle in einer anderen Welt. Jetzt gibt es wieder eine Ebene, wo es nicht peinlich wird“, begründet Scheffler seinen Stimmungswandel. So sitzt er nun manchmal mit Recken seines Alters wie Pretty Things-Gitarrist Dick Taylor nach dem Gig im Nachtleben und fachsimpelt über alte Gitarren und Verstärker. Dass Scheffler den Glauben an die Livemusik nicht verloren hat, zeigt allein die Tatsache, dass er sich – quasi mit Eintritt ins Rentenalter – seinen Traum einer großen, neuen Batschkapp mit bis zu 1.500 Plätzen realisiert hat. Club und Band erfüllen ihn. „Es ist wie ein Jungbrunnen.“

Programmfyler unter www.museumsuferfest.de/2016/.
 
24. August 2016, 10.18 Uhr
Detlef Kinsler
 
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