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Verkehr und Rechenzentren größte CO2-Schleudern
 

Verkehr und Rechenzentren größte CO2-Schleudern

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Großer Nachholbedarf beim CO2-Ausstoß

Foto: Bernd Kammerer
Foto: Bernd Kammerer
Am Mittwoch wurde die aktuelle CO2-Bilanz der Stadt Frankfurt vorgestellt. Zwar sind die Emissionen seit dem Basisjahr 1990 um insgesamt 19,5 Prozent gesunken. Doch das reicht bei weitem nicht aus, um die Klimaschutzziele einzuhalten.
Am gestrigen Mittwoch haben Wiebke Fiebig, Leiterin des Energiereferats, und Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Bündnis 90/Die Grünen) die aktuelle CO2-Bilanz Frankfurts vorgestellt. Demnach sind die Emissionen 2017 im Vergleich zum Ausgangsjahr 1990 um 19,5 Prozent gesunken. Der Flugverkehr ist bei diesen Werten nicht miteingerechnet, er fließt erst seit 2013 in die Bilanz mit ein. Im Jahr 2017 kommen demnach noch einmal 850 000 Tonnen CO2 oben drauf.

In absoluten Zahlen sanken die CO2-Emissionen auf 7,9 Millionen Tonnen CO2 (1990: 9,81). Doch was erstmal gut klingt, ist noch viel zu wenig: Denn laut dem Masterplan Klimaschutz sollen die CO2-Emissionen bis zum Jahr 2050 um 95 Prozent gegenüber 1990 reduziert werden. Ziel für den Gesamtausstoß ist ein Wert von 500 000 Tonnen. Wenn der Trend so weiter geht, wird Frankfurt seine CO2-Ziele demnach krachend verfehlen. „Wir bewegen uns beim Klimaschutz zwar in die richtige Richtung, müssen das Tempo jedoch noch deutlich erhöhen“, betonte Umweltdezernentin Heilig.

Besonders negativ fällt die Bilanz des Verkehrssektors aus: Dort nehmen die CO2-Emissionen sogar zu: Seit 1995 (in diesem Jahr wurde der Verkehr erstmalig mitbilanziert) sind sie um 170 000 Tonnen gestiegen – eine Steigerung von 11 Prozent. Dies führt das Energiereferat auf den Anstieg des Durchgangsverkehrs und des Lieferverkehrs zurück.

Emissionen pro Kopf: Industrie, Haushalte und GHD

Die CO2-Emissionen pro Kopf sind im Zeitraum von 1990 bis 2017 um 32 Prozent gesunken. Prozentual fallen die Einsparungen im Industriesektor mit 33 Prozent am höchsten aus. Als Erklärung nennt das Energiereferat einen Strukturwandel und die Bereitschaft, Energie einzusparen. Der größte Sprung ist allerdings in den Jahren 1990 bis 1995 zu erkennen. Das lässt sich mit der Wirtschaftskrise Anfang der 90er-Jahre erklären; damals mussten viele Firmen schließen.

Bei den Haushalten sanken die CO2-Emissionen zwischen um 520 000 Tonnen (minus 27 Prozent), obwohl die Bevölkerung gewachsen ist. Gründe hierfür sind laut Energiereferat energiesparende Haushaltsgeräte, der Wechsel von Ölheizungen auf Gasheizungen oder Fernwärme und die energetische Sanierung von Gebäuden.

Im Sektor Gewerbe, Handel und Dienstleistungen sanken die CO2-Emissionen von 3,15 Millionen Tonnen auf 2,58 Millionen Tonnen (minus 18 Prozent). Einen Großteil der heutigen CO2-Emissionen in diesem Bereich mache der massive Ausbau der Rechenzentren aus. Durch Rechenzentren wurden im Jahr 2017 circa 575 000 Tonnen CO2 emittiert.

Rechenzentren verbrauchen mehr Strom als alle Frankfurter Haushalte

Auch die Tatsache, dass der Endenergieverbrauch von 1990 bis 2017 um 0,6 Prozent gestiegen ist, führt das Energiereferat auf die Zunahme von Rechenzentren im Stadtgebiet zurück: Mehr als 40 Rechenzentrumsbetreiber sind aktuell in Frankfurt angesiedelt. Sie machen ein Fünftel des gesamten Strombedarfs der Stadt aus und verbrauchen mehr Strom als alle Haushalte in Frankfurt zusammen. Laut dem Masterplan Klimaschutz soll die Endenergie bis zum Jahr 2050 um 50 Prozent reduziert werden. Ziel sind 0,65 Tonnen pro Kopf; momentan liegt der Wert bei 10,7.

Laut Heilig ist der Verbrauch der Rechenzentren ein Alarmzeichen für den Klimaschutz insgesamt: „Ich kann nur an die Bundesregierung appellieren, Klimaschutz und Digitalisierung nicht als völlig getrennte Baustellen zu betrachten. Wir benötigen dringend eine Strategie, um den explodierenden Strombedarf durch Streamingdienste, Clouds und das Internet der Dinge in den Griff zu bekommen“, sagte die Dezernentin. Das Klimaschutzpaket der Bundesregierung kritisierte sie als völlig unzureichend.

„Die Rechenzentren und der Verkehr verhageln uns das Ergebnis“, so Rosemarie Heilig. Alle Einsparungsmaßnahmen der Stadt machten 269 000 Tonnen CO2 aus, während allein die Rechenzentren 500 000 Tonnen CO2 verbrauchten. Laut Heilig müsste man die die Abwärme der Rechenzentren nutzen. Zudem sei eine Umstellung auf eine Kühlung mit Wasser vonnöten.

Datenbasis

Die Stadt Frankfurt hat im Jahr 1987 ihre erste CO2-Bilanz erstellt – damals noch ohne den Verkehrssektor. Dieser wurde im Jahr 1995 erstmals mitbilanziert. Die Methoden und Berechnungsverfahren für CO2-Bilanzen haben sich in den ersten Jahren noch mehrfach geändert. Seit 2005 erfolgt die Bilanzierung durch das Institut für Energie und Umweltforschung (ifeu) nach einem einheitlichen Bilanzierungsstandard.
 
28. November 2019, 12.54 Uhr
Helen Schindler
 
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Leser-Kommentare

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Ralph Lange am 1.12.2019, 16:00 Uhr:
Frau Heilig setzt mit ihrer Maschinenstürmerei die falschen Akzente: nicht die Rechenzentren sind das Problem, sondern die Stromerzeugung der Mainova. Ziel muss sein, die Kohlekraftwerke in und um Frankfurt herum zunächst durch Gas-Kraftwerke und später durch Wind-, Speicher- und Wasserkraftwerke zu ersetzen Wir werden viel mehr Strom brauchen als 1990: für Elektroautos, Rechenzentren, das Internet der Dinge, Autonomes Fahren und eine smarte Infrastruktur.
 
 
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