Facebook
|
Twitter
|
RSS
|
eMags Kontakt
|
Mediadaten
|
Impressum
Nachhaltigkeit
Startseite Alle NachrichtenNachhaltigkeit
Nachhaltige Pelzproduktion im Bahnhofsviertel
 

Nachhaltige Pelzproduktion im Bahnhofsviertel

0

Imagewandel für Pelz?

Foto: Sheera Plawner
Foto: Sheera Plawner
Allein der Begriff Pelz löst bei den meisten Menschen Unbehagen aus. Der Zentralverband des Deutschen Kürschnerhandwerks will das ändern: Das von ihm gegründete nachhaltige Label WePrefur zertifiziert Felle aus europäischer Jagd.
Pelz ist ein Thema, das empört: Der Ruf ist zurecht schlecht, Tiere werden extra für die Pelzproduktion gezüchtet und getötet. Tierschutzaktivisten kämpfen schon seit Jahren für ein Verbot dieses in der Modeindustrie beliebten Produkts. Einer hält jedoch dagegen – und er hat gute Gründe: Reinhard Bösch vom Zentralverband des Deutschen Kürschnerhandwerks hält den schlechten Ruf nur bedingt für gerechtfertigt. Den unter grausamen Bedingungen gewonnenen, aus China importierten Pelz lehnt er ab, seine Alternative nennt sich WePrefur. Vor zwei Jahren hat der Zentralverband des Deutschen Kürschnerhandwerks das Label ins Leben gerufen. WePrefur kennzeichnet Textilien, deren Felle aus europäischer Jagd stammen und die in deutschen Kürschnerbetrieben zu Pelzen verarbeitet wurden. Verwertet werden ausschließlich Felle von Tieren, die auf der sogenannten Liste der invasiven Arten stehen.

Unter invasiven Arten versteht man gebietsfremde Tiere, die sich ausbreiten und damit die biologische Vielfalt anderer Tier- und Pflanzenarten gefährden. Laut einer EU-Verordnung von 2017 sind Jäger verpflichtet, invasive Arten zu dezimieren. In Deutschland gehören dazu etwa Rotfüchse, Nutrias und Waschbären. „Allein in Deutschland werden 450 000 Rotfüchse, 150 000 Waschbären und 35 000 Marderhunde jährlich geschossen“, erklärt Bösch. „Während diese Tiere bisher einfach vergraben wurden, gibt es gleichzeitig Felle aus China auf dem Markt, die mit Schweröltankern über die halbe Welt gefahren werden. Da ist es doch nur naheliegend und sinnvoll, die heimischen Tiere, die sowieso geschossen werden, weiter zu verwerten.“

Pelz betrachtet er als Nebenprodukt der kontrollierten Jagd. Und auch der Aspekt der Nachhaltigkeit spielt eine große Rolle. „Es gibt nichts nachhaltigeres als einen Persianermantel“, sagt der Kürschner. „Er ist das am längsten getragene Kleidungsstück im Winter.“ Für Bösch ist es nicht nachvollziehbar, wenn Menschen sich gegen Pelz echauffieren, sich aber alle zwei Jahre einen neuen Plastikmantel zu kaufen. Mit dem Label WePrefur wollen die deutschen Kürschner genau diesem Trend entgegenwirken. Aktuell sind circa 30 Kürschnerbetriebe in Deutschland mit dem Label WePrefur lizensiert, die Zahl steigt. Jährlich findet eine Kontrolle durch einen Sachverständigen statt, der die Einhaltung der Vorgaben überprüft. In Hessen ist Rolf Schulte, der eine Manufaktur in Frankfurter Bahnhofsviertel betreibt, bisher der einzige WePrefur-zertifizierte Händler. Er will zeigen, dass Pelzherstellung nicht zwingend mit Tierquälerei verbunden sein muss. Dass die Tiere, die sowieso geschossen werden müssen, ganzheitlich verarbeitet werden, erscheint sinnvoll.

Doch bedenkenlos wird das Thema dadurch nicht: Denn man muss sich fragen, ob dem Kunden beim Kauf der Unterschied deutlich genug wird. Wenn Pelz durch das Label WePrefur wieder gesellschaftsfähig wird, besteht dann die Gefahr, dass der Kunde sich an Pelz als Mode-Accessoire gewöhnt? Die Unterscheidung zwischen nachhaltigem Pelz aus Europa und dem unter grausamen Bedingungen hergestellten Pelz aus Billiglohnländern, muss deutlich erkennbar sein – und der Kunde gewillt, auf diesen Unterschied zu achten.
22. Januar 2019
Helen Schindler
 
Empfehlen
 
Fotogalerie:
{#TEMPLATE_news_einzel_GALERIE_WHILE#}
 

Leser-Kommentare

Kommentieren
Schreiben Sie den ersten Kommentar.
 
Mehr Nachrichten aus dem Ressort Nachhaltigkeit
 
 
Stadtweites Mehrwegbecher-Pfandsystem kommt
1
Nachhaltig Kaffee trinken
Ein Jahr lang hat die Initiative Cup2gether zusammen mit vielen Cafés in der Stadt ein Pilotprojekt aufgebaut, um Einwegmüll zu vermeiden. Nun baut die Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH (FES) das System aus und etabliert ein stadtweites Mehrwegbecher-Pfandsystem. – Weiterlesen >>
Text: hes / Foto: Von Wegen Kommunikationsagentur
 
 
Glore eröffnet auf dem Oeder Weg
0
Fair Fashion für Frankfurt
Das nachhaltige Geschäft Glore, das sozial und ökologisch produzierte Mode anbietet, eröffnet heute eine Filiale auf dem Oeder Weg. Auf 100 Quadratmetern werden innovative Styles verkauft. – Weiterlesen >>
Text: red / Foto: unsplash/ bart jaillet
 
 
Weltweite Klimaschutzaktion des WWF
0
Licht aus – kostet ja nichts!
Wie schon in den vergangenen Jahren, schalten am kommenden Samstag zahlreiche Unternehmen und Bürger die Lichter aus. Die Aktion soll ein öffentliches Zeichen für den Klimaschutz setzen. Zum Mitmachen werden alle aufgerufen. – Weiterlesen >>
Text: srp / Foto: Facebook/WWF
 
 
 
Seit Monaten protestieren Schülerinnen und Schüler gegen die katastrophale Klimapolitik. Unterstützung erfahren sie dabei von zahlreichen Wissenschaftlern. Im Gespräch erklärt der Klimaexperte Joachim Curtius, warum wir dringend etwas ändern müssen. – Weiterlesen >>
Text: Ronja Merkel / Foto: Uni Frankfurt/Uwe Dettmar
 
 
Auch 2017 wurde viel Energie eingespart
0
Schulen verbessern Energiebilanz
Frankfurter Schulen haben auch im Jahr 2017 wieder kräftig zu einer besseren Energiebilanz der Stadt beigetragen. Sie sparten insgesamt 3749 Tonnen CO2-Emissionen und Energie- und Wasserkosten in der Höhe von 1,1 Millionen Euro ein. – Weiterlesen >>
Text: hei / Foto: bund-naturschutz.de
 
 
<<
<
1  2  3 
 
Nachhaltigkeit
Alle sechs Monate ist das Journal Frankfurt Teil des N-Klubs – einem Nachhaltigkeitsnetzwerk. Und dazwischen? Schreiben wir hier über die ökologischen Lebensaspekte unserer Stadt.