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Foto: Bea Emsbach
Foto: Bea Emsbach

"linientreu" in der Zollamt Galerie

Die Linie als Ausgangspunkt

Ob Bildhauer, Maler oder Grafiker: Die Linie spielt für viele Künstler eine zentrale Rolle. Nun kehren elf Künstler der Hochschule für Gestaltung Offenbach in der Zollamt Galerie zum Ursprungspunkt Linie zurück.
Die insgesamt elf Künstler verbindet eine Gemeinsamkeit: Sie kommen alle von der Linie, vom Zeichnen. Obwohl sie auf unterschiedliche Weise mit unterschiedlichen Medien arbeiten, ist die Linie ihr Ausgangspunkt. Ob sie grafisch oder bildhauerisch arbeiten, malen, Bühnenbilder entwerfen oder Texte schreiben – der Linie bleiben alle elf auf ihre Weise treu.

In der Ausstellung "linientreu" besinnen sie sich auf diese Gemeinsamkeit. Hinzu kommt, dass sie alle an der Hochschule für Gestaltung Offenbach (HfG) ihr Studium absolviert haben oder noch studieren. Dennoch wurden sie von mehreren Lehrern geprägt. Denn die Künstler stammen aus verschiedenen Generationen von Studierenden. Haben manche in den Neunzigern an der Hochschule studiert, so gibt es welche, die eher zu Beginn der Nullerjahre oder gegen Ende der Nullerjahre begonnen haben. So sind die Professoren Manfred Stumpf und Dieter Lincke prägende Persönlichkeiten für einige der Ausstellenden. "linientreu" ist eine Begegnung aktueller Positionen, die eine künstlerische Herkunft teilen.

Stellvertreter, Kommentare, Charakterstudien
Edwin Schäfer zeigt Arbeiten, die hier und da aus ihrem Rahmen ausbrechen und direkt auf der Ausstellungswand stattfinden. Seine Tuschezeichnungen zeigen fremdartig erscheinende Figuren, in denen manchmal menschliche Formen aufblitzen, und filigrane, sich wiederholende Linienstrukturen. Die Linien, und damit auch die Figuren, gehen manchmal ineinander über, andernorts entstehen aus den Linien organische Gebilde.

Gegensätzlich dazu zeigt Eugen El zehn gereihte Zeichnungen. Es handelt sich bei den DIN A4-großen Zeichnungen um sachliche Porträts. Man sieht dabei Personen, die sich sehr ähnlich sehen, die zufällig auch dem Künstler sehr ähnlich sehen. El spielt mit der uneindeutigen Zuordnung, die durch die sachliche Zeichenweise verschärft wird. Seine Figuren fungieren als Stellvertreter, Kommentare, Charakterstudien.

Erzählerische Kraft
Direkt im Raum präsentiert Achim Schauffele seine Arbeiten. Die in Öl auf Leinwand gemalten lebensgroßen, ausgeschnittenen Figuren schweben an einer Schnur im Ausstellungsraum. Sie sind beidseitig bemalt und auch motivisch ambivalent. Wirken sie anfangs noch naiv, wie kindliche Malereien, werden die Figuren immer unheimlicher, eine Steigerung ins düster Triebhafte hinein. Sie können höchst aggressiv sein und lassen zuweilen Assoziationen zur Kunst aus psychiatrischem Kontext zu.

Bea Emsbach zeigt eine Serie in Tusche. Auch bei ihr spielt das Unterbewusste eine zentrale Rolle. Ihre Zeichnungen thematisieren Motive aus dem allgemein Unterbewussten und der Mythologie. Sie beschäftigt sich jedoch auch bewusst mit der Anthropologie und Psychologie. Ihre Zeichnungen sind bevölkert von anthropomorphen Pflanzen und Protagonisten eines inneren Naturvolkes, dessen Riten rätselhaft bleiben und viel Raum für Assoziationen lassen. Sie arbeitet akribisch genau. So sind ihre Arbeitsprozesse meist langsam und langwierig.

Auch einige Positionen von Künstlern, die sich bewusst als Illustratoren verstehen, werden hier präsentiert. Wie zum Beispiel Roman Köller oder Patrick Haller. Hier steht eine kommunikative Arbeitsweise im Vordergrund mit dem Ziel, erzählerische Kraft zu enthalten.

"linientreu" - Ein Wortspiel
Die Ausstellung in der Zollamt Galerie entstand in Kooperation mit der HfG und auf Initiative des Lehrbeauftragten Dr. Norman Hildebrandt. Die Eröffnungsrede wird der ehemalige Professor für Bildhauerei Wolfgang Luy halten.

Linientreu: Franz Dittrich, Eugen El, Bea Emsbach, Patrick Haller, Norman Hildebrandt, Miriam Hilker, Lisa Marei Klein, Roman Köller, Edwin Schäfer, Achim Schauffele, Zeljko Vidovic

>> Vernissage: Donnerstag, 30. März 2017, 19 Uhr. Ausstellung: 31. März - 2. April 2017, jeweils von 12-19 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Offenbach Zollamt Galerie, Frankfurter Straße 91. Mehr Informationen unter linientreu.romankoeller.com.
 
30. März 2017, 11.02 Uhr
Tamara Marszalkowski
 
Tamara Marszalkowski
Theaterredakteurin. Jahrgang 1987, Studium der Kunstgeschichte, Ethnologie und Pädagogik in Frankfurt, seit 2015 beim Journal Frankfurt. – Mehr von Tamara Marszalkowski >>
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Fotogalerie: linientreu
 
 
 
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