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Unfuck my Future: Theaterfestival im Mousonturm
 

Unfuck my Future: Theaterfestival im Mousonturm

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Retten, was noch zu retten ist

Foto: Csanyi Krisztina
Foto: Csanyi Krisztina
Mit dem Theaterfestival „Unfuck my Future. How to Live Together in Europe“ widmet sich das Künstlerhaus Mousonturm bis 8. September den aktuellen Problemen unserer Zeit. Zentral sind dabei Themen wie Brexit, der Rechtsruck Europas und der Klimawandel.
Eine ganze Generation ist wütend, deutschlandweit, europaweit, weltweit. Sie ist wütend auf das System, die Politik und die Erwachsenen. Die Eltern-Generation hat versagt, es braucht neue Mittel und Wege, die Welt zu verändern. Aber welche? Diese Frage greift der Mousonturm Frankfurt in seiner neuen Spielzeit mit dem Festival „Unfuck my Future. How to Live Together in Europe“ auf. Im Zentrum stehen die Dynamiken der aktuellen politischen Proteste in Europa sowie ihre Auswirkungen auf soziale Beziehungen und Zusammenleben. Der Slogan „Unfuck my Future“ könnte dem einen oder anderen bekannt vorkommen, denn schon häufig wurde er bei Anti-Brexit- und Fridays for Future-Demonstrationen hochgehalten. „Es geht darum zu retten, was noch zu retten ist – um unser aller Zukunft“, sagt David Dilmaghani, der als Vertretung von Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) an der Eröffnung am Freitagabend teilgenommen hat.

Die Reaktionen auf das Motto fielen kontrovers aus: „Wir ernteten zum einen jungen Zuspruch, zum anderen ältere schroffe Ablehnung“, sagt Matthias Pees, Intendant des Mousonturms. Das verwundere nicht, da „Unfuck my Future“ eine deutliche Aufforderung mit klaren Absendern und ebenso klaren Adressaten sei. „Absender ist, wer zumindest rein von der Lebenszeit mehr Zukunft hat als Vergangenheit und Adressat ist, wer durch seine Vergangenheit, Gegenwart und vorgesehene Zukunft Mitschuld daran trägt, dass die Zukunft einer ganzen Generation immer heißer, düsterer und aussichtsloser wird“, erklärt Pees. Um genau diese aussichtslose Zukunft soll es in den Inszenierungen gehen. Sie greifen einige der großen Probleme unserer Zeit auf: Brexit, Klimawandel, der Rechtsruck Europas. „Wir dürfen gespannt sein auf künstlerische Erlebnisse und Diskussionen, die unterschiedliche Sichtweisen zusammenbringen und auf Impulse, die zum Nachdenken anregen oder sogar Anlass zum Handeln geben“, so Dilmaghani.

Den Start machte Gob Squad mit ihrem fünfstündigen Stück „I Love You, Goodbye (Unfuck my Brexit Edition)“, das angesichts der aktuellen Entwicklungen auch die eigene Geschichte und kulturelle Identität befragt. Allgemein geht es bei dem Festival sehr international zu. Besonders im Fokus scheint jedoch Osteuropa zu liegen. So war beispielsweise am Wochenende im Frankfurt LAB ein punkrockig-politisches Gastspiel des Berliner Maxim Gorki Theaters zu sehen: „Moja Prywatna Apokalipsa“ (My Private Apocalypse), von Krzysztof Minkowski mit der Warschauer Schauspielerin Marta Malikowska. Darin gründet sich, in einem imaginierten national-konservativen Europa im Jahre 2030 in den Katakomben des Warschauer Kulturpalastes, während eines konspirativen Konzertes die neue Keimzelle der Gegenbewegung.

In Arthur Romanowskis „Rote Beete Reden“ (6.9. und 7.9.), ein Talk-Format und Skypegewitter mit unfrisierten Gesprächen, die Romanowski mit seiner polnisch-deutschen Oma über Rezepte und Theater unter Verwendung von Texten von Alfred Jarry, Marta Kijowska, Stanislaw Jerzy Lec, Stanislaw Lem, Brygida Najdowska und weiteren führt.

Am Montag, 2. September, folgt die Uraufführung von „Autonomie. Eine Geschichte über unabhängiges Bewegen“ des Kollektives „andpartnersincrime“. In dem Stück begeben sich drei Frauen in einem Automobil auf die Spuren ihrer eigenen Autobiografie in drei Regionen Europas, in denen Unabhängigkeitsbewegungen an der Tagesordnung sind. Sie fragen sich, was der Unterschied ist zwischen dem Anspruch auf Selbstbestimmung und dem Autonomiediktat unserer Zeit.

Am 4., 5., und 6. September wagt sich das Frankfurter Musik- und Performance-Duo Les Trucs mit „Der Krieg mit den Molchen“ an eine Neuinterpretation des gleichnamigen Literaturklassikers von Karel Čapek, der, 1936 entstanden, zu den ersten Science-Fiction-Romanen zählt. Darin erzählt Čapek die Geschichte einer Molchkolonie, die von einem Handelskapitän in einer verlassenen Bucht entdeckt und zunächst zum Perlentauchen abgerichtet wird. Doch bald stehen die gelehrigen Molche im Dienst der Menschheit und werden weltweit für submarine Tätigkeiten eingesetzt. Und je größer ihr Arbeitseinsatz ist, desto größer werden auch ihre Population und ihr Anspruch auf Lebensraum und Gleichstellung mit den Menschen – Ein Stück über Ausgrenzung, Gier und Machtkämpfen geprägte Welt unserer Tage .

„Hungarian Acacia“ von Kristóf Kelemen & Bence György Pálinkás ist ein scharfsinniger Kommentar auf die Politik Ungarns. Die Performance von Kristóf Kelemen und Bence György Pálinkás richtet sich gegen populistischen Nationalismus. Zu sehen ist die Inszenierung am 7. September im Mousonturm.

Daneben finden sich im ersten Stock des Mousonturms zwei Kunstinstallationen. Die Videoarbeit „Das radikale Empathiachat“ von Anna Witt stellt ein performatives Zukunfts-Manifest Leipziger Jugendlicher vor, die sich Gedanken machten, in welcher Gesellschaft sie gerne leben möchten und ihre Utopien offen formulieren. Paul Norman und Leander Ripchinsky hingegen thematisieren in ihrer Installation „Trennungs-Songs of Togetherness“ den Brexit.

>> Unfuck my Future. How to Live Together in Europe, Festival, bis 8.9. Viele weitere Programmpunkte sowie alle Infos finden Sie unter www.mousonturm.de
 
2. September 2019
Elena Zompi
 
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