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Spielen, zocken, daddeln

Olymptronica-LogoDie Jahrhunderthalle sieht von oben aus wie ein riesiges Hühner-Ei. Calimero sagt mein Kollege Detlef immer. An diesem Wochenende wird in diesem Ei gespielt, keine Musik, sondern Videospiele. Olymptronica nennt sich das Ereignis. Was kann man da erwarten außer verpickelten Teenagern, die zu Hause hocken und nicht wissen, dass das Leben da draußen die geilere Grafik hat? Nun, das größte Erlebnis wartete schon vor der Halle. Eine Wildgans begehrte Einlass und war dabei so putzig, dass sich selbst unter den Sehschlitzen der Security-Schränke kleine Freudengrübchen zeigten. Ob das Federvieh wohl auch wegen der neuen Wii-Konsole von Nintendo gekommen war, die sich im Inneren des Eis nicht nur bewundern, sondern auch bespielen ließ? Als ich mich vorbeischlängele schnattert die Gans nur kurz und so bin ich endlich in der Zockerburg. Der erste Eindruck: die Clichés stimmen alle! Nee, war nur ein Witz - so geschätzte zehn Prozent der Gäste sind tatsächlich weiblich.

Die großen Drei der Videospielbranche sind vertreten, also Microsoft, Sony und Nintendo. Ballerspiele Fehlanzeige, an diesem Wochenende will man der Öffentlichkeit beweisen, dass Zocken ganz normal, ganz harmlos und total sportlich ist. Der Radiomoderator Rob Green interviewt deswegen auch gerade den Europameister im Bolzspiel Pro Evolution Soccer 6, und weil der Sender youFM einen Teil der Halle beschallt, kämpfen die Worte des feisten jungen Manns gegen das Gedudel der Konsolen an. Guitar Hero 2 wird gespielt, da hat man statt einem Joypad eine Gitarrennachbildung in der Hand und muss die richtigen Knöpfe zur richtigen Zeit drücken.

Mich zieht's in den schlauchigen Gang in dem die Klassiker stehen. Eine Runde Pong ist immer noch so erfrischend wie damals mit sechs als Papa die Drehregler an den Fernseher anschloss. Ganz wunderbar anzuschauen sind sowieso die alten Spielautomaten mit exzellenter 80er-Jahre-Pixelgrafik. So was gibt's heute ja nicht mehr. Nur wenige Schritte weiter lässt sich die Zukunft besichtigen. Sie heißt Wii und ist weiß und edel und glüht wie das Raumschiff Enterprise. Davor verrenken sich junge und sogar ein paar alte Menschen und versuchen mit der Fernbedienung einen virtuellen Baseballschläger zum Schwingen zu bringen. "Nee, so ganz ausgereift ist das noch nicht", sagt eine Mutter zu ihrem Sohn und tatsächlich ist die Steuerung dann doch erstmal gewöhnungsbedürftig. Dafür: Wer einmal Zelda auf der Wii gesehen hat, möchte das Ding eigentlich sofort mit nach Hause nehmen. Ging aber nicht. Selbst das vor Ort anzocken war schwierig, jeder nur 15 Minuten und mit Voranmeldung und mit Perso gegen Fernbedienung eintauschen - wegen des großen Andrangs.

Olymptronia, Wii-Konsolen (1)

Und wer des Zockens überdrüssig wurde, der konnte sich einfach mal auf die Sofas fallen lassen oder auf riesige Sitz- und Liegesäcke. Ja, hier konnte man wirklich Stunden verbringen, wenn man denn wollte. Plötzlich steht Gaetano Rizzo vor mir, der die Olymptronica organisiert hat. "Ich bin sehr zufrieden, aber für meinen Geschmack könnten ruhig noch ein paar Leute mehr da sein", sagt er. Das mag sein, so richtig voll ist es nicht. Aber dafür muss man auch, abgesehen von der Wii, nicht anstehen, wenn man mal Lust auf ein kleines Spielchen hat. "Hier kann man endlich mal alles ausprobieren", sagt ein zehnjähriger Junge, der seinen Papa im Schlepptau hat. So gesehen: doch kein verlorener Nachmittag. Nur ganz so sportlich wie gedacht ist es dann doch nicht wie der Name Olymptronica verheißt. Klar, Reaktionsschnelligkeit und Auffassungsgabe werden vielleicht geschult, aber dass es einen eSport-Verband gibt, also die Gamer denken, sie würden da elektronischen Sport betreiben, ist dann doch etwas euphemistisch. Selbst mit dem neuen Wii-Interface bleiben die Bewegungen überschaubar.

Olymptronia, Wii-Konsolen (2)

Und als ich wieder auf dem Parkplatz vor der Jahrhunderthalle stehe und es nieselt und die Wildgans weg ist und Höchst im Nebel versinkt, da denke ich mir: manchmal hat die Realität doch nicht die geilere Grafik.
 
19. November 2006, 20.19 Uhr
Nils Bremer
 
 
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