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So stand es im Pflasterstrand (5. Dez. 1981)
 

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So stand es im Pflasterstrand (5. Dez. 1981)

Pflasterstrand-Cover (5. Dez. 1981)Vor 25 Jahren im Pflasterstrand, der "Zeitung für ich weiß nicht, ich habe Angst", wie es im Untertitel heißt. Wie Geschichte sich doch wiederholt - nur dass die Startbahn West heute Nordwest-Variante heißt und für alle Bürger des Rhein-Main-Gebietes mindestens genauso die Pest ist. Aber zunächst mal zu anderen Themen, die einst die Stadt bewegten. Nur eine Randnotiz findet sich mal wieder in den Leserbriefen.
Offenbach ... (vajiß et): Geschafft! Wir haben die Südsee nach Offenbach geholt. Nun könnt ihr endlich vor unserer Fototapete bei guter Musik frischgepreßte Fruchtsäfte schlürfen, Salate knabbern, Müsli (absolut ideologiefrei) picken. [...] Wir sind eine lockere Gruppe von 8 Leuten, die versuchen wollen, über diesen Laden ihr (Über)Leben zu sichern. Kommt massenhaft! Vitaminada, Kirchgasse 29 (beim Schwimmbad), Offenbach, Mo-Sa 11-20 Uhr.
Von ideologiefreien Müsli zurück zur Startbahn. Breit wird diesmal die direkte Demokratie diskutiert, denn wie weit kann es mit der her sein, wenn Gerichte und nicht das Volk über solch brisante Projekte wie die Startbahn entscheiden. Vera Legale hat sich von Iring Fetscher inspirieren lassen, dessen Rundfunkkommentar der Pflasterstrand abdruckt. Legale schreibt:
Von der "Unregierbarkeit" des Landes und der "Legitimitätskrise" des Staates wird heuer viel gesprochen. Der Startbahnkonflikt läßt wieder einmal ein Ende der demokratischen Fahnenstange in Sicht kommen: Man kann gewisse Entscheidungen nur noch mit Polizeigewalt, gegen den Willen von starken Minderheiten durchsetzen. Das geht nicht lange gut. Linke Sozialdemokraten wie Erhard Eppler, die den Bruch noch kitten wollen, der durch Atomkraft, Raketen und Rodungen entstanden ist, erwägen daher schon lange die allgemeine Einführung von Volksbegehren und Volksentscheid zur "Auflockerung erstarrter Fronten". Als Iring Fetscher [...] meinte, wenn das Startbahn-Volksbegehren juristisch abgelehnt sei, werde es höchste Zeit, die Gesetze zu ändern, sprach tags drauf Peter Glotz auf einer SPD-Fraktionssitzung von einem "verfassungsrechtlich verankerten ökologischen Veto-Recht". Solche Überlegungen, wie man den Landfrieden noch retten könnte, werden in der linken SPD offenbar zunehmend diskutiert - aber nicht nur in der SPD.
Wir haben immer unsere Schwierigkeiten mit dem Volksbegehren gehabt - und doch hat es ohne Zweifel mobilisiert. Wird das aber so weiter gehen können? Wären Volksentscheide - wenn es dazu käme - wirklich ein adäquates politisches Mittel der ökologischen "Linken"?
Fehlfarben-Anzeige im Pflasterstrand (5. Dez. 1981)Sonst haben in der Startbahn-Ausgabe noch Platz: die Nürnberger Prozesse; der zweite Teil eines Abdrucks von Vladimir Bukowski, unter denen folgender, denkwürdiger Satz steht: "Ich hoffe, Bukowski gehts jetzt besser, mir ist zum Kotzen. Der Übersetzer."; ein Text über den Anthropologen Castaneda; "100 Jahre Picasso sind genug" von Kerstin Zollna (der letzte Absatz lautet: "Wer Lust hat mit uns die Picasso-Ausstellung zu besuchen, rufe die Nummer 43 xx xx (Kerstin)".

Die nächste Ausgabe des Pflasterstrands erschien am 19. Dezember 1981 - eine Weihnachtsdoppelnummer für satte 4 Mark. In zwei Wochen werden wir sie uns einmal genauer ansehen. Bis dahin: Macht kaputt was Euch kaputt macht!

5. Dezember 2006
Nils Bremer
 
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