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Norsk Festival im Mousonturm
 

Norsk Festival im Mousonturm

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Faszinosum Norwegen

Foto: May Linn Mersland Haugen
Foto: May Linn Mersland Haugen
Norwegen ist der Ehrengast der diesjährigen Buchmesse und der Mousonturm lädt schon ab Dienstag zum fünftägigen „NORSK. Festival für norwegische Musik, Literatur und Performance“ ein.
Mit schöner Regelmäßigkeit reiste Markus Gardian, der Kurator Musik des Künstlerhauses Mousonturm, in den letzten Jahren nach Norwegen, um einen Eindruck von der vielfältigen Musikszene des Landes zu gewinnen. Es klingt immer wie ein unausweichliches Klischee, wenn man nordische Musik mit den weiten Landschaften, dem Licht im Sommer und der Dunkelheit im Rest des Jahres sowie der Lebensart in Skandinavien in Verbindung bringt. Als das Esbjörn Svensson Trio zu Beginn der Karriere noch im Jazzkeller auftrat, reagierte der 2008 verstorbene Pianist, er sei wohl der falsche Ansprechpartner für die Frage, ob die Musik all das Angesprochene spiegele. „Frag‘ mal einen Iren, warum seine Musik irisch klingt?“, scherzte Svensson. „Darüber machen wir uns zuallerletzt Gedanken.“ Es liegt wohl in der DNA.

„Das spielt alles zusammen“, hat Gardian beobachtet. „Die Art, wie sie leben, diese vielen ganz kleinen Städte und die zwangsläufige Einsamkeit, da muss man einfach was machen, sich beschäftigen.“ Ein Spaßvogel hat einmal gesagt, die Frauen lesen, schreiben Bücher, machen Filme und Musik, die Männer dagegen nur Unsinn, saufen, jagen, machen Sport. Das stimmt so natürlich nicht, ist totaler Quatsch. „Es ist schon beeindruckend“, erzählt der Kurator. „Jeder Zweite in Norwegen macht gefühlt Musik, primär auf klassischen Klangerzeugern in unfassbar schönen Venues auch in den kleinsten Orten.“ Selbst auf Spitzbergen (2.583 Einwohner*innen per 1.7.2017, -16° im Februar, Höchsttemperatur +5,9° im Juli) gibt es „zwei Konzertsäle, die sich sehen lassen können.“ Viele Menschen leben da nicht, aber alle musizieren.

„Ich habe mehrere Familienbands gesehen, die konnten mit den Profis mithalten“, schwärmt Gardian. Viele der Jugendlichen blieben dann bei der Musik, machten aus den Folkmotiven nicht selten „komische Sachen“, ob sie sich letztlich für Jazz oder Hardrock entschieden. Beim „By:Larm-Festival“ in Oslo erlebte der Frankfurter eine Gruppe, „die hätte Motörhead sein können, nur dass sie mit traditionellen Instrumenten spielte.“ Metal auf Nyckelharpa und Hardangerfiedel. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Und der Staat fördert das.

Wo bei uns auf dem platten Land nichts passiert, „ist dort Hochkultur.“ Kein Überfluss, kein Überdruss. Man begegnet den Künstlern und Künstlerinnen mit Respekt. Man erlebt die Kunst gemeinsam. Gardian gewann den Eindruck: „Die Communitys funktionieren.“ Norwegen als Ehrengast der diesjährigen Buchmesse inspirierte das Künstlerhaus Mousonturm zu seinem fünftägigen „NORSK. Festival für norwegische Musik, Literatur und Performance“. Das eröffnete Gardian die Möglichkeit, den Frankfurterinnen und Frankfurtern das Faszinosum Norwegen nahezubringen. Eigentlich wollte man sich auf ein Genre kaprizieren. Schließlich präsentierte man schon beim „Jazz im Museum“ gerne Innovatives aus dem Land der Fjorde wie den von Trompeter Nils Petter Molvær. Die Idee hat sich dann aber dahingehend entwickelt, die Szene mehr in ihrer Gesamtheit abzubilden. Da Pianist Ketil Bjørnstad auch ein erfolgreicher Schriftsteller ist und Jenny Hval multidisziplinär auch Performance-Elemente einbringt, gibt es auf den drei Bühnen des Hauses ein imposantes Programm zwischen Folk und Jazz, das Elektronik und DJ-Kultur so wenig ausspart wie den Psychedelic Rock von Motorpsycho. Die Auftritte von Eplemøya Songlag, Raabygg (Foto), Sandra Kolstad, Hanne Hukkelberg und anderen im Lokal kann man bei freien Eintritt erleben. Gut organisiert lässt sich mit dem Festival-Pass für 75 Euro das ganze Angebot genießen.

>> Norsk.Festival, Künstlerhaus Mousonturm, 15.–19.10., www.mousonturm.de
 
14. Oktober 2019, 09.54 Uhr
Detlef Kinsler
 
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