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Moses Pelham im Interview
 

Moses Pelham im Interview

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"Die Frankfurter sind hart, aber herzlich"

Foto: Katja Kuhl
Foto: Katja Kuhl
Moses Pelham über sein neues Album "Herz", über seine Heimatstadt Frankfurt, seine Meinung zu Lena und die Frage, warum Frankfurt eine solch große Rolle in der deutschen Hip-Hop-Landschaft spielt.
Herr Pelham, Ihrem neuen Album steht ein Sinnspruch Goethes voran: „Es muss von Herzen kommen, was auf Herzen wirken soll.“ Ist das Ihr Leitmotiv?
Ich glaube, ich habe noch nie etwas veröffentlicht, an dem nicht mein Herz hing. Ehrlich gesagt, versuchen wir hier schon seit einigen Jahren herauszuarbeiten, dass wir unsere Musik ernster nehmen als so manch anderer. Es hilft oft das Zitat eines Dritten, der meine Gedanken schon viel früher auf den Punkt gebracht hat. Bei meinem vorletzten Album war ein Hesse-Zitat vorangestellt.

Sehen Sie sich als modernen Goethe?
Nicht wirklich, aber neulich hat immerhin ein Fan den Hashtag „Goethe sein Cousin“ verwendet. Da habe ich mich sehr, sehr geehrt gefühlt. Ich mag Dichter sein, aber mein Medium ist die Musik, ist Rap.

In der Sendung „Sing meinen Song“ hat Lena ein Lied von Ihnen performt – und überhaupt scheinen Sie einen Zugang zueinander gefunden zu haben.
Das wirkt vielleicht erst einmal seltsam, weil zu Lena der Abstand am größten erscheint, nicht nur vom Alter her, sondern auch vom musikalischen Profil. Doch bei ihr habe ich das Gefühl, etwas beitragen zu können. Ihr steht es einfach unfassbar gut, auf Deutsch zu singen.

Und Lenas bisheriges Werk?
Vor der Sendung arbeitete ich mich durch alle ihre Veröffentlichungen. Das letzte Album ist einfach unfassbar, ein internationales Pop-Album – ein ganz anderer Planet als die Alben zuvor. Wahnsinnig gut produziert.

Zurück zu Ihrer Platte. Vom früheren Battlerap ist auf dem neuesten Werk nicht mehr viel zu spüren.
Ja. Dieses Battle-Rap-Ding ist wie ein Reflex. Ein harter Beat und ich bin sofort in diesem Modus. Klar, das hat mir auch Spaß gemacht, aber im Grunde meines Herzens ist es nicht das, was ich von mir zeigen möchte. Ich verbiete mir das jetzt einfach meist. Früher haben wir oft im Spaß gesagt: „Ey, krieg mal ‚ne Weisheit.“ Vielleicht bin ich nun so weit.

Es geht Ihnen um das, was bleiben wird?
Ja. Wenn die Leute mal was Typisches von mir spielen, dann will ich nicht, dass sie irgendeine Battlerap-Platte rauskramen. Mir sind andere Dinge viel wichtiger und ich merkte, dass das Gedisse mein Werk irgendwie verwässert. Also hab ich es mir abgewöhnt. War nicht so einfach.

Für mich haben die Rödelheim-Platten von einst ja auch das Image dieser Stadt geprägt.
Ach, das sehe ich gar nicht so. Frankfurt war schon immer eine wichtige Stimme im Rap, ausgelöst auch durch die Amerikaner allen voran Eddie Action, die hier stationiert waren und für einen beständigen Nachschub an den neuesten Rap-Platten sorgten. Das hat Frankfurt geprägt – und dafür gesorgt, dass von hier eben auch wichtige deutschsprachige Rapper stammten und stammen.

Eines der zentralen Stücke der Platte ist „You remember“, dass an die Rödelheim-Hartreim-Zeit erinnert und an den Stadtteil, in dem Sie aufgewachsen sind. Vermissen Sie diese Zeit?
Ich bin glücklich, dass es diese Zeit gab und wir profitieren heute noch davon. Wir tragen es in uns, wissen aber, dass wir auch nicht zurückkönnen. That‘s it.



Haben Sie mal darüber nachgedacht, Frankfurt zu verlassen?
Ende der 90er gab es mal diesen Berlin-Hype, so dass wir mal drüber geredet haben. Alle Plattenfirmen haben sich nach und nach dort angesiedelt. Wenn du eine Platte anständig promoten willst, dann musstest du immer nach Berlin fahren. Die Mieten sind dort viel günstiger, als Dank, dass ich hier bleibe, bekomme ich noch die Reisekosten oben drauf.

Schnöde ökonomische Gründe.
Richtig. Aber Heimat ist viel mehr wert. Menschen, die du seit 30 Jahren kennst und vor denen du nicht erklären musst, wer du bist. An ihnen hängt mein Herz, nicht an irgendwelchen Gebäuden.

Was macht die Frankfurter aus?
Ganz platt gesagt: Sie sind hart, aber herzlich.

>> Releaseparty
Das Album „Herz“ erscheint am 11. August. Am Abend wird im Oye der Release gefeiert, Motto: „Trinken mit Moses“. Taunusstraße 19, 21 Uhr.



>> Das Interview ist Teil der Titelstory des morgen erscheinenden neuen Journal Frankfurt. Dort geben insgesamt 25 Frankfurter Persönlichkeiten Auskunft zu ihren Lieblingsorten dieser Stadt – und warum sie Frankfurt schätzen. Mehr zur neuen Gestaltung des Heftes und einigen Inhalten erfahren Sie hier.
 
7. August 2017, 11.49 Uhr
Nils Bremer
 
Nils Bremer
Jahrgang 1978, Politologe, insgesamt 14 Jahre beim Journal Frankfurt, von 2010 bis Juni 2018 als Chefredakteur. – Mehr von Nils Bremer >>
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