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Mit dem Jeep nach Afrika (Teil 36)
 

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Mit dem Jeep nach Afrika (Teil 36)

Andere Länder, andere Sitten 

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Die Nacht war angenehm. Keine Mücken, Daniel hatte vorsorglich Mückenspray besorgt, die Moskitonetze bleiben im Schrank. Wir sind über 2000 m hoch und es droht keine direkte Malariagefahr. Wir lassen den Morgen gemütlich angehen und haben beschlossen, hier in der Nähe der Quelle des blauen Nils einen Ruhetag einzulegen und zu entspannen. Die Eindrücke der letzten Tage brauchen Zeit, um verarbeitet und verstanden zu werden.

Ich lerne erste Worte der Landessprache aus unserem Lonely Planet Reiseführer. Not easy. Als ich versuche, mein Wissen an den Mann zu bringen: Achselzucken und Lächeln, immer höflich die Äthiopier, aber trotzdem nichts verstanden. Ich ändere meine Aussprache leicht. Fragende Gesichter. Jemand holt den Manager, der Englisch spricht. Danke, aber darum ging es mir nicht, ich wollte euch doch zeigen, was ich gelernt habe. Daniel hat doch noch Hummeln im Hintern und will jetzt das Auto innen reinigen, damit er dann wenn er sich recht schmutzig gemacht hat, die warme Dusche mit Nilwasser umso mehr genießen kann.

Ich gehe zur Hotelbar und bestelle Latte macchiato, den sie hier cafe macchiato nennen. Die italienische Besatzung bis 1944 hatte auch ihre guten Seiten. Man versteht sich auf die Espresso und Cappuccinokultur. Als ich bezahlen will, stehen vier cafe macciato auf der Rechnung, die zwar nur Pfennige kosten, aber ich bin trotzdem nicht bereit, mich für dumm verkaufen zu lassen. Also gebe ich meinen Unwillen kund. Breites Lachen bei Kellner und Kaffeeköchin. Man zeigt mir eine kleine Espressotasse, dann meine größere Cappuccinotasse und nun beginne ich, zu verstehen. Nur der Preis für Espresso ist auf der Getränkekarte gelistet. Ein Cappuccino bzw. Latte macchiato wird als zwei Espresso gerechnet. Man muss es nur wissen. Dafür schmeckt dieses einheimische Gesöff verdammt gut. Nur schade, dass die Kaffeeköchin es gut meint und den Zucker selber dosiert. Zu süß für meine Begriffe, aber auf Zucker steht man in allen afrikanischen Ländern, die ich bisher bereist habe.

Daniel hat die Innenreinigung beendet, ein paar vergammelte Lebensmittel lagen noch in einem Korb auf dem Wagendach und landen in der Müllbox. Nun strahlt unser Allradkamel wieder und es ist alles aufgeräumt. Dafür sieht es jetzt in unserem Hotelzimmer aus wie auf dem Basar von Djibouti. Aber solange man alles findet ist das ok.

Pläne schmieden 

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Die Sonne meint es bereits um 9 Uhr sehr gut mit uns und Durst stellt sich ein. Was gibt es Besseres als frisch gepresste Säfte. Wir entscheiden uns für Orangensaft, da der ausnahmsweise nicht gesüßt wird. Die ersten beiden Säfte schmecken so erfrischend gut, dass wir nachbestellen und nach kurzer Zeit stehen sechs leere Gläser auf dem Tisch. Der Ober hat übrigens jedes Glas einzeln gebracht. Verrücktes Afrika.

Was anfangen mit dem Tag? Wir haben ein schwäbisches Pärchen aus Heilbronn kennen gelernt. Tim ist Berufskollege von mir, er hat seine internistische Praxis im Oktober verkauft, dann geheiratet und reist nun mit Tanda in seinem Toyota in der Weltgeschichte herum. Für ca. 2 Jahre reicht das Geld, dann wollen sie weitersehen. Wie gut ich ihn verstehen kann. Kurz und gut, wir planen ein Motorboot zu mieten und den Ausfluss des Blauen Nil aus dem Lake Tana aufzusuchen. Ein spannendes Vorhaben für den Nachmittag.

Daniel und Tim fahren mit den Fahrzeugen zur Toyotawerkstatt und lassen Klimaanlage, Blinker und diverse Kleinteile reparieren. Ich entdecke einen Tukan, der gerade seine Jungen füttert und flitze ins Zimmer, um die Kamera zu holen. Der Vogel scheint mein Vorhaben durchschaut zu haben, erhebt sich auf die höchste Astgabel und versteckt sich hinter einem Blätterwald. Daniel und Tim sind zurück, wir brüten über Karten und Reiseführern und versuchen, über Mailkontakte näheres über den Grenzübergang zwischen Äthiopien und Nordkenia zu erfahren. Es gibt einige Unruhen in diesem Gebiet wegen des Somaliakonfliktes und auch die Alternative, durch die Omoregion zu einem anderen Grenzübergang zu fahren, ist nicht ganz ungefährlich, da es auch hier in den letzten Jahren immer wieder Überfälle auf Offroadtouristen gegeben hat und auch Todesfälle zu beklagen waren. Auf gefährliche Spielchen haben wir keine Lust.

Bootsausflug zum Blauen Nil

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Es ist Nachmittag und das Licht für unsere Filmarbeit wird besser. Tims gechartertes Motorboot entpuppt sich als Blechschaukel mit 15 PS und Sonnendach. Achmed, der junge Steuermann, verspricht uns zur Ausmündung des Blauen Nils zu fahren, wo sich zahlreiche Flusspferde ein Stelldichein geben sollen. Nach spritzwasserreicher Fahrt über den See erreichen wir den ruhig dahin fließenden Blauen Nil (farblich eher braun grau mit etwas grün) und da sind auch die Hippos. Es sind zwar nur zwei und sie sind so mit Unterwassergrasen beschäftigt, dass sie nur kurz zum Atemholen auftauchen und natürlich immer nur dann, wenn das Boot entweder gerade gedreht hat oder zu weit vom Schuss fährt. Wir wollen weiter auf dem Blauen Nil fahren, um die schönen Papyrus bestandenen Ufer und die exotische Vogelwelt zu bestaunen. Achmed hat Angst um sein Luxusschiff und entschließt sich, uns stattdessen auf einer Nilinsel abzusetzen. Es soll dort eine schöne Rundkirche und Vögel zum Abwinken geben. Irgendjemand hat gestern Abend das Krokodilgerücht in die Welt gesetzt, aber Achmed lacht. Here no crocodile only hippo. Wir sind beruhigt. Aber: no  swimming here, may be Bilharziosis. Tim und ich schauen uns nur verständnisvoll an. Also ab zur Nilinsel.

Unterwegs begegnen uns Papyrusboote, wie sie seit Jahrtausenden auf dem Nil verkehren. Wäre nicht das leise Tuckern des Außenborders, man könnte an Orwells Zeitmaschine denken. Die kleine Nilinsel erweist sich als Vogelparadies. Leider kenne ich nur den Ibis, die Pelikane und Kormorane sowie den Bienenfresser und den Tukan. Wo ist der Kosmosvogelführer Afrika? Natürlich daheim in Gaissach. Während die anderen zur Rundkirche laufen verstecke ich mich mit der HDV Kamera im Gebüsch. Es soll hier Brennnesseln geben, die man erst Stunden später spürt. Wie wahr. Daniel ist umringt von einer Gruppe kleiner Kinder, die ihm ein selbst gebasteltes Mini-Papyrusboot verkaufen wollen. Schnell wende ich mich von den gefiederten Freunden ab und dem mandeläugigen Nachwuchs Äthiopiens zu (50 % der Bevölkerung unter 18 Jahren). Die Kinder sind begeistert von Daniels Einfällen und wollen alle ihre Schulhefte zeigen. Sie sollen ihren Namen auf Englisch buchstabieren und Lieder singen. Vor Übereifer, weil jeder der Beste sein will, wird es etwas später und Achmed mahnt zur Rückfahrt. Nochmals bei den Pelikanen vorbei und dann zurück zum Hotel.

Auf dem Campingplatz hinter dem Hotel sind inzwischen unsere früheren Gruppenmitglieder von Offroad Kangaroo eingetroffen. Herbert hatten wir schon nahe der Nilinsel auf einem anderen Boot erblickt und begrüßt. Zu uns ins Zimmer kommen Wolfgang mit seiner inzwischen per Flugzeug in Äthiopien eingetroffenen Frau Uta. Sie hat Daniels Ersatzsonnenbrillen aus Deutschland mitgebracht und Ersatzdiafilme für mich. Wir unterhalten uns freundschaftlich und bedauern, dass die Zwistigkeiten sich so aufgeschaukelt haben. Mit Wolfgang hatte ich während der Wüstentour Freundschaft geschlossen, er war ein exzellenter Offroadfahrer und immer hilfsbereit. Während der langen Wüstentouren konnten wir uns dank gemeinsamem Interesse für professionelle Fotografie und extremes Reisen gut unterhalten. Es war nie langweilig, sogar Humor und Musik stimmten auffallend überein. Nun begleitet ihn seine liebe Frau Uta, die uns auf Anhieb sympathisch ist.

Tim kommt zum Zimmer. Wir wollen außerhalb des Hotels zum Essen gehen. Gut gesagt. Wir laufen mit Stirnlampe an der Uferpromenade entlang. Wir finden ein kleines Restaurant direkt am See. Die Bestellung stößt auf Schwierigkeiten. Trotz verlockender Speisekarte sind alle von uns gewünschten Speisen nicht vorrätig. Es gibt nur Fisch. Da wir nicht wissen, ob er fangfrisch ist und wir die mangelhaften Kühlmöglichkeiten von anderen Häusern kennen, verzichten wir und kehren nach einem Bier zum Hotel zurück. Das Hungergefühl meldet sich verstärkt. Daniel und Tim essen ein lokales Gericht, dessen Ähnlichkeit mit Bolognese Sauce ohne Spaghetti nicht zu übersehen ist. Mein Fleischgericht war leider undefinierbar und ungenießbar (Schuhsohle und verkohlte Leberstücke). Ich werde von etwas Reis und Salat auch satt. Inzwischen lodert neben der Hotelterrasse wieder ein Holzfeuer. Tim und ich fachsimpeln ein wenig. Wir lernen Hilou und Nele kennen... Sie arbeiten seit ein paar Monaten, Nele seit Jahren für die GTZ (Gesellschaft für technische Zusammenarbeit) und sind hier in Adis Abeba. Morgen fliegen sie von hier zurück nach Adis und machen uns das fürstliche Angebot als Gäste in ihrem Privathaus zu wohnen, wenn wir morgen Abend eintreffen. Einfach phantastisch. Es ist nach 1 Uhr und wir suchen mit leichtem Bierdusel die Zimmer auf. Es wird eine kurze Nacht.
In Ausgabe 01/07 des Journal Frankfurt berichteten wir über die 26-jährige Damaris Haensel. Damals war die angehende Haupt- und Realschullehrerin noch mitten in den Vorbereitungen für ihre ungewöhnliche Reise, die sie im Geländewagen bis nach Tansania führt. Der Weg nach Dar es Salaam, Tansania, ist lang. Seit mehr als 30 Tagen ist die Gruppe des Trail for Africa unterwegs. Sie besteht zum einen aus Offroad-Fahrern, die für die Expeditionsfahrt bezahlt haben und zum anderen aus Vertretern von Streetkids International (Damaris Haensel, dem Geschäftsführer der "Streetkids" Daniel Preuß und dem Kameramann Peter Becker), die sich auf den Weg zu den Waisenkindern gemacht haben. Früher als eigentlich geplant, hat sich die Gruppe nun getrennt: Daniel Preuß und Peter Becker fahren in einem Geländewagen zu den Kindern nach Dar es Salaam, um bei ihrer Ankunft wie geplant das Multipurpose Education Center (MEC) zu eröffnen und Damaris Haensel hat sich entschieden, die Expeditionsfahrt in der großen Gruppe mit mehreren Geländewagen fortzuführen.
 
14. Februar 2007, 16.25 Uhr
Peter
 
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