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Mietvertrag in den Adlerwerken
 

Mietvertrag in den Adlerwerken

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Gedenkstätte KZ Katzbach kommt

Foto: © Salome Roessler
Foto: © Salome Roessler
Unter unmenschlichen Bedingungen wurden mehr als 1600 Menschen während des Zweiten Weltkriegs im Konzentrationslager „Katzbach“ gefangen gehalten und zur Arbeit gezwungen. Nun könnte es bald endlich eine Erinnerungsstätte in den Adlerwerken geben.
Unter dem Decknamen „Katzbach“ entstand im Sommer 1944 im Frankfurter Gallusviertel eines der grausamsten KZ-Außenlager im „Dritten Reich“. Bei unmenschlichen Bedingungen wurden insgesamt 1616 Häftlinge, größtenteils aus Polen, auf dem Gelände der Adlerwerke gefangen gehalten und zur Arbeit in der Rüstungsproduktion gezwungen. Im Frühjahr 1944 waren zudem rund 43 000 zivile Zwangsarbeiter:innen in den Adlerwerken beschäftigt. Die Todesrate unter den Häftlingen im KZ „Katzbach“ war extrem hoch. Als das Lager im März 1945 aufgelöst wurde, deportierte man rund 450 Häftlinge ins Konzentrationslager Bergen-Belsen, von denen nur elf Menschen den Transport überlebten. Die übrigen Häftlinge wurden auf einen „Todesmarsch“ geschickt, den ebenfalls nur wenige überleben konnten.

Um der Opfer des Konzentrationslagers zu gedenken und an die Verbrechen, die während des Krieges mitten in Frankfurt begangen wurden, zu erinnern, soll in den Adlerwerken eine Erinnerungs- und Bildungsstätte für das KZ Katzbach entstehen. Wie das Kulturdezernat am Donnerstag mitteilte, stehe man nun kurz davor, einen Mietvertrag für Räumlichkeiten in den Adlerwerken zu unterzeichnen. „Die Erinnerung an das Konzentrationslager ‚Katzbach‘ am Ort des Verbrechens im Gallus zu verankern, war und bleibt meine Intention. Jetzt sind wir endlich so weit: Die Gedenkstätte kommt“, sagte Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD). Eine Beschlussvorlage für die Stadtverordnetenversammlung sei bereits auf den Weg gebracht. Es sei davon auszugehen, dass das Projekt eine große Mehrheit im Stadtparlament bekomme, so die Kulturdezernentin.

Seit 2016 hatte sich Hartwig gemeinsam mit mehreren Initiativen für eine Gedenkstätte im Gallus eingesetzt. „Wir schulden den Opfern, ihren Familien und uns selbst einen Ort des Erinnerns. Dieses grausame Kapitel der Frankfurter Stadtgeschichte darf kein Expertenwissen bleiben und erst recht nicht in Vergessenheit geraten", so Hartwig.

In den nächsten Monaten soll nun ein zukunftsfähiges Konzept entwickelt werden, das neben authentischen Objekten und Infotexten auch den Einsatz von digitalen Medien, interaktive Ansätze, Veranstaltungen und Vermittlungsangebote für Jugendliche und Erwachsene vorsieht. Dafür sucht das Kulturdezernat auch nach Zeitzeugen und Dokumenten wie Fotoaufnahmen oder Tagebucheinträgen aus dieser Zeit. Erarbeitet wird das Konzept vom Kulturdezernat in Kooperation mit dem Studienkreis Deutscher Widerstand 1933-1945 und dem Förderverein für die Errichtung einer Gedenk- und Bildungsstätte KZ Katzbach in den Adlerwerken und zur Zwangsarbeit in Frankfurt am Main. Letzterer soll später auch den Betrieb der Erinnerungsstätte übernehmen.

Die Anmietung der Räumlichkeiten in den Adlerwerken sei ein Signal, dass „die Existenz eines Konzentrationslagers mitten in unserer Stadt erstmals ernsthaft anerkannt wird. Und es ist eine Chance, eine Erinnerungs- und Bildungsstätte nicht nur für den Stadtteil, sondern für ganz Frankfurt zu schaffen“, sagte der Vorsitzende des Fördervereins, Horst Koch-Panzner. „Wir haben über 30 Jahre für diese Idee gekämpft und fühlen uns in unserer ehrenamtlichen Arbeit nun gewürdigt und bestätigt.“

Kulturdezernentin Ina Hartwig machte am Donnerstag deutlich, dass die Einrichtung einer Erinnerungsstätte gerade in der heutigen Zeit, in der Rassismus und Rechtsextremismus sich noch immer hartnäckig halten würden, besonders wichtig ist. „Unsere Demokratie und unsere offene Gesellschaft müssen abermals verteidigt werden. Mit der geplanten Erinnerungs- und Bildungsstätte leistet die Stadt Frankfurt einen essenziellen Beitrag zur Aufklärung für die nachfolgenden Generationen und zur Stärkung der Gesellschaft im Kampf gegen Rechtsextremismus“, so Hartwig.




© Salome Roessler
 
19. Februar 2021, 12.13 Uhr
loe
 
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