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Literaturfestival Textland
 

Literaturfestival Textland

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Made in Germany

Foto: Bernhard Aichner
Foto: Bernhard Aichner
Das Literaturfest „Textland“ erforscht am Wochenende zwei Tage lang den aktuellen Stand migrantischer Literatur in Deutschland und versucht, Zuschreibungen zu vermeiden.
Was ist deutschsprachige Literatur? Das ist noch recht einfach zu beantworten. Aber wie definiert sich deutsche Literatur? Dass darüber, was deutsch ist und sich deutsch nennen darf, zur Zeit so heftig gestritten wird wie seit Jahren nicht mehr, war an diversen Debatten der vergangenen Monaten bestens abzulesen. In der Literatur stellt sich schon seit längerer Zeit die Frage, inwieweit transkulturelle Einflüsse nicht nur neue thematische Räume öffnen, sondern auch das Medium der Sprache selbst prägen. Zumal ja immer auch im Blick zu behalten ist, inwieweit Zuschreibungen und Erwartungen an Schriftsteller*innen mit Migrationshintergrund Klischees erzeugen und Rezeptionssituationen entscheidend beeinflussen.

Der in Berlin geborene Politikwissenschaftler, Lyriker und Essayist Max Czollek hat kürzlich gemeinsam mit vier Schriftstellerkolleg*innen in der Wochenzeitung Die Zeit vor dem Hintergrund der ­#MeTwo – Diskussion über Diskriminierung im Literaturbetrieb geschrieben. Unter anderem: „Die biografische Beichte ist das Kapital der Menschen. Es ist der Treibstoff „migrantischer“, „jüdischer“, „queerer“ oder „feministischer“ Literatur, deren Inhalte von einer gierigen Öffentlichkeit erst angezapft, dann raffiniert und schließlich konsumiert werden. Das ist ein Problem, denn es legt die Literatur vonseiten der Interpretation und der Produktion fest.“ Es gibt also einiges zu bereden. Und auf dem zweitägigen Kongress und Literaturfest „Textland. Made in Germany“ soll genau dieser Versuch unternommen werden. Auch Max ­Czollek wird übrigens einer der zahlreichen Teilnehmer*innen sein, die sich daran machen werden, in Gesprächen, Podiumsdiskussionen, Lesungen, Workshops und Kurzfilmvorführungen eine Bühne zu schaffen, auf der sowohl eigene und fremde Spracherfahrungen, Fragen nach Heimat und Identität, aber auch die Frage nach der Veränderung der Sprache in den Blick genommen werden können.

Eröffnet wird „Textland“, ein Projekt der Faust Kultur Stiftung, gefördert unter anderem vom Kulturfonds Frankfurt Rheinmain und der Stadt Frankfurt, mit einem Vortrag des Soziologen Armin Nassehi, der ein Plädoyer dafür hält, Räume zu schaffen, in denen sich die unterschiedlichsten Narrative begegnen können. Einer der Höhepunkte des Festes wird mit Sicherheit die Veranstaltung „Neue deutsche Literatur? – Stimmen, Thesen, Reaktionen“ sein. Sechs Autor*innen, darunter Marjana Gaponenko, Olga Martynova und die Bachmannpreisgewinnerin ­Sharon Dodua Otoo wurden gebeten, ihre Auffassung davon zu formulieren, was das überhaupt sei, „deutsche Literatur“. Auf diese Thesen wiederum Antworten sechs Autor*innen, unter anderem Ales Steger (Bild), Matthias Göritz und Monika Rinck. An der Prominenz des Podiums zeigt sich bereits die Bedeutung des Themas. Am Samstagabend wird dann darüber diskutiert, ob politische Korrektheit, Stichwort: „N-Wort“, die Sprache stranguliert und ihr Vitalität nimmt, oder ob sie ein Ergebnis von gesellschaftlicher Selbstreflexion ist. Im Anschluss daran wird Literatur vorgelesen, bevor um 23  Uhr Jamal Tuschick, der lange Jahre in Frankfurt gelebt und gewirkt hat, mit dem offenbar unvermeidlichen Feridun Zaimoglu in einen Late-Night-Talk geht.

Am Festivalsonntag gibt es zum Auftakt ein Lesungskonzert mit Abbas Khider und Dotschy Reinhardt, bevor die Teilnehmer der Zukunftswerkstatt Main Labor, Autor*innen der jüngsten Generation, darunter Sandra Gugic und Safiye Can, über Verschränkungen von Politik, Literatur und Migration diskutieren.

Zum Abschluss gibt es eine Buchpremiere:
Nather Henafe Alali musste 2014 aus Syrien fliehen. Über seine Erfahrungen hat er einen Roman geschrieben, der im S.  Fischer Verlag erscheint – in der deutschsprachigen Literatur, obwohl er auf Arabisch verfasst wurde. Ein Signal? Eine Provokation des S. Fischer Verlags? Darüber wird gesprochen. Moderiert werden die Veranstaltungen von der Frankfurter Literaturkritikerin Insa Wilke. Es werden zwei hochaktuelle Tage.

>> Textland – Made in Germany, Evangelische Akademie, Römerberg 9, 15.9. ab 15 Uhr, 16.9. ab 11 Uhr, Eintritt: Tagesticket: 10,–; Kombiticket für beide Tage: 15,–. Vollständiges Programm und Kartenreservierung unter www.textland-online.de
14. September 2018
Christoph Schröder
 
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