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Kultur
 

Lenken und Liken

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Die Kunst der Intervention

Foto: © Larissa Hägele
Foto: © Larissa Hägele
Das Kuratoren-Duo Larissa Hägele und Olga Inozemtceva stellt mit ihrem neuen Ausstellungsprojekt „Lenken und Liken“ unter Beweis, dass Kunst durchaus alltagstauglich ist und zu einem festen Bestandteil der Arbeitswelt werden kann.
Was macht Kunst mit ihrer Umgebung und inwieweit beeinflusst diese wiederum die Kunst? Wie funktioniert Kunst außerhalb eines musealen Rahmens und wie wird diese dann überhaupt wahrgenommen? Diese Fragen stellen die Kuratorinnen Larissa Hägele und Olga Inozemtceva in ihrem neuen Ausstellungsprojekt „Lenken und Liken“, das in den eigentlich kunstfernen aber mietbaren Konferenz- und Tagungsräumen von MEET/N/WORK seine Umsetzung findet. „Wir wollen, dass Kunst auch in der Arbeitswelt, abseits von Galerien und Museen, wahrgenommen wird“ betont Hägele.

Es ist nicht das erste Joint Venture von jungen Künstlern und MEET/N/WORK. Bereits im letzten Jahr initiierte Hägele die Ausstellung „It’s good day to have a good day“ in dem schicken Büroenvironment. Mit dem diesjährigen Ausstellungsprojekt von Hägele und Inozemtceva widmen sich die Künstler Joschua Yesni Arnaut, Robert Schittko und Rudi Weissbeck von der Hochschule für Gestaltung (HfG) Offenbach und Valentina Knežević von der Städelschule Frankfurt ganz dem Medium der Fotografie und konfrontieren die sterilen Tagungsräume mit ungewöhnlichen Positionen.
Gleich beim Eintritt in die Office-Welt fordert Robert Schittko mit seiner Serie „Extended Play“ den Besucher heraus, indem er an der Empfangstheke eine Fotografie einer selbst angefertigten Keramik in Kombination mit floralen Elementen zeigt. Hier ist alles aus der Norm gerutscht. Die Blumen, die man sonst für gewöhnlich zur Begrüßung auf der Theke wähnt, sind in eine skurril arrangierten Fotografie eingebunden, die nicht wie gewöhnlich auf Augenhöhe, sondern auf Kniehöhe agiert.
Die fotografischen Stillleben von Joshua Yesni Arnaut hingegen hinterfragen in ihrer Komposition die menschliche Wahrnehmung. In der Serie „Preiset wieder große Männer (Eurostyle Evidence)“ benutzt Rudi Weissbeck einzeln abfotografierte Bilder aus kostenlos im Internet bestellten Unternehmensbroschüren und hinterfragt damit Wirkung und Absichten von Werbeträgern. Ausgesprochen erhaben wirken die Fotoarbeiten der Videokünstlerin und Fotografin Valentina Knežević. In ihrer neuen Serie „temporal coherence“ konzentriert sie sich auf das Motiv des Fensters und betrachtet es von verschiedenen Motiven. Dabei oszilliert die Bildkomposition zwischen realer Räumlichkeit und zweidimensionaler Abstraktion.

Das Besondere des Ausstellungskonzeptes des Kuratoren-Duos ist, dass die auf höchstem Niveau agierenden Kunstwerke nicht in einem Ausstellungsraum oder einer Galerie zu sehen sind, sondern Arbeitsräume intervenieren und zu einer Auseinandersetzung mit ihnen auffordern sowie Menschen, die ansonsten nicht mit Kunst konfrontiert werden, alltagsnah an zeitgenössischen Kunst heranführen.

Am Eröffnungsabend wird die Künstlerin und Komponistin Ketevan Dolnikova-Scheipner unter dem Künstlernamen „Ketty Van Doln“ die Fotografieausstellung mit ihrer Musik Performance „Babylon Babbel“ ergänzen. Darin inszeniert sie die Sehnsucht und Suche nach der eigenen Identität und stellt die gesellschaftlichen Trends von Zugehörigkeit in Frage.

„Lenken und Liken“ vom 5.-29. Juni 2018 im MEET/N/WORK, Poststraße 2-4, Mo-Fr 8-18 Uhr, Eröffnung am 5. Juni um 19.30 Uhr, Performance von Ketty van Doln mit Begleitung von Oliver Hahn um 20.30 Uhr, Am 19. Juni findet um 19 Uhr ein Künstlergespräch statt.
5. Juni 2018
Anett Göthe
 
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