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Kolumne von Ana Marija Milkovic
 

Kolumne von Ana Marija Milkovic

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Aldo Rossi, das MMK und Hans Hollein

Who the fuck war Aldo Rossi? Ein italienischer Architekt! Und was hat Aldo Rossi mit dem Museum für Moderne Kunst (MMK) zu tun? Vermeintlich nichts! Doch unsere Kolumnistin weiß da mehr.
Kennen Sie "Das Leben, ein Sechserpack"? Das ist ein Film aus dem Jahr 1993 mit dem jungen Will Smith und Donald Sutherland in den Hauptrollen. Will Smith spielte einen Hochstapler, der formvollendet das New Yorker Bildungsbürgertum vorführt. Will Smith alias David Hampton platzt in das Leben der New Yorker Upper Class hinein, ähnlich Zar Putin in unser Leben heute platzt, um uns mit unserem Halbwissen zu geißeln. "Das Leben, ein Sechserpack" spielt auf eine Theorie an, die besagt, dass alle Menschen auf der Welt über maximal sechs Bekannte miteinander verbunden sind. Da sich der Rest Europas nicht sehr um Putin schert, gehe ich davon aus, dass Putins Bekannte hauptsächlich in Deutschland leben. Ich wollte das bei Gelegenheit erwähnen.

Hans Hollein war der Architekt des MMK. Er stammte aus Wien. Mit großer Wahrscheinlichkeit war Hans Hollein mit dem Italiener Aldo Rossi verbunden. Aber eins nach dem anderen. Mit Rossi fing es an. Rossi wandte sich gegen eine Architektur, die sich den Funktionen unterwarf. Denken sie dabei an Niederrad? Dann verstehen sie vielleicht auch warum er das tat. In seiner Schrift "L'architettura della città" aus dem jahr 1966 zeigte Rossi am Diokletianpalast in Split auf, wie sich Funktionen über Jahrhunderte ändern und in eine bis zum heutigen Tag gültige Primärform anpassen lassen. Der Diokletianpalast, Altersruhesitz des römischen Kaisers Diokletian, wird heute von den Bürgern Splits bewohnt. Dazwischen liegen annähernd zwei Jahrtausende. Das kann nur interessant sein.

Sechs Bekannte verbanden Hans Hollein aus Wien mit dem legendären Gründungsdirektor Jean-Christophe Amman in Frankfurt: Ernst Gerhardt, Stadtkämmerer a.D., Hilmar Hoffmann, Kulturdezernent A. D., Hans Haverkampf, Peter Iden, damaliger Kulturredakteur der Frankfurter Rundschau, Fisch Franke und der Inhaber des Lampengeschäftes Ecke Domstraße und Berliner Straße. Iden bereitete die Stimmung in der Öffentlichkeit für ein neues Museum vor und schrieb das Raumkonzept. Ernst Gerhardt überzeugte den damaligen Oberbürgermeister Walter Wallmann das neue Museum zu befürworten und stellte die Mittel im Haushalt bereit. Kulturdezernent Hilmar Hoffmann erteilte 1983 dem Baudezernenten Hans Haverkampf den Auftrag einen offenen Wettbewerb für die Liegenschaft auszuloben, wo Fisch Franke und ein Lampenstudio fröhlich weiter Handel trieben.

Schicksal oder Fügung? Das Thema umtrieb nicht nur den Schriftsteller Max Frisch, auch die Frankfurter Stadtverwaltung durfte am Standort Domstraße Ecke Berliner Straße darüber resümiert haben. Der Wettbewerb lief bereits auf Hochtouren als Fisch Franke sich noch immer weigerte den ausgewiesenen Standort des künftigen Museums zu verlassen. Viel wurde geredet. Vergebens wurde geredet. Eines nachts, plötzlich und unverhofft, verpufften Öldämpfe der Frittenwanne und führten zu einer Explosion. Fisch Franke brannte ab. Ich finde das interessant.

Razionalismo mutet an wie es sich spricht. Was das nun wieder mit dem MMK zu tun hat, lässt sich klären: Hans Hollein wäre in seinem Entwurf in Frankfurt im Preisgericht unverstanden geblieben, gäbe es den 'razionalismo' nicht. Beide Architekturstile, 'razionalismo' und Postmoderne bemühen unsere Vergangenheit. Die einen formalisieren, die anderen zitieren. Natürlich sind Entwurfsphilosophien keine Garanten für Gelingen, wenn es den Protagonisten an Talent fehlt. Das versteht sich von selbst. Dafür bleibt die Postmoderne der Dammbruch unserer zivilisatorischen Kulturgeschichte. Seither ist der Mangel an Talent im Entwurf Status quo. Im Zweifel könnte es immer noch postmodern sein. Seither dominieren Bild, Bildzeichen, Markenzeichen den Markt. Mit allerlei Witzigem fing es an. Trumpfen konnten nach der Postmoderne nur noch gigantische Bildzeichen im viel bemühten Markt: Das Guggenheim Museum in Bilbao, das Nationalstadion in Peking und bald die Neue Springer Zentrale in Berlin. Es lebe die neoliberale Architektur!

Ob Hans Hollein neoliberaler Gesinnung war, kann ich nicht beurteilen. Kolportiert wird, dass er Künstler war. In den 80ern schickte sich eine städtische Delegation aus Frankfurt an, den Wettbewerbsgewinner in Wien zu besuchen. Nach einem Wettbewerbsgewinn liegt das auf der Hand. Die meisten der heutigen renommierten Architekten waren auf diese Momente mit Aushilfen, Kollegen, Handwerkern in Anzügen, geliehenen Utensilien gut vorbereitet, um viel Lärm um Nichts zu produzieren. Das beeindruckt die Welt nicht erst seit Shakespeare. Die Frankfurter Delegation, angeführt von Hans Haverkampf, fand an einem stillen mit wenigen Glühbirnen dunkel ausgeleuchteten Ort einen Künstler vor. Das Modell, das sie in Wien erwartete war riesig. Es war ein Arbeitsmodell im Maßstab 1:50 gebaut. Mit einer Taschenlampe bestieg Hollein das Modell, das mehr einer Skulptur anmutete und leuchtete für seine Gäste jene Stellen aus, die zurück geben sollten was Bürgern in funktionalisierten Städten fehlt: Identifikation!

Am 24. April 2014 verstarb Hans Hollein in Wien.
 
8. Mai 2014, 10.37 Uhr
Ana Marija Milkovic
 
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