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Interview mit Ata Macias (Teil 2)
 

Interview mit Ata Macias (Teil 2)

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"Wenn Du den Hangover überlebst, ist alles ok"

Foto: Nils Bremer
Foto: Nils Bremer
Im zweiten Teil unseres Gesprächs mit Ata Macias geht es um den Club Michel, das Plank, das Robert Johnson. Aber auch um die Frage, wie man den Drogensüchtigen im Bahnhofsviertel helfen kann.
Man liest oft, dass Club Michel, Robert Johnson und Plank unter Deiner Ägide laufen. Könntest Du das einmal für uns aufklären?
Das ist in der Tat so nicht ganz richtig. Die Regie beim Club Michel hatte ich inne, jetzt habe ich sie an die jüngere Generation weitergegeben, an David Meves. Nach fünf Jahren war es an der Zeit, sich ein bisschen zurückzuziehen. Mir macht es nach wie vor Spaß dort hinzugehen, zu schauen, was die jungen Leute dort machen.

Fiel es schwer loszulassen?
Oh ja, grade am Anfang. Aber man muss loslassen. War auch beim Robert Johnson so, dort führt seit drei oder vier Jahren Oliver Bauer die musikalische Struktur. Das Plank mach ich mit Sonja Schmid, meiner früheren Freundin, mit der ich auch den Kleinen hier zusammen hab. Sie macht das Büro, ich die Außenhülle, Sonja ist im Grunde genommen der Kern des Plank.

Der Mietvertrag beim Plank soll auslaufen. Wird er verlängert?
Alle fünf Jahre müssen wir mal drüber nachdenken. Aber die Hausbesitzer finden es super, was hier passiert und unterstützen uns, wo es geht. Es wird natürlich einen neuen Mietvertrag geben, es geht weiter.

Du bist ja zurückgekommen in dieses Haus.
Ja, ich habe vor 15 Jahren hier schon mal gewohnt und fand die Gegend wie gesagt immer toll. Wegen der Familie bin ich raus, Kinder kriegen ist ein bisschen schwierig im Bahnhofsviertel. Nach unserer Trennung kam ich zurück und fühl mich sehr wohl hier. Was ich aber auch sagen muss: Ich fühl mich auch ganz wohl, wenn ich mal bei meiner Freundin im Nordend bin - so schön ruhig dort.

Das Klischee …
Jaaaa… Ist so, wenn ich mal ne Nacht Ruhe brauch, muss ich dahin. Andererseits kann dir das Nordend auch ganz schön auf den Sack gehen. Zur Information: Mir wurde im Nordend schon zweimal der Sattel geklaut, meiner Freundin das Vorderrad. Am Museum für Angewandte Kunst stand mein Rad im Zuge der Ausstellungsvorbereitung für eine Woche - und war weg. Ey, ein Fahrrad mit Kindersitz - wer klaut so was vor einem Museum? Solche Sachen sind mir in der Münchener Straße noch nie passiert.

Hier, habe ich das Gefühl, achten die Leute auch aufeinander, allein wegen der ganzen Geschäfte. Die haben ja ein Interesse daran, dass ihre Kunden gerne hierherkommen. Zwei Straßen weiter in der Taunus dagegen ist es echt richtig abgefuckt.
Aber echt, die ist so abgerissen. Grundsätzlich ist es natürlich so, dass der Bahnhof eine magische Anziehung hat für alles, was in der Gesellschaft nicht gern gesehen wird. Die Prostitution hat sich hier angesiedelt und eben auch die Süchtigen. Ich kann die Leute verstehen, die so fertig sind, ich schau mir auch an, was die so treiben, aber ich finde es geht eine Spur zu weit.

Was wäre die Lösung?
Ach, ich weiß es nicht. Ist ja so: Je mehr du verbietest, umso mehr passiert. Ein generelles Verbot von Drogen bringt nichts, im Gegenteil: An den Niederlanden sieht man ja, wie es besser funktionieren könnte. Da gibt es weniger Konsum, weniger Kriminalität, weniger Tote. Drogenkonsum verbieten bringt auch nix, wenn du sie hier vertreibst, flutschen sie an einer anderen Stelle wieder raus. Man kennt das. Diesen Menschen fehlt schlicht eine Perspektive. Sie machen uns ja auch nichts. Nur das, was sie tun, ist echt hart, das ist eine echt harte Suppe. Du musst auf sie zugehen. Vielleicht muss man ihnen beibringen, dass Feldarbeit auch schön sein kann.

Das wird ne schwierige Vermittlungsarbeit.
Ja, keine Ahnung - da muss der Staat mal drüber nachdenken. Ich weiß nur, dass diese Menschen wirklich arm dran sind, dass sie genau dieses Leben nicht wollen, dass sie aber eigentlich am Besten in der Natur aufgehoben wären. Mit der Großstadt können die nichts anfangen, die Großstadt hat sie schließlich zerstört. Das sind Menschen, die extrem leiden. Ein Bauernhof wäre für die nicht verkehrt.
Das hört sich jetzt vielleicht ein bisschen platt an, so wie eines dieser komischen Doku-Formate im Fernsehen. Aber diese Menschen vertragen die Stadt nicht, die sind abgestürzt, haben sich mit den Drogen verirrt und Familie und Freunde und Wohnung verloren. Ich kenn das, weil ich selbst schon sehr viele Drogen genommen habe. Ruckzuck stehst du auf der Straße, stehst eigentlich kurz vor dem Tod. Man kann sehr tief mit diesen Menschen reden, du spürst dann eine wahnsinnige, eine unglaubliche Verzweiflung.

Aber du bist nie so abgestürzt.
Nein, gottseidank nicht. Aber es gehörte ein gewisser Wille dazu. Vielleicht war es der frühe Tod meiner Mutter, der mich stark gemacht. Ich war mal in einer Position, wo ich dachte: Stopp, bis hierhin und nicht weiter, als DJ, diese Fahrt, Drogen, Alkohol, Zigaretten, die Nächte durchmachen, die Quittung bekommst du nicht am Tag danach, am day after, sondern zwei Tage später. Da stellst Du dir die alles entscheidende Frage: Machst Du weiter? Oder versuchst Du, den Hangover zu überleben? Wenn Du den überlebst, ist alles ok.
Zum Glück hatte ich auch immer andere Dinge im Leben, die mir Freude bereiteten: Mein Schallplattenlabel, Freunde, mit denen wir Musik machten, Musik hörten, liebten, lebten. Weißt Du, es bringt nichts, Drogensüchtige einzusperren oder die Druckräume nach Ginnheim zu setzen, die würden immer wieder kommen. Das, was sie brauchen, ist Liebe und Natur. Alles andere, hat keinen Sinn.

>> "Give Love Back - Ata Macias und Partner" läuft derzeit im Museum Angewandte Kunst. Lesen Sie hier einen Vorabbericht über die Ausstellung. Zum ersten Teil des Interviews geht es hier entlang.
 
17. September 2014, 10.03 Uhr
Nils Bremer
 
Nils Bremer
Jahrgang 1978, Politologe, insgesamt 14 Jahre beim Journal Frankfurt, von 2010 bis Juni 2018 als Chefredakteur. – Mehr von Nils Bremer >>
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