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Horror vor der Dippemess
 

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Horror vor der Dippemess

Horror
Schon beim Aufstehen heute morgen habe ich ein etwas mulmiges Gefühl: Für 11 Uhr steht der Presserundgang über die „Dippemess“ im Kalender. Grundsätzlich sind solche Vorab-Termine für Vertreter der schreibenden Zunft ja sehr privilegierte Veranstaltungen. Schließlich darf man als einer der ersten Menschen überhaupt fabrikhallen-große Flugzeuge besichtigen oder Oscar verdächtige Filme im Kino sehen. Beim Gedanken an eine Probefahrt in einer noch im Aufbau befindlichen Achterbahn allerdings, drängt sich mir doch eher der Vergleich mit einem Crash-Test-Dummy auf. Selbst wenn alles gut gehen sollte, könnte es nach der fünften Runde in einem der adrenalintreibenden Fahrgeschäfte zu Auswirkungen auf Kreislauf und Magen kommen. Beeinflusst von solchen und ähnlichen düsteren Vorahnungen nehme ich sicherheitshalber nur eine Banane zu mir. Denn mit komplett nüchternem Magen, möchte ich der Herausforderung auch nicht gegenüber treten.

Aufbau der Achterbahn
Da ich eine gute halbe Stunde zu früh auf dem Festgelände an der Eissporthalle eintreffe, nutze ich die Zeit für einen Spaziergang durch die Gassen der Schausteller. So kann ich wenigstens in Ruhe schon ein paar Bilder machen. Auf dem Platz herrscht geschäftiges Treiben. Transporter und LKW werden entladen, Leitern und Werkzeuge stehen herum, Glühbirnen werden gewienert und Lospreise ausgepackt. Als ich auf der Achterbahn zwei Monteure in schwindelnder Höhe entdecke, kommt mir die leise Ahnung, dass ich wohl doch nicht in den vorzeitigen Genuss einer Probefahrt kommen werde.
Dieser Verdacht wird durch Herrn Stroscher bestätigt. Zwar verteilt der Veranstaltungsleiter der Tourismus und Congress GmbH VIP-Coupon-Bögen „zur persönlichen Erprobung“ der verschiedensten Fahrgeschäfte, allerdings dürfen auch wir Presseleute erst am Freitag mitfahren, so wie alle anderen auch. Zu meiner Verwunderung bin ich etwas enttäuscht – wo ich mich doch schon so sehr auf die nervenaufreibende Tortour eingestellt hatte ...

Rundgang der Presseleute

Dafür hat Herr Stroscher jede Menge interessante Informationen für uns, die er während des Rundgangs gerne an uns weitergibt. Wissenswertes zur Historie des Marktes wechselt mit Infos über die Marktlage im Schaustellergewerbe, technischen Daten zu den Karussells und Anekdoten aus früheren Tagen. So erfahre ich mit Erstaunen, dass der Dippemess-Besucher im Schnitt nur fünf Euro ausgibt, der Stromverbrauch mit dem einer mittelgroßen Stadt vergleichbar ist und ein Riesenrad, von der Größe des hiesigen, um die fünf Millionen Euro kostet.

Zwischendurch meldet sich mein Magen, der plötzlich wieder mutig ist und in Anbetracht des dürftigen Frühstücks und der ausgefallenen Belastungsprobe nach Beschäftigung verlangt. Der Hunger verstärkt sich noch, als wir eine rustikale Holzhütte passieren, die laut Stroscher zu den Neuheiten zähle und Elsässer-Spezialitäten wie Flammkuchen im Angebot haben werde.

Groß-Reinemachen vor der Eröffnung

An den Losbuden gibt es einen neuen Trend. Neben Kissen mit Aufdrucken von Tokio-Hotel hängen große, weiße, flauschige Knäuel mit bunten Halsbändern. „Durch den Medienrummel um Knut, sind in ganz Deutschland keine Plüsch-Eisbären mehr zu bekommen“, erklärt uns der Buden-Betreiber. „Wir selbst haben 700 Stück, das dürfte über Ostern reichen. Allerdings hat sich der Berliner Zoo die Rechte gesichert. Wir müssen unsere Bären also ,Nut` oder so ähnlich nennen.“

Herr Stroscher mit ‘nut
Herr Stroscher knuddelt Nut

Und dann gibt es zum Abschluss des Rundgangs nach einer guten Stunde noch ein echtes Highlight: Claudia Zils vom Beratungsunternehmen ÖGS zeichnet Familie Roie, die Betreiber der „Kaffescheune“, als hessenweit erste Schausteller mit einem Bio-Zertifikat aus. Leckereien wie Waffeln, Apfelküchle und Schoko-Bananen-Muffins können dort also in Zukunft mit gutem Gewissen verspeist werden. Zum Glück ist an dieser letzten Station auch ein kleiner Imbiss geplant. Zwar ist das mit Käse, Tomaten und Frühlingszwiebeln überbackene Brot wegen Lieferengpässen der Bäckereien noch nicht in Bio-Qualität – lecker ist es aber trotzdem! Und auch der Capuccino schmeckt mir ausgezeichnet, obwohl ich eher selten Kaffee trinke. „Ist ja auch mit echter Biomilch zubereitet“, betont Frau Roie mehrfach. Allerdings wird mir, weil ungewohnt, auch direkt etwas schwindlig von dem Öko-Trunk.

Frau Roie mit Claudia Zils
Ausgezeichnet: Frau Roie (daneben Claudia Zils)
So kommt es am Ende meines Dippemess-Besuches doch noch zu Auswirkungen auf Kreislauf und Magen, allerdings sehr entspannt und ganz ohne Adrenalin.

Siehe auch: Erlebnis Dippemess
Buntischer Kreisel
 
28. März 2007, 20.15 Uhr
Jan-Otto Weber
 
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