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Hand to God im English Theatre
 

Hand to God im English Theatre

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Ein teuflisch gutes Stück

Foto: Martin Kaufhold
Foto: Martin Kaufhold
Die Handpuppen sollen den Jugendlichen einer texanischen Kleinstadt eigentlich den Weg zu Gott weisen, doch eine der Figuren entwickelt ein dämonisches Eigenleben. Das ist ebenso lustig wie gruselig.
Nach dem äußerst erfolgreichen Musical Jekyll & Hyde erforscht das English Theatre in einem weiteren Bühnenhighlight die Abgründe der menschlichen Seele und bietet den Zuschauern eine sehenswerte Mixtur aus Humor, Sex und Horror. Das mag zunächst verwundern, spielt das Stück „Hand to God“ von Robert Askins doch in der sehr religiös geprägten texanischen Kleinstadt Cypress. Das klingt friedlich, aber auch hier sind nicht alle so fromm und gotterfüllt, wie es scheint. Der Teufel steckt eben nicht nur im Detail, sondern zunächst auch in einer Handpuppe, die sich plötzlich auf dämonische Art verselbständigt. „Hand to God“ lief 2015 am Broadway und 2016 im Londoner Westend, die Deutschlandpremiere findet im English Theatre statt und die Komödie mit Genremix erweist sich wie auch die Cast und das Bühnenbild als Glücksgriff. Entsprechend begeistert zeigte sich das Premierenpublikum am Freitagabend.





Warum dieses Stück so sehenswert ist, hat mehrere Gründe. Da wäre zunächst einmal Nicolas Hart, ein ausgebildeter Schauspieler und Puppenspieler, der den eingeschüchterten, weinerlich wirkenden Jungen Jason spielt, der versucht, es seiner anscheinend tiefgläubigen Mutter Margery (Sarah Waddell) recht zu machen, die unter dem plötzlichen Tod ihres Mannes leidet und als Leiterin der Puppengruppe der örtlichen Glaubensgemeinde eine Aufgabe und Ablenkung findet. Ihr Job ist es auch aufmüpfigen Jugendlichen wie Timothy (Tom Machell) Gott näher zu bringen, in dem sie Handpuppen fertigen. Jason scheint auf einem guten Weg zu sein, seine Puppe Tyrone gibt ihm Selbstvertrauen und mit ihr kann er kurzzeitig sogar Jessica (Samantha Dakin) beeindrucken. Doch die Puppe Tyrone mutiert zu einer übellaunigen Nervensäge mit eigenem Kopf, plappert Dinge aus, die Jason niemals sagen würde und heckt abscheuliche, teuflische Streiche aus bis das Blut fließt. Die große Kunst des Nicolas Hart ist es, in der Rolle des zaghaften, verunsicherten Jason zu bleiben und zu überzeugen und gleichzeitig mit beiden Händen den Puppentorso und an Stäben Tyrones Gliedmaßen zu bewegen und aberwitzig bösartige Texte abzusondern ohne den unschuldigen Blick zu verlieren. Wenn Tyrone mit seinen Puppenhänden Jasons Hals würgt, dann sind das Momente, die dramatisch und komisch zugleich sind. Letztlich aber scheint nicht nur die Puppe von einem Dämon besessen, auch die ach so vorbildliche Margery hat, wie sich zeigen wird, den Teufel im Leib und lässt den an ihr interessierten Pastor Greg (Matt Addis) fast vom Glauben abfallen.





Neben einer mit Spielfreude und Talent gesegneten Cast fasziniert auch die Drehbühne, die rasche Szenenwechsel und die Verwandlung des Gemeindesaals in ein vom Teufel Tyrone verursachtes Schlachtfeld erst möglich macht. Witzige Dialoge, absurde Splatterszenen und sogar Sex fügen sich in diesem hochunterhaltsamen Stück, das Moral und Scheinheiligkeit hinterfragt, zu einem kurzweiligen und erinnerungswürdigen Ganzen zusammen. Zu sehen ist das bis zum 29. April. Nicht verpassen!

English Theatre, Gallusanlage 7, www.english-theatre.de
 
19. März 2018
Nicole Brevoord
 
Nicole Brevoord
Jahrgang 1974, Publizistin, seit 2005 beim JOURNAL FRANKFURT als Redakteurin u.a. für Politik, Stadtentwicklung, Flughafen, Kultur, Leute und Shopping zuständig – Mehr von Nicole Brevoord >>
 
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