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Hallo Schatz!

Es mag seltsam klingen, doch manche Bank verwahrt ihre größten Schätze nicht im Tresor. Sie zeigt sie vielmehr ihren Mitarbeitern und im Foyer sogar jedem der den Sprung durch die Drehtür wagt. Donnerstagabend im Maintower: 30 Journalleser sind gekommen, werden geteilt in zwei Gruppen, eine beginnt oben, eine im Foyer gleich am Eingang, aus dem gegen 18 Uhr die Banker strömen als hätte die Werkssirene gedröhnt. Einen Blick zurück werfen sie nicht, dabei würden sie dann die 1,9 Millionen Steine aus Murano-Glas sehen und auch die Tagebuchschreiberin Anne Frank, die sich auf die "Frankfurter Treppe" des Künstlers Stephan Huber verkrümelt hat:
Anne Frank im Maintower

Die Hüterin des Schatzes, Valery Trosdorf, erzählt uns, dass schon bei der Konzeption des Bankgebäudes die Kunst fest miteingeplant war. Ein Großteil des Gebäudes ist schon ausstaffiert. Gleich im Eingangsbereich findet sich so nicht nur das acht Meter breite und zwölf Meter hohe Wandmosaik, sondern auch eine Videoarbeit "The World of Appearances" von Bill Viola:
Bill Violas Videoinstallation

Nicht öffentlich zugänglich, für die Bankmitarbeiter aber jeden Tag zu begutachten: das fantastische New York Sky von Gerhard Richter, einst für 10.000 Mark von der Helaba erworben, Schätzwert mittlerweile: 1,5 Millionen Euro. "So nah werden Sie einem Richter nicht mehr kommen", sagt Valery Trosdorf. In jedem Museum zögen die Sicherheitsmaßnahmen einen Bannkreis um jedes Gemälde des Dresdner Künstlers. Doch wie immer hat Kunst eine Geschichte, in diesem Fall sogar eine recht skurrile. Beim Bau des Maintowers gingen die Kuratoren nämlich die Bestandsliste der Bank durch und stießen dort auf das Werk Richters, das einst für das Foyer der Helaba in New York gekauft worden war. Dort hing es jedoch nicht mehr. "Irgendein Vorstand, dem es nicht gefiel, ließ es wohl abhängen", erzählt Trosdorf. So verschwand das Bild im Keller und weil es zu groß war, faltete man es - was man heute noch bei genauem Hinsehen erkennen kann. Zur Eröffnung des Maintowers vor neun Jahren wurde es wieder entstaubt und hat nun einen Ehrenplatz in der ersten Etage:
Gerhard Richters New York Sky
Der Maintower hat wie viele Hochhäuser einen Nachteil für die, die ihn mit Kunst ausstatten wollen: die Wände sind rund. Deswegen hat man in einigen Stockwerken die Not zur Tugend erklärt. Paul Morrison hat den schwarz-weißen Zauberwald wie eine Tapete auf die Wände geworfen, was besonders lustig aussieht, wenn davor auch Männer in schwarzen Anzügen stehen und ernste Schnuten ziehen. Heute ist niemand da, aber Frau Trosdorf macht sich auch ganz gut:
Paul Morrisons Ridge

Und in der Personalabteilung schließlich ein Ausblick wie ihn wohl viele von uns gerne hätten, selbst wenn man nach zwei Tagen wahrscheinlich nicht mehr drauf achtet:


Von der Vorstandsetage macht sich das einige Zeit später natürlich noch besser. So eine Stadt ist eben auch ein Schatz, nur einer, der noch ein wenig unbezahlbarer als ein Bild Gerhard Richters ist:


"Little Apple", also kleines New York, nennen manche Frankfurter liebevoll ihre Stadt. Der Grund liegt auf der Hand: die beeindruckende Skyline, von Hochhäusern geprägt wie keine andere deutsche Stadt. Eben diese Hochhäuser sind in der Regel nur einem exklusiven Kreis zugänglich. Dementsprechend groß ist das Interesse, einmal hinter die verschlossenen Tore der Banker und Broker zu schauen. Das Journal Frankfurt konnte jetzt – nachdem sich einige Tausende auf unsere Aktion gemeldet hatten - 350 Leserinnen und Lesern diesen Wunsch erfüllen: An drei Tagen, vom 1.4. bis 3.4., schlossen wir in insgesamt 13 Führungen die Tore der Wolkenkratzer auf und gewährten interessante Einblicke in den Commerzbank-Tower, den Eurotower, den Main-Tower, den Messeturm und das Palais Quartier.

In der Reihe Hochhausführung folgt als nächstes ein Artikel über den Messeturm.
 
7. April 2008, 10.20 Uhr
Nils Bremer
 
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