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Romantikmuseum braucht noch zwei Millionen Euro

Die Spendensammlung des Deutschen Hochstifts kann sich sehen lassen. Dennoch müssen in den kommenden vier Monaten zwei Millionen Euro zusammenkommen, damit das Romantikmuseum nicht scheitert.
Karsten Greve (Foto) soll nochmal an das Gewissen reicher Menschen appellieren. Der Galerist ist selbst einer. Jemand der im Flugzeug einen Zeitungsartikel liest, in dem steht, dass Frankfurter Politiker das Romantikmuseum kippen, den Anteil der Stadt von vier Millionen Euro einsparen wollen, womit auch die ebenso großen Anteile von Bund und Land in Gefahr sind, und der spontan entscheidet, der Unfähigkeit der Politiker die stolze Summe von einer Million Euro entgegenzusetzen.

Im Ruhrgebiet, wo er lebt, war die beste Reaktion darauf noch Ignoranz, wie er erzählt. Ansonsten: Unglauben darüber, wofür und dann noch wo der gute Mann sein Geld ließ. In Frankfurt. Stadt des Geldes. Dort sitzt er nun, an einem Montagnachmittag, zu seiner Rechten Anne Bohnenkamp-Renken, die Direktorin des Deutschen Hochstifts und mithin des Frankfurter Goethe-Hauses. Zu seiner Linken Fritz von Metzler, Bankier der guten Schule und engagierter Bürger, auch in Bezug auf das Romantikmuseum. Das Engagement von Herrn Greve, so sagt dieser, habe es auch leichter gemacht andere von Spenden für diese Sache zu überzeugen.

Die völlig unromantischen Finanzen sehen so aus: Die Gesamtkosten sollen 16 Millionen Euro nicht überschreiten. Jeweils vier Millionen Euro kommen von Bund und Land. Die Stadt Frankfurt gibt immerhin noch das Grundstück her. Die Deutsche Bank spendiert 1,5 Millionen Euro. Die Ernst Max von Grunelius-Stiftung ebensoviel. Dazu kommen Privatspenden und Zuwendungen von privaten Sitftungen von etwa drei Millionen Euro.

Nach einer Zusage des Bundes soll noch dieses Jahr ein Architektenwettbewerb für den Neubau beginnen, gleichwohl muss bis Jahresfrist noch das fehlende Geld her. Zwei Millionen Euro in vier Monaten. Was sich anhört wie der Plot für einen Hollywood-Film, ist ernstgemeint. Eine Spendenkampagne soll es richten, die ersten Plakate hängen bereits, darauf der Novalis-Spruch: "Die Welt muss romantisiert werden." Warum also nicht in Frankfurt damit beginnen?

Die Direktorin schildert, dass das Museum nicht bloß die wichtigen Handschriften und Manuskripte der Zeit zeigen soll, sondern auch den Bildungsauftrag des Hochstifts erweitern, die multimediale Aufbereitung der Exponate besorgen und nicht zuletzt an Goethes Geburtshaus endlich auch der Zeilen des Dichters erinnert werden kann. Das, was das Hochstift vorhat, ist nämlich im eigentlichen Sinne eine Erweiterung des Goethe-Hauses. Damit allein aber wäre das Alleinstellungsmerkmal und die Außenwirkung, die im Namen Romantikmuseum stecke, nur ungenügend gewürdigt, wie Frau Bohnenkamp-Renke erklärt, selbst wenn der eine oder andere Frankfurter Kulturpolitiker hinter vorgehaltener Hand davon spricht, dass eine Erweiterung eines bestehenden Museums besser zu erklären sei als noch ein neues Museum. Nein, merkt Herr von Metzler an, das Romantikmuseum könne einzigartig in Deutschland und damit auch Europa werden und Antipoden wie Weimars Klassik ergänzen.

Nun fehlt also nicht mehr viel auf dem Weg dorthin, was ja auch zeigt: Es braucht vielleicht gar nicht soviel Staat in der Kulturförderung. So will Karsten Greve seine Geste aber nicht verstanden wissen. Gewiss, in anderen Ländern sei die private Kulturförderung ausgeprägter, auch seit Jahrzehnten geübte Praxis, doch funktioniere sie nur allenthalben gut. Davor, den Staat aus seiner kulturellen Verantwortung zu entlassen, warnt der Galerist ausdrücklich. "Die Kultur hat keine Lobby, bei ihr glaubt man immer, zuerst sparen zu können." Zumindest eines haben die regierenden Lokalpolitiker der Stadt mit ihrer Streichliste erreicht: Dass auch überregional über das Romantikmuseum berichtet wurde, dass also auch ein Galerist im Flugzeug davon Wind bekommt und dass die Spendenkampagne bis dato große Erfolge zeitigen konnte. Wie heißt es so schön bei Goethe: "Gewinnen kann, wer viel verloren, schnell."
9. September 2013
Nils Bremer
 
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