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Georgische Poesie und Musik
 

Georgische Poesie und Musik

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Über Grenzen

Foto: GeoTRAIN
Foto: GeoTRAIN
Am Mittwoch öffnet die Frankfurter Buchmesse ihre Pforten. Bis 14. Oktober heißt es auf dem Messegelände „Ideen, die die Welt bewegen“. Gastland ist in diesem Jahr Georgien. Die Künstler vom Kaukasus können sich in der ganzen Stadt präsentieren.
„Ich freue mich, dass ich im Rahmen der Buchmesse Frankfurt im Auftrag des Georgian National Book Centers aktuelle und besondere georgische Lyrik und Musik vorstellen darf.“, lädt Dirk Hülstrunk, Writer, Soundpoet, Curator, Teacher, am Mittwoch, 10.10., 19:30 Uhr zur „Georgischen Poesie des Aufbruchs“ in die Stadtbücherei ein. „Georgien gehört zu den Ländern, in denen Lyrik und Musik immer noch Teil der Alltagskultur sind. Heute besitzt Georgien eine ungewöhnlich reichhaltige und vielseitige Lyrikszene. Neben einer fast vergessenen Avantgarde der 1920er Jahre und dem Versuch noch während der Sowjetzeit an die westliche Moderne anzuknüpfen, gibt es heute viele junge experimentierfreudige Autoren. Sie nehmen kein Blatt mehr vor den Mund, provozieren Kirche und Staat mit verstörenden Performances, mischen sich politisch ein“, erläutert Hülstrunk. Die Lyrik zwischen Alltag, Protest, Surrealismus und Performance wird von Diana Anfimiadi, Eka Kavanishvili, Shota Iatashvili, Zviad Ratiani und Zurab Rtveliashvili präsentiert. „Die meisten AutorInnen haben eine besondere Verbindung zur Musik, entweder durch eine musikalisch, rhythmische Sprache oder durch die Zusammenarbeit mit Musikern oder dadurch, dass sie selbst auch Musiker sind. Georgische Musik ist häufig nichts Anderes als gesungene Lyrik. Junge Dichter arbeiten aber auch gerne mit elektronischer Musik zusammen“, verrät der Moderator des Abends weiter.



„Für die Musik sorgt die renommierte Folk-Jazz Band GeoTRAIN mit ihren „Tafel Liedern". Die Musiker waren an der Präsentation des georgischen Beitrags zum Eurovision Song Contest 2014 beteiligt und sind auch Spezialisten des traditionellen polyphonen Gesangsstils, der als UNESCO-Weltkulturerbe anerkannt ist.“ GeoTRAIN-Bassist und Sänger Zurab J. Gagnidze lebt in Stuttgart, kam 1994 nach Deutschland. Schon mit seiner Band The Shin ging er als einer von drei Gewinnern aus dem 2. Bundeswettbewerb „Creole – Weltmusik aus Deutschland 2008/2009“ hervor. Die Juroren waren begeistert von „einer hochvirtuosen Begegnung von georgischer Mehrstimmigkeit und Polyrhythmik in einem dynamischen, voller Spielfreude vorgetragenen Dialog zwischen Jazzrock, Flamenco und Funk.“ Mit GeoTRAIN führen sie diesen Crossover fort, immer auf Basis der eigenen kulturellen Wurzeln. „Denn wenn man die eigene Geschichte verliert, wird man einfach innerlich leer“, betont er. Doch neben den Liedern, die die Oma ihm einst als Kind sang, waren es die Beatles, die er als Neuntklässler entdeckte, und später dann den Jazz. All das ist für die eigene Musik mit GeoTRAIN ebenso wichtig ist wie vieles andere zwischen Klassik und sogar indischer Musik auch.



Auf dem Bremer Label JARO, auf dem The Shin einst veröffentlichte, erschien schon 1990 ein Album der „Stimme Georgiens“, Hamlet Gonashvili. Der war fünf Jahre zuvor bei einem tragischen Unfall zu Tode gekommen. „Gonsashvilis Stimme ist so außergewöhnlich, für einen Mann so sanft, so etwas hatte ich vorher noch nie gehört“, hört JARO-Chef Uli Balß noch heute gerne seine Musik. Gonashvili war lange eine der Leadstimmen des Rustavi Chores, der bis heute existiert und von dem eine Anthologie schon als zweite Veröffentlichung auf der damals neu gegründeten World Network-Reihe 1991 hier in Frankfurt erschien. „Wir waren ganz einfach von der Polyphonie und diesen unglaublichen Männerstimmen fasziniert und wollten etwas bei uns völlig Unbekanntes vorstellen“, erinnert sich Jean Trouillet, der damals mit Christian Scholze die Weltmusik-Boom vom Nordend aus befeuerte. GeoTRAIN-Mann Gagnidze bietet übrigens Workshops in dieser Kunstform an, die sich großer Beliebtheit erfreuen und hält so die Tradition mit am Leben. Übrigens: Gonashvili war Gagnidzes Lehrer. „Er war echt einzigartig. Wir haben sehr oft bei der georgischen Tafel zusammen gesungen.“ Detlef Kinsler



>> Über Grenzen Poetry & Musik: Georgische Poesie des Aufbruchs, Ffm., Stadtbücherei Frankfurt, 10.10., 19:30, Eintritt frei
 
8. Oktober 2018, 10.14 Uhr
Detlef Kinsler
 
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