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Fliegende Volksbühne: Interview Michael Quast
 

Fliegende Volksbühne: Interview Michael Quast

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Lokalpatriotismus trifft Satire

Foto: Dirk Ostermeier
Foto: Dirk Ostermeier
Am Freitag eröffnet die Fliegende Volksbühne ihre erste feste Spieltstätte im Großen Hirschgraben. Theaterleiter Michael Quast hat mit dem JOURNAL FRANKFURT über die Herausforderungen der vergangenen Monate gesprochen.
JOURNAL FRANKFURT: Die Fliegende Volksbühne hat nach mehr als zehn Jahren endlich eine feste Spielstätte. Warum brauchte es die?

Michael Quast: Als wir die Fliegende Volksbühne 2008 gegründet haben, war es immer unser Ziel, dass sie irgendwann mal landet, dass sie ein Nest findet. Dabei geht es in erste Linie um einen Produktionsort. Das Konzept der „fliegenden“ Bühne war sehr erfolgreich und es war nie ein Problem, einen Spielort zu finden, wohl aber einen Ort, wo man produzieren kann und in Ruhe proben kann. Dass wir so einen Ort nun haben, ist ein Quantensprung für unser kleines Theater und eine tolle Sache!

Das Gebäude, in dem sich der Cantate-Saal befindet, entstand in den 1950er-Jahren. Da musste wahrscheinlich einiges renoviert werden. Was wurde in den letzten Monaten alles gemacht?

Die komplette elektrische Anlage des Gebäudes ist neu gemacht worden, das war im Lauf der Jahrzehnte ein einziges Kuddelmuddel, weil da jeder improvisiert und nach seinen Bedürfnissen ergänzt hat – alleine das war schon ein riesen Projekt. Zudem ist die Lüftung für den Saal neu, für das Licht ist eine zusätzliche Beleuchterstange angebracht worden. Wir haben auch vieles von der ursprünglichen Einrichtung behalten. Das Untere Foyer zum Beispiel ist in den ursprünglichen Zustand versetzt worden, das heißt es ist um fast ein Drittel vergrößert worden. Auch die Bestuhlung ist noch original erhalten, mit all den Kratzern und Macken, nur die Bezüge wurden erneuert. Eine große Menge der Renovierungsarbeiten haben wir selbst bezahlt, beispielsweise die Künstler- und Publikumsgarderoben und die neue Tonanlage. Wir haben dafür wirklich viel Geld aufgetrieben und Unterstützung von unseren Partnern und Förderern bekommen; ohne die ginge es auch einfach nicht. Wir sind immer auf der Suche nach Unterstützung. Das ist ein Thema, das durch die neue Spielstätte an Brisanz gewinnt.

Die ursprüngliche Eröffnung, die für Herbst 2019 geplant war, musste verschoben werden und in der Presse wurde von Unstimmigkeiten zwischen Ihnen und der ABG Holding berichtet. Wie haben Sie die vergangenen Monate erlebt?

Ich kann dazu nur sagen, dass es letztendlich ein Happy End gibt. Das Projekt ist für beide Seiten nicht alltäglich und bei unterschiedlichen Vorstellungen beider Parteien gibt es selbstverständlich Reibung, aber das ist für mich Schnee von gestern. Die Probleme, die bei dem Bauvorhaben entstanden sind, sind ja im Vergleich noch gering. Das Gebäude wurde in den 50er-Jahren erbaut, da gab es sicherlich auch jede Menge Überraschungen für die ABG, letztendlich haben sie das sehr gut gemeistert. Wir sind einfach nur total dankbar, dass wir nun eröffnen können.

Was erwartet die Zuschauerinnen und Zuschauer bei der Eröffnung am 24. Januar?

Wir eröffnen die Spielzeit mit „Der Struwwelpeter“ in Kooperation mit dem Ensemble Modern. Auch wenn es nicht als Eröffnungsstück geplant war, ist es wunderbar geeignet, weil es ein programmatischer Paukenschlag ist: „Der Struwwelpeter“ ist ein Frankfurter Stoff von einem Frankfurter Autor, den wir zusammen mit renommierten Frankfurter Künstlern in einer neuen Form auf die Bühne bringen. Ich bin zudem sehr froh darüber, dass wir die Pläne mit dem Ensemble Modern halten konnten, solch eine Koproduktion mit einem Ensemble, das international unterwegs ist, war total schwer. Das braucht einen riesen Vorlauf – wenn das geplatzt wäre, hätten wir das um Jahre verschieben müssen.

Werden die für Herbst 2019 geplanten Stücke nachgeholt?

Ja, die drei großen Premieren, die für Herbst geplant waren, sind um ein Jahr verschoben worden und werden im Herbst/Winter 2020 aufgeführt. Da zeigen wir dann „Reineke Fuchs“, das große Weihnachtsmärchen „Peterchens Mondfahrt“ und die Uraufführung eines Mundartstückes von Rainer Dachselt.

Was ist für den Rest der Spielzeit geplant?

Wir versuchen schon zu retten, was wir uns ursprünglich vorgenommen haben. Im Februar bringen wir eine neue Mundartproduktion auf die Beine, die wir improvisiert haben, weil die ursprünglichen Pläne nicht verwirklicht werden konnten. „Jetzt, Herz, geh uff“ ist eine Lokalposse von Rainer Dachselt mit vielen Beispielen aus der Frankfurter Mundartliteratur, die sich mit der Frage danach beschäftigt, ob der Frankfurter Dialekt überhaupt noch zeitgemäß ist. Nebenbei haben wir ein großes Repertoire an Musiktheater-Stücken und Aufführungen, die sich auf unterhaltsame Weise den deutschen Klassikern widmen. Daneben beschäftigen wir uns mit Themen, die in Frankfurt in der Luft liegen. Beispielsweise wird es das Eintracht-Special „90+6 / Eintracht und Bühne“ geben, in dem sich auf der Bühne Künstler, Eintrachtler und Fans treffen und über Fußball diskutieren, inklusive Pausenbier. Da haben wir besondere Gäste wie zum Beispiel István Sztani, der 1959 mit der Eintracht Deutscher Meister geworden ist.

Wird die Fliegende Volksbühne weiterhin fliegen?

Ja, sie wird weiterhin fliegen, allerdings im bescheidenen Maße. Wir werden weiterhin in der Region gastieren und auch Barock am Main wird weiterhin stattfinden. Allein aus wirtschaftlichen Gründen braucht es diese Gastspiele. Die Hälfte unseres Etats, die wir eigentlich zum Theaterspielen haben wollen, müssen wir jetzt für die Miete bezahlen. Daher sind wir dringend auf zusätzliche Mittel angewiesen, um dieses Theater zu betreiben. Aber wir haben ein Nest, einen Landeplatz, von wo aus wir unsere Ausflüge machen und das ist im Großen Hirschgraben 19.
 
22. Januar 2020, 11.38 Uhr
Elena Zompi
 
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Leser-Kommentare

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Olaf Myller am 22.1.2020, 23:44 Uhr:
Schön, dass das Ganze jetzt ein endlich in die Puschen kommt. Willkommen in der neuen Heimat. Schade, dass kein Wort über die vielen Helfer und Mitarbeiter verloren wird, die das ganze Chaos am Ende mit Herzblut und viel Engagement über die Grenzen des Unmöglichen erst möglich gemacht haben. Aber so ist das leider immer; Man(n) sonnt sich im Ruhm der Anderen. nichts für Ungut ;-)
 
 
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