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Foto: Vita Spieß für Avanti-Film
Foto: Vita Spieß für Avanti-Film

Filmpremiere

Main Frankfurt! Oder?

Nur mit Rucksack und Kamera im Gepäck machte sich Filmemacher Christoph Schuch auf zu seinem ganz eigenen deutsch-deutschen Abenteuer: „Querfeldein – Von Frankfurt nach Frankfurt“. Am Mittwoch wird der Film in Frankfurt gezeigt.
„Es will mer net in de Kopp enei, wie kann nur e’ Mensch net von Frankfort sei!“ Wie selbstverständlich geht es Mainmetropoliten in der Fremde über die Lippen, wenn sie auf Nachfrage antworten: „Ich komme aus Frankfurt.“ Im erweiterten Rhein-Main-Bezug mag dies ja seine Berechtigung haben. Doch überquert man die ehemalige deutsch-deutsche Grenze, verschiebt sich die Perspektive: Viel zu selten wird bedacht, dass 550 Kilometer östlich, nur durch die Oder von Polen getrennt, noch eine andere nicht unbedeutende Siedlung existiert, welche den schönen Namen Frankfurt trägt. Genau dorthin führte es ihn, den Filmemacher Christoph Schuch, aufgewachsen in den Randbezirken Mainhattans, gelernter Landwirt, inzwischen im Taunus heimisch und nebenberuflich Mitarbeiter einer Wildpflanzen-Gärtnerei für Menschen mit Handicap.

Die Beziehung Gesellschaft und Natur, sie trieb den heute 57-Jährigen stets um, er drehte neben seinen Dokumentarfilmen viele Öko-Beiträge fürs Niveaufernsehen. Sein bekanntestes Kinostück ist aber „Der Traum ist aus – Die Erben der Scherben“ von 2001, ein Porträt der legendären Agitprop-Rocker Ton Steine Scherben. Jedenfalls hat der Mann seinen Weg gemacht. Doch Anfang 2020, da zog es ihn erneut in die Welt hinaus: „Ich hatte Lust, wieder mal ein Reiseprojekt als Filmthema zu nehmen.“ Mit der Bahn von Berlin nach Bangkok war ein Gedanke unter vielen. Doch dann: Corona! Nah- und Fernreisen: absolutes No-Go! „So überlegte ich, was mit Laufen zu machen“, erzählt Schuch. Bei der Themensuche spielten ihm zwei Sachverhalte in die Karten: die Pandemie nebst strenger Mobilitätseinschränkungen und das Jubiläum 30 Jahre Deutsche Einheit. Die Idee zu „Querfeldein – Von Frankfurt nach Frankfurt“ war geboren: „Da wusste ich: Wir brauchen nicht viel, wir laufen einfach los. Laufen durfte man ja.“

Mit auf die Strecke durch fünf Bundesländer und „blühende Landschaften“ inmitten eines sich langsam lockernden Lockdowns machte sich Schuchs langjährige Kamerafrau Vita Spieß. Allerdings nicht zu Fuß, sondern auf einem Esel: einem Drahtesel mit E-Antrieb, aus Transportgründen. Bis auf ein paar vorgebuchte Pensionen („Im Wald wollten wir nicht pennen“) und einige anvisierte Ansprechpartnerinnen und -partner, die vor allem dem kulturellen und wissenschaftlichen Sektor entstammen (Maler, Schriftsteller, eine Hobby-Astrologin), war die Wanderroute inhaltlich offen genug angelegt, um sich vor Ort bei Land und Leuten näher umzusehen.

So wechselt der Film Natureindrücke (die Schwanheimer Dünen, Hessens „Kornkammer“ Wetterau, Thüringer Wildpferde, die Monokulturen in Brandenburg & Sachsen, der Spreewald) mit persönlichen Interviews, schmerzvollen Einblicken (Hanau, das KZ Buchenwald) und den Erkenntnissen des Rucksackreisenden, wie sich in einer neuen deutsch-deutschen Realität nicht nur Gegensätze auftun, sondern der menschengemachte Eingriff in natürliche Kreisläufe diese auch noch forciert – selbst wenn sich so manch stillgelegte Industriebrache heutzutage kameratauglich als pittoresker „lost place“ andient.

Allerdings ist „Querfeldein“ weit davon entfernt, mit erhobenem Zeigefinger die Missstände nationaler Entwicklungen auszudeuten. „Ich wollte ja keine Reportage drehen“, so Schuch, „sondern neugierig sein, reflektierte Menschen treffen, interessante Gespräche führen und Gegenden besuchen, in denen ich selbst noch nie war. Und ich bin viel herumgekommen.“ Eine dieser Entdeckungen ist zweifellos „Schloss Lilliput“ in Naundorf/Fichtenwalde, wo dessen exzentrischer Bauherr Steffen Modrach eine Art begehbares Müllhalden-Gesamtkonzept betreibt, das seine eigene Dokumentation verdient hätte. „Ist ja verrückt“, dachte sich auch der Regisseur.

Hier erhält der Begriff „Artenvielfalt“ eine spezielle Bedeutung: Was es nicht alles gibt zwischen Main und Oder! „Da muss man nicht erst den Amazonas durchqueren, genügend kleine Abenteuer warten um die Ecke“, schmunzelt Schuch in Anbetracht der Zahl an Reise-Dokus, die mittlerweile den Kinomarkt fluten. So viele Eindrücke, dass er sich dazu entschloss, neben dem 78-minütigen Film auch gleich noch ein 208-seitiges Fotobuch herauszubringen, welches dem Gesamtprojekt eine ergänzende Tiefe verleiht – und außerdem richtig gut aussieht. Von Frankfurt nach Frankfurt also, 550 Kilometer, dreieinhalb Wochen Fußmarsch: „Das ist zu schaffen“, findet Christoph Schuch. Man muss nur eine Sache tun: loslaufen.

>> Die Filmpremiere fand am 16. September in der Caligari FilmBühne Wiesbaden statt, weitere Vorführungen in Frankfurt folgen am 28. September um 19 Uhr im Orfeos Erben sowie am 4. Oktober um 18.30 Uhr in der Harmonie. Termine & Buchbestellung: www.avanti-film.com

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Dieser Text ist zuerst in der September-Ausgabe (9/22) des JOURNAL FRANKFURT erschienen.
 
26. September 2022, 10.19 Uhr
Andreas Dosch
 
 
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